Zitat von nalea: Ich finde es grundsätzlich fatal von Betroffenen Angehörigen oder Partnern zu verlangen, dass sie die Auswirkungen der Störung/Krankheit verstehen und hinnehmen sollen - schließlich meint der gestörte es ja nicht so.
Verstehen ist ja nicht gleichzusetzen mit Hinnehmen. Kann aber ggf. erleichtern, mit den Auswirkungen umzugehen - eben weil die sich vermutlich nicht abstellen lassen werden, wie der Anwalt gesagt hat.
Ich habe auch psychisch kranke Eltern (gehabt) und nicht von ihnen bekommen, was ich gebraucht hätte. Ich habe mich schon als Kind oft für das auffällige, unangemessene Verhalten geschämt. Da ist ganz viel Ärger und Wut in mir. Aber hier und jetzt, wo das noch lebende Elternteil alt und hilfsbedürftig ist, habe ich die Gelegenheit, es besser zu machen. Ich halte den Kontakt in Grenzen, weil ich das sonst nicht aushalte, aber ich lasse ihn zu und helfe, wenn Hilfe gebraucht wird. Es sind und bleiben meine Eltern und ich möchte, dass es dem noch lebenden Elternteil so gut wie möglich geht.
Das muss natürlich jeder für sich entscheiden, ob und wie viel Kontakt möglich ist.
Letztens hatte ich ein Gespräch mit meinem Sohn, der sehr belesen ist und sich viel mit anderen Kulturen beschäftigt, über den Umgang mit psychisch kranken Menschen. Er meinte, wir Deutschen neigen dazu, Menschen schnell Eigenschaften zuzuschreiben und sie zu kategorisieren: der/die ist schizophren, depressiv, narzisstisch oder whatever (natürlich auch positiv möglich). In anderen Ländern sagt man eher: "Der/die macht gerne das und das...", bleibt also auf der konkreten Verhaltensebene. Das ist eine Technik, die auch in der systemischen Therapie angewendet wird, und ich glaube, es kann hilfreich sein, auf dieser rein beschreibenden Ebene zu bleiben.
"Meine Mutter schreibt mir gerne Briefe" klingt doch gleich ganz anders als "Meine Mutter ist schizophren". Und das ist es doch, was sie in erster Linie macht.