Okay, dann gehe ich gern auf deine Antwort ein.
Zitat:>>Das wiederum sehe ich nicht so. Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Transparenz. Weder spitzel ich ihn aus noch stell ich Fangfragen oder sowas. Ich möchte nur nicht angelogen. Ist es nicht menschlich, dass man - kommt einem was komisch vor, man darüber redet um zu schauen, wo der Denkfehler sitzt?<<
Ja, das ist natürlich. Und wenn man den Partner bei einer offensichtlichen Lüge erwischt, bricht etwas sehr Wichtiges weg. Das kann zu einer dauerhaften Störung führen. Und darum versuchst du diese Störung dadurch zu beheben, dass du so viel wie möglich von der WAHRHEIT erfährst.
Mit den Erkenntnissen aus dieser Wahrheit willst du deine Gedankenwelt korrigieren und daraus dein Handeln ableiten. Das alles ist richtig, logisch und kann zu einem guten Ergebnis führen, welches das auch imemr sein wird. Zwei wichtige Punkte möchte ich dir allerdings dabei zu bedenken geben:
Es geht erstens um die Bilder, die dadurch in deinem Kopf entstehen, dass er wirklich ungeschönt die Wahrheit über das Ereignis vor 12 Jahren sagt. Ich habe Hunderte von Krisen und Trennungen begleitet und dabei sehr oft die Erfahrung gemacht, dass die Betrogenen mit den Bildern, wenn sie erst einmal durch viele Fragen und ehrliche Antworten entstanden sind, nicht mehr umgehen konnten. Die Bilder waren dann schlimmer als die Unsicherheit, auch wenn man das vorher anders sieht. Die Aussage: "Hätte ich doch nicht alles so genau wissen wollen!" ist häufiger als man denkt.
Das Bedürfnis nach Wahrheit ist also einerseits völlig verständlich, denn wer die Wahrheit nicht kennt, fühlt sich aus einem wesentlichen Teil des Lebens (seines Partners) ausgeschlossen. Und da macht sich das Gefühl breit, dass man durch das umfangreiche Wissen (und das daraus bestenfalls entstehende VERSTEHEN) auch wieder verzeihen und lieben kann. Dieses Gefühl kann täuschen, denn mit dem, was der Betrogene für die Wahrheit hält, wird er mit den oben erwähnten Bildern und mit einer völlig neuen Gedankenwelt konfrontiert, die ihn echt überfordern kann.
Um allerdings deine Verletzungen heilen und bestenfalls auch verzeihen zu können, ist es wichtig VERSTEHEN zu können (ohne dabei automatisch auch VERSTÄNDNIS für das Geschehen aufbringen zu müssen). Denn wer versteht, kann heilen und bestenfalls auch vergeben.
Den zweiten wichtigen Punkt möchte ich noch ansprechen, wenn du zu dem Ergebnis kommen solltest dich trennen zu müssen: Diese Entscheidung, die ja DEINE Entscheidung zur Trennung ist, musst du in dein weiteres Leben und das deiner Kinder integrieren können. Will sagen, sie müssen es auch nachvollziehen können und du musst ihnen dauerhaft und schlüssig erklären können, warum du dich von ihrem Vater getrennt hast, obwohl es aktuell gar keinen Anlass dafür gegeben hat und er das gar nicht wollte.
Darum ist es sehr gut und wichtig, dass du dir das nicht leicht machst und auch einen professionellen Helfer an eure Seite geholt hast. Denn ein PT muss nicht nur Trennungen verhindern können, er muss auch Trennungen so begleiten können, dass hinterher beide Partner damit im Frieden weiter leben und das Ergebnis auch den Kindern gegenüber glaubwürdig vertreten können.
