@BunteKatze
Es klingt, als sei dein Herz und Kopf gerade völlig überfordert – dein altes Programm läuft im Unterbewusstsein noch, und dein "inneres Gewohnheitssystem" muss sich erst neu kalibrieren, um mit der neuen Realität klarzukommen. Das braucht Zeit, und es ist völlig verständlich, dass es sich im Moment so quälend anfühlt. Liebes gibt dir doch selber die Zeit dafür, du bist gerade mal bei Tag 33.
Zitat von BunteKatze: 1. Ich glaube ich habe immer noch nicht ganz begriffen, wie schlimm das, was gerade mit mir passiert wirklich ist. Als würde mein Hirn das ignorieren. An manchen Tagen fühlt es sich an, als wäre er nur im Urlaub und ich ein bisschen traurig, weil er nicht im guten gefahren ist. Das ist so seltsam
Dass du noch nicht ganz begreifst, wie schlimm das alles ist, ist normal – nicht nur der Verstand, sondern auch das Herz muss sich an diese Veränderung gewöhnen. 16 Jahre Gewohnheit lassen sich nicht von heute auf morgen umstellen.
Zitat von BunteKatze: 2. Das Gefühl nicht mehr zu wissen was er denkt und fühlt lässt mich langsam verzweifeln. Von anderen zu erfahren, was der wichtigste Mensch in meinem Leben zu Weihnachten plant oder gerade denkt, ist der blanke Horror.
Auch das Gefühl, nicht zu wissen, was er denkt oder fühlt, ist ein Teil des alten Programms. Dein Herz ist es gewohnt, alles mitzubekommen und zu verstehen. Wie bereits gesagt, bis diese "innere Festplatte" sich neu kalibriert hat, wird es dauern.
Zitat von BunteKatze: 3. Ich komme mir unglaublich dumm vor, dass ich wirklich dachte, ich könnte unsere Beziehung aufrechterhalten und ihr neues Leben einhauchen. Das ich so naiv war zu denken, dass 16 Jahre etwas bedeuten und ich ausreiche, um nicht für eine andere Person verlassen zu werden. Das ich dumm genug war, zu glauben, dass er einmal wieder gekommen ist, wäre der Beweis für etwas gewesen.
Dass du dich dumm fühlst, weil du gehofft hast, die Beziehung könnte weiterbestehen, zeigt, wie sehr dein Herz an Verlässlichkeit und Dauer festhält. Das war nicht naiv – es war menschlich, zu lieben und daran zu glauben, dass eure Nähe Bestand haben könnte.
Zitat von BunteKatze: 4. Ich habe unfassbare Angst, seine jetzige Version demnächst sehen zu müssen. In meinem Träumen wird er fies und gemein. Sagt mir, dass er nicht versteht wie er es 16 Jahre mit mir ausgehalten hat und das er viel früher hätte gehen müssen. Warum ich so verblendet war, nicht zu merken, dass er mich nicht liebt und nur aus Mitleid bei mir war. Das er sich viel zu lange mit mir aufgehalten hat usw. usf.
Das ist wahnsinnig quälend.
Die Angst davor, seine jetzige Version zu sehen, spiegelt, wie dein Herz noch Sicherheit und Kontrolle sucht. Dein Verstand spielt Szenarien durch, um dich auf Schmerz vorzubereiten – das ist normal in so einer Situation. Aber du kannst bewusst Gegensteuer geben, indem du dir selbst sagst:
Where there is a flame, someone’s bound to get burned — but just because it burns, doesn’t mean you’re gonna die. You gotta get up and try.
Diese Zeile aus dem Lied Try von P!nk erinnert dich daran: Ja, es tut weh, aber Schmerz heißt nicht, dass du kaputt bist. Du kannst dich neu sammeln, atmen und weitermachen.
Zitat von BunteKatze: 5. Ich will nicht das Gefühl haben müssen, 16 Jahre in einer Illusion gelebt zu haben. Ich nicht erkennen, dass er mich nie geliebt hat, weil ich nie gereicht habe.
Der Wunsch, nicht zu erkennen, dass vielleicht vieles anders war als gedacht, ist verständlich. Dein Herz versucht, die schönen Erinnerungen zu schützen. Es bedeutet nicht, dass du blind warst – du hast geliebt und Verantwortung übernommen. Gleichzeitig zeigt sich in deinen eigenen Worten und Gedanken schon, dass er nicht immer ein "Glücksgriff" war und dass ihr beide schwierige Phasen hattet. Es ist okay, das so wahrzunehmen – es schmälert nicht, wie intensiv du geliebt hast oder wie wichtig eure Verbindung war.
