driftingaway
Gast
Zitat von tesa:Gab es sonst Auffälligkeiten? Selbstverletzungen?
Davon habe ich definitiv nichts gesehen, aber sie war anscheinend sehr anfällig für allerlei WehWehchen, Allergien, Unfälle und Krankheiten. Sie hatte eine ganze Schublade voller Pillchen. Als sie ihren Streßzustand vor dem Urlaub hatte, bekam sie sogar heftigen Schüttelfrost und dachte darüber nach, Beta-Blocker zu nehmen (hätte sie vorher schon mal gemacht). Sie hatte diesen Zustand dann auch prompt nochmal an unserem letzten Urlaubstag und litt die ganze Heimfahrt vor sich hin, wollte dann auch direkt zu ihren Eltern, wo sie sich fast drei Wochen lang auskurierte.
Es kam dabei heraus, dass sie on top an einer Schilddrüsenunterfunktion litt...
Nach außen hin war (und ist sie anscheinend noch) ein absolut fröhlicher, offener und herzlicher Mensch, aber ich hatte immer wieder mal den Eindruck, dass etwas Undefinierbares in ihr vorging, konnte oft schwer ihren tatsächlichen Gemützszustand einschätzen. Und dann kamen dann immer wieder diese abrupten unerwarteten Absagen, dass sie gestresst sei, dass es ihr nicht gut gehe und sie ihre Ruhe bräuchte.
Zitat von tesa:Weißt du näheres über die Eltern? Wie siehst du die?
Mit ihren Eltern habe ich mich ganz gut verstanden.
Gerade ihr Vater war sehr betroffen über die Trennung, meinte aber, dass sie das wohl immer so handhabt: wenn sie einmal eine Entscheidung trifft, kann man nicht mehr mit ihr reden.
Ihr Vater wirkte ansonsten irgendwie etwas zynisch, introvertierter und kühler, aber zu mir immer sehr herzlich und schien meine Gesellschaft zu genießen. Wir hatten einige lustige ausgelassene Abende.
Ihre Mutter wirkte auf mich auch immer etwas unsicher und still, war aber auch stets herzlich zu mir und freute sich immer riesig, mich zu sehen.
Was ich zumindest mitbekommen habe ist, dass die beiden eigentlich gar nicht mehr wirklich zusammen sind, sondern vielmehr eine Art Zweckgemeinschaft in dem Haus führen. Jeder geht ansonsten seiner Wege, macht sein Ding und dann irgendwie doch familiär verbandelt.
Es gibt auch sonst keine andere Verwandschaft, und meine Ex ist das einzige Kind.
Zitat von tesa:Sie hat sich in der Beziehung aufgegeben. Kannst du das nachvollziehen?
Genau, dieses sich Aufgeben geisterte auch in meinem Kopf herum. Mit Sicherheit habe ich da einiges übersehen, gerade auch wegen der noch aktiven Verarbeitung meiner kaputten Ehe und die Sorge um meine Tochter. Ich war vielmehr perplex, wie schnell sie sich in diese Familienkonstellation einbrachte, und ihr Verhältnis zu meiner Kleinen war ungewöhnlich intensiv die beiden hatten sich in kürzester Zeit nach dem ersten Kennenlernen gegenseitig ins Herz geschlossen.
Ich befürchte auch, dass sie sich da; ohne dass ich da irgendwas von ihr verlangt hatte; selbst überfordert hat und erst später merkte, dass sie dieses Tempo gar nicht aushalten kann.
Dumm nur, dass ich mich an diesen anfänglichen Zustand irgendwie schon gewöhnt hatte und diese plötzliche Vollbremsung dann auf absolutes Unverständnis bei mir stieß. Ich beging dabei wohl den Fehler, etwas adaptieren zu wollen, was sich über viele Jahre aufgebaut hatte, und sie meinte irrtümlich, sie müsste so funktionieren.
Zitat von tesa:Das einzige, was für dich relevant ist, ist, dass das nicht aufhören wird, solange ihr die Ursachen nicht klar sind, sie nicht gelöst sind!
Zitat von tesa:Ich schätz, dass wird auch weiter so bleiben, bis den Platz in deinem Herzen jemand anderer einnimmt.
Zitat von tesa:Menschen die psychisch einen Knacks haben, aber eben nur einen Knacks, können ja auch irgendwann was logisches tun. Und sie ist ja auch wieder gekommen!
Letztlich wissen wir erst bei eurem Lebensende wie oft sie wiederkam.
Zitat von tesa:Ich hab das Spiel ca. 5 Jahre gespielt, mit zwei sehr langen Unterbrechungen.
Hm, meinst du denn damit, sie wird noch einmal anklopfen, so dass es überhaupt noch einmal dazu kommt, dass wir uns mit diesem Thema noch einmal auseinander setzen müssen?
Ich war ja offen und bereit für einen Neuanfang, was ich ihr auch so kommuniziert hatte.
Nur , seit bald 10 Monaten steht ihre Überzeugung und ihre letzte Aussage. Sie ist sie abgetaucht, und wir haben keinen Kontakt mehr, wir sind aus der Welt des anderen komplett verschwunden. Und ich sehe bei ihr auch keine Ansätze; auch nicht in ihren regelmäßigen Statusmeldungen; dass sie mit dem Gedanken spielt, noch einmal den Kontakt zu mir zu suchen, unsere gemeisame Zeit vermisst oder diesen Schritt in irgendeiner Form bereut sie hat sich vielmehr in ihre neue bzw. passender alte Welt wieder eingerichtet.
Zitat von tesa:Du hast ein Kind! Ein Mädchen noch dazu! Wurde schon von der Mama verlassen, jetzt auch noch von der "Stiefmutter" . ich wünsche mir für sie, dass du ganz viel mit ihr sprichst!
Das war auch mein erster Gedanke (mein Gott, bitte nicht schon wieder! Was löst das bei ihr aus?), als die Trennung Teil 1 passierte; was auch das letzte Mal war, dass die beiden sich gesehen haben.
Meine Tochter und ich sind ein absolutes Team, die heftigen Phasen haben wir beide ganz gut über die Bühne bekommen, und sie hat von ihrer Fröhlichkeit und Ausgelassenheit nichts eingebüßt. Sie mag höchstens aufgrund der Tragödien etwas gereifter zu sein wie ihre Freunde.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie mit dem Verlust ihrer Stiefmutter sogar eher klar kommt, als ich. Sie erwähnt sie nicht mehr und will aber auch sonst nichts mehr von ihr hören (klar, sie ist enttäuscht von ihr).