Zitat:>>Exakt das sind die Worte meines Mannes... So ein Totschlagargument mit den Kindern:( Aber ich verstehe, was Du sagen möchtest. Und ich gebe Dir recht.<<
Siehe oben. Ich sehe es also nicht als Totschlagargument, ich sehe es als sehr wichtige Grundlage für das, was dir nach der Trennung bevor steht. Du musst mit dieser Trennung im Frieden sein, und das nicht nur in den ersten Wochen, sondern zunächst über die gesamte Trennungszeit bis zur Scheidung, dann aber vor allem auch danach. Es muss dir also besser gehen als bisher. Dann war die Trennung eine gute Entscheidung.
Wenn ich dir hier also "sperrige Gedanken" an die Hand gebe, die dich stören, die dir fremd oder nicht willkommen sind und die schwer nachzuvollziehen sind, dann mache ich das nicht, um dich von etwas zu überzeugen. Es sind nur Denkangebote. Die kannst du annehmen oder du kannst die als falsch ansehen und davon Abstand nehmen. Sie können und sollen dir aber dabei helfen, zu deiner Entscheidung, die aus all dem resultiert, auch dauerhaft und überzeugend stehen zu können. Bestenfalls ergibt sich das Gefühl: "Ich habe alles getan, um es zu verhindern, aber es musste getan werden!" Dann ist es gut.
Zitat:>>Du fragtest nach der PT bzw. der aus vom Therapeuten angeratenen Offenlegung:
Wir hatten letzte Woche ja unseren Termin. Da mein Mann jetzt nicht so der große über Gefühle Sprecher ist, haben wir uns geeinigt, dass ich ihm meine Liste mit Fragen zu kommen lasse. Er wird diese beantworten - nach bester Erinnerungslage, wahrheitsgemäss und umfänglich - so dass ich keinerlei Raum für Interpretationen habe.<<
Entschuldige den Einwand, aber natürlich wird es Interpretationen bei dir geben. Denn du lebst in einer anderen Gedankenwelt als dein Mann. Und in jeder Gedankenwelt fühlt sich das, was wir die WAHRHEIT nennen, anders an und ergibt andere Schlussfolgerungen und Bilder. Die absolute und *beep* Wahrheit gibt es nicht. Sichtweisen und Standpunkte sind immer individuell und damit auch die Schlussfolgerungen aus dem, was er offen legt. Noch ist es vielleicht früh genug, das in deinen Fragenkatalog einzubauen. Es wäre gut für dich.
Zitat:>>Danach habe ich mir Zeit erbeten um das sacken zu lassen (1 oder 2 Wochen). Nach dieser Zeit werden wir uns an einem neutralen Ort (entweder PT oder Restaurant) treffen und nochmal für eine begrenzte Zeit (2 Stunden) darüber reden, Fragen klären. Danach sollte soweit alles geklärt sein, damit das Thema ruhen können sollte.
Ich bin gespannt, ob das funktioniert, bin aber zuversichtlich...<<
Das klingt alles gut. Man spürt den Profi im Hintergrund. Man kann das Gespräch sogar noch strukturieren und nicht nur zeitlich begrenzen. Beispielsweise redet einer eine Viertelstunde ohne Unterbrechung, dann der andere. Das ergibt ganz spannende neue Gefühle und daraus können auch neue Erkenntnis entstehen.
Die zeitliche Begrenzung ist vorher wichtig, damit man die Übersicht nicht verliert. Wenn es aber hinterher ein wirklich gutes Gespräch wird, ist das nicht mehr so wichtig. Wenn einer von beiden nicht mehr das Gefühl hat, dass es ein gutes Gespräch ist, dann kann man einen neuen Termin vereinbaren. Man muss sich nicht Skla. an das halten, was vorher vereinbart wurde. Denn es kann ja neue Erkenntnisse geben und die verlangen nach neuen Gesprächen.
Du machst das gut, soweit ich das beurteilen kann. Ich hoffe und wünsche dir, dass deine Erkenntnisse aus all dem dazu beitragen, dass du nach all dem mit dem leben kannst, was du an Entscheidungen triffst.