Zitat von BunteKatze: 6. Ich komme nicht damit klar, das er mit ihr Weihnachten feiert. Ich weiß nicht warum genau, aber dieser Punkt verletzt mich so krass. Aber ich habe keine Antwort, warum mich das jetzt so von den Füßen reißt.
Dass dich sein Weihnachten mit ihr so stark verletzt, ist verständlich. Dein Herz spürt den Verlust – und das ist völlig okay. Gleichzeitig macht es eindrücklich sichtbar, dass er offenbar nicht nur die "weibliche Hauptrolle" in seinem Leben kurzerhand neu besetzt hat, sondern auch die gewohnte Struktur und die Nähe zu seiner Familie gerade offenbar nicht in seinem neuen Drehbuch vorkommen. Er rennt wahrscheinlich noch immer davon und versucht, allem und jedem zu entkommen, was ihn mit seinen eigenen Baustellen konfrontieren könnte
Zitat von BunteKatze: 7. Ich weiß das er mich nicht leichtfertig verlassen hat. Das habe ich ihm monatelang angemerkt. Irgendwie ging es ihm wochenlang ähnlich wie mir jetzt. Aber es fühlt sich so an, als hätte er mich jetzt einfach weggeworfen. Den einen Menschen, dem er immer alles erzählen konnte. Er hatte nie viele enge Freunde, ich war seine beste Freundin. Kann sich das jetzt für ihn wirklich alles so gut anfühlen wie er nach außen vorgibt? Muss ihm nicht wenigsten das vertraute mit mir fehlen? Die Gespräche? Die beste Freundin?
Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, das die Neue mich so vollumfänglich ersetzen kann.
Es ist verständlich, dass dich der Abstand so trifft, weil ihr so lange eng verbunden wart. Man merkt aber auch, dass du gerade dabei bist, ihn innerlich zu schützen und sein Verhalten fast zu verklären – als würdest du damit den Schmerz erträglicher machen. Gleichzeitig scheinst du deinen eigenen Wert davon abhängig zu machen, wie er dich sieht oder behandelt. Vielleicht ist es jetzt ein Moment, dir bewusst zu machen: Dein Wert ist unabhängig von ihm, und du darfst dich selbst halten.
Zitat von BunteKatze: 8. ich glaube ich werde ihn bei unserem Gespräch nichts mehr fragen außerhalb von organisatorischen Sachen. Wenn er mir etwas sagen will, kann er es gerne los werden. Aber ich glaube die Verletzungen die auf mich warten, wenn ich aktiv nachfrage, ertrage ich nicht zusätzlich auch nich.
Dass du im Gespräch nichts mehr fragen willst, zeigt Selbstschutz und Achtsamkeit für deine eigenen Grenzen. Das ist eine Stärke, kein Zeichen von Schwäche.
Zitat von BunteKatze: 9 Ich vermisse ihn mit jeder Faser meines Körpers. Aber mittlerweile fühlt es sich an, als würde ich um einen verstorbenen trauern. Alles was ich von ihm mitbekomme fühlt sich fremd an und falsch. Heißt das jetzt ich war jahrelang einfach dumm und blind, er hat mir nur was vorgemacht? Oder können sich Menschen wirklich so schnell um 180° drehen.
Dein intensives Vermissen und die Trauer sind völlig normal. Dass vieles fremd wirkt, gehört zum Loslösungsprozess – es ist kein Zeichen für Dummheit oder Blindheit.
Es darf alles weh tun. Vielleicht hilft es, bewusst kleine Momente nur für dich zu schaffen, in denen du deine Gefühle beobachtest – ohne gleich Lösungen zu suchen oder etwas ändern zu wollen. Schon das Wahrnehmen deiner Gedanken und Emotionen ist ein kleiner Schritt aus dem Karussell des alten Programms.
Sei nachsichtiger mit dir selbst: Mach ihn nicht größer oder glänzender, als er ist, und stell dich nicht kleiner oder infrage. Das hast du nämlich nicht nötig. Du bist genau richtig so, wie du bist. Wer das nicht erkennt, zu schätzen und zu würdigen weiß, der hat dich nicht verdient – und wie heißt es so treffend: Reisende sollte man nicht aufhalten.