Zitat von Nalf: -Dass Deine Frau Dir gesagt hat, dass sie Angst hatte, nun auch die Versorgerrolle dauerhaft übernehmen zu müssen.
Darum ist es nie gegangen, dass sie die Versorgerrolle hätte übernehmen müssen. Selbst wenn ich mit meinem rechten Bein nicht mehr (richtig) hätte laufen können, hätte ich meinen Job weiter ausüben können.
Gefühlt hatte meine Frau auch nie Angst, wie das weitergehen könnte.
Sie war gefühlt nur genervt, dass sie sich jetzt um mich kümmern musste und dass ich teilweise so schlecht drauf war. Das konnte sie überhaupt nicht verstehen. Deshalb habe ich mich oft bei ihr entschuldigt und schon sehr frühzeitig versucht, im wahrsten Sinne des Wortes, wieder auf eigenen Beinen zu stehen.
Zitat von Nalf: -Einen (rituellen) Moment, an dem Du sie aus der zurückstehenden, dienenden Pflegetrolle entlassen hast und wieder den Platz als Fels in der Brandung eingenommen hast.
Nein, einen bestimmten Moment oder Augenblick gab es da nie, weil ja auch nicht auf einmal wieder alles gut war.
Natürlich habe ich, wie oben schon geschildert, versucht, so schnell wie möglich wieder alles selbst erledigen zu können, damit ich meiner Frau dadurch nicht zur Last falle. Deshalb habe ich mich dann schon früh zuhause viel mit Rollstuhl und Krücken bewegt, um selbstständig zu sein.
Zitat von Nalf: -ein Moment, an dem Du ihr für die vergangenen Monate denkst und ihr sagst, dass sie jetzt wegen des Fußes keine Rücksicht mehr auf Dich zu nehmen braucht?
Wie auch schon oben geschrieben, habe ich mich ständig bei ihr bedankt und entschuldigt. Aber da ich bis heute Probleme mit meinem Bein habe, ist es auch immer noch notwendig, darauf Rücksicht zu nehmen. Womit weder meine Freunde, noch meine Familie ein Problem haben ... nur eben meine Frau.
Zitat von Nalf: Und wie bist Du wieder "auf Augenhöhe" zu ihr gekommen? War das z.B. ein Ausgleich zu der Fürsorge, die Du bei ihr im Wochenbett angewandt hast? Oder bist Du ihr da was "schuldig" geblieben?
Diese Ansicht finde ich gleich auf mehreren Ebenen falsch.
Erstens waren wir immer auf Augenhöhe miteinander. Wir waren ja immer noch gleichberechtigte Partner. Sie hat sich im Falle einer sehr schweren Verletzung um mich gekümmert. Das sehe ich in einer gleichberechtigten Beziehung aber als selbstverständlich an und hätte ich für sie ganz genauso gemacht.
Zweitens klingt das für mich so, als müsste man "gute Taten" in einer Beziehung ausgleichen. Ich hab mich im Wochenbett um sie gekümmert und ihr geholfen als unsere Tochter noch sehr klein war. Jetzt habe ich einmal Pflegen bei einer schweren Verletzung gut. Diese Prinzip finde ich abscheulich. Entweder sind Partner gleichgestellt, dann macht man sowas gerne für den anderen ... auch ohne Gegenleistung. Oder wenn das nicht der Fall ist, sollte man die komplette Beziehung hinterfragen...