Ysabell
Gast
ich verstehe, dass Du momentan wirklich sehr unter Druck stehst denn Du bist seit bald einem Jahr in einer Dauerschwebe. Es bewegt sich nichts. Kann man den Anderen nicht zu dem bewegen, was man gerne hätte, bleibt einem nichts anderes als sich selbst in Bewegung zu setzen.
Manchmal spiegelt sich aber in einer Beziehungssituation die eigene Situation wieder.
Ich habe es so oft im Leben erlebt, dass sich erst etwas änderte wenn ich mich geändert habe (d.h., nicht notwendig, dass es sich nach meinem Wunsch veränderte aber auch das geschah). Du schreibst zwar, dass Du hart an Dir gearbeitet hast...und das glaube ich Dir...aber doch tönt es so, als ob Du all das für ihn/für euch getan hast. Als ich eben Deinen Beitrag las, dachte ich spontan "Monamuh interessiert sich gar nicht für sich selbst.". Wenn wir lieben, sind wir immer auch auf den geliebten Menschen konzentriert, umso mehr wenn wir unglücklich lieben aber es bleibt immer eine Aufgabe, zu sich selbst zurück zu finden, oder bei sich zu bleiben. Das Folgende mag sehr platt klingen: wenn Du Dich nicht für Dich selbst interessierst, interessieren sich auch andere nicht/wenig(er) für Dich. So jedenfalls meine Erfahrung. Auch ich war in meinem Leben schon mehrmals so konzentriert auf einen Mann. Es war wirklich immer das gleiche Spiel: habe ich einmal losgelassen von meinem Wollen (in Bezug auf den Kerl), die Situation einfach hingenommen, mir gesagt "So (beschi...) ist es jetzt einfach und ich kann im Moment nichts daran ändern.", und habe mich dann wieder mir selbst und meinen Aufgaben zugewendet, erst dann (aber gewiss auch nicht immer), setzte sich auch der Mann in Bewegung. Das funktioniert aber nicht, wenn man im Hinterkopf den Gedanken hegt "Ich kümmere mich jetzt mal um mich...damit er dann wieder anbeisst."
So oder so: ob Du ihn wieder an Deiner Seite hast oder nicht, musst Du Dich Dir selbst widmen. Und damit meine ich nicht, seinen Tagesablauf mechanisch zu bewältigen, sondern wirklich, sich selbst liebevoll zuwenden. Möge das auch erstmal bedeuten, sich selbst die Tränen abzutupfen oder sich mit einem Eis zu trösten
Jeder von uns kennt diesen Zustand, in dem wir etwas unbedingt wollen- z.B. die Zuneigung und Aufmerksamkeit eines geliebten Menschen. Aber wir bekommen es eben nicht immer. Dann heißt es, dies erstmal hinzunehmen und die Trauer darüber zuzulassen. Loslassen. Nicht unbedingt aufgeben. Man liest deutlich heraus, wie sehr Du Dich an ihm "festgebissen" hast. Ich meine das nicht böse, kenne ich auch. Aber das wird er spüren, ganz gleich wie viel zeitliche oder räumliche Distanz Du ihm lässt. Er wehrt sich dagegen und wird es vielleicht so lange tun, bis Du wieder zu Dir kommst.
Und ebenso kennen viele von uns das Gefühl, aufgrund unserer Unzulänglichkeiten etwas wertvolles verloren zu haben. Man macht Fehler im Leben...das ist unvermeidlich. Du warst einer so schweren Situation ausgesetzt, dass es nicht wundert, dass Du damit die Beziehung sehr belastet hast. Es ist schmerzhaft, dies nicht rückgängig zu machen und im nachhinein weiß man es immer besser. Verzeihe Dir selbst. Du konntest es zu diesem Zeitpunkt nicht besser.
Auch ich dachte schon einmal, dass mein Leben ohne einen bestimmten Menschen nicht lebenswert sei. Heute weiß ich, dass der Verlust eines sehr wichtigen Menschen zwar sehr schmerzvoll ist, mein Leben aber auch ohne irgend einen einzelnen Menschen sehr lebenswert ist. Ich glaube, ohne diese Erfahrung wäre ich nicht dahin gekommen, so zu fühlen und zu denken.
Wenn Du dahin kommst, spürt das jeder Mensch in Deiner Umgebung und dann fühlt sich Deine Liebe freier und weniger wie eine Fessel an und es ist möglich, dass Dein Freund sich Dir dann auch wieder mehr zuwendet.