Zitat von Prosska:
Ja die gibt es, aber tendenziell sind Akademiker deutlich gebildeter als die meisten Handwerker, die ich kenne. Die Gespräche sind einfach andere, deutlich analytischer und komplexer.
Es ist aber eher diese Passivität, die fehlende "Hands-on-Mentalität", die mich bei ihm stört und die ihn für mich unmännlich macht.
Er musste sich neulich selbst Thrombosespritzen in die Bauchfalte geben, da gibt es diese kleinen mit einem Piekser als Aufsatz. Da hatte er soviel Angst vor, dass er täglich zu seinem Hausarzt damit ist und die dort schon über ihn gelacht haben. Er verpasst seinen Sportkurs regelmäßig, sitzt lieber auf der Couch und schaut TV.
Ich musste gerade lachen. Vor 10 Jahren benötigte ich vor einer OP auch diese Thrombosespritzen und war auch zu ängstlich, um sie mir selbst zu geben. Deshalb engagierte ich auf eigene Kosten einen Pflegedienst für 2 Wochen, die mir täglich die Spritze gaben.
Aber was hat das mit Bildung zu tun? Ich habe studiert und bin trotzdem feige.
Ansonsten gehe ich mit dir daccord: Meine Erfahrungen mit einem starken Bildungsgefälle sind nicht gut.
Das waren verschiedene Welten und es gab häufig kommunikative Diskrepanzen.
Mein Ex hatte gerade mal so den Hauptschulabschluss geschafft und keine Ausbildung. Er hangelte sich von einem Helferjob zum anderen, dazwischen immer wieder lange Phasen der Arbeitslosigkeit.
Eine normale Unterhaltung, wie ich sie mit Freunden nebenbei führe, war für ihn schon zu belastend.
Seine Lieblingssätze: Ich will keine Themen wälzen. Ist mir zu kompliziert. Hab ich noch nicht drüber nachgedacht. Weiß nicht. Ich hab es gerne einfach.
Klar hatte er auch Gebiete, auf denen er sich auskannte (Musikkenntnisse). Aber die Art, wie er darüber referierte, war merkwürdig.
Lesen kam auch nicht in Frage. Sein Wissen bezog er aus den Dokus privater Sender, deren Inhalte er falsch oder als unumstößliche Wahrheit wiedergab.
Dieser Spaß an ergebnisoffenen Diskussionen fehlte ihm. Dieses vorsichtige Herantasten an Themen. Die Liebe zu Worten und die Freude, wenn ein treffendes Wort für einen Sachverhalt gefunden wird.
Es gab nur ein Richtig oder Falsch bei ihm.
Manches hat er auch falsch verstanden und wirkte schnell gekränkt (hat aber sicher nicht nur mit der mangelnden Bildung zu tun).
Immer die selben Phrasen und Allgemeinplätze waren auch typisch für ihn.
Ich hingegen habe durch das Studium gelernt, zu hinterfragen, zu reflektieren, zu analysieren, zu interpretieren, zu differenzieren, zu argumentieren. Auch inhaltliche Transferleistungen, Gespräche auf Abstraktionsniveau und Sprachfertigkeit sind in meinem Beruf wichtig.
Und plötzlich war all das, was in anderen Beziehungen und in meinem Job ein Vorteil war, ein riesiger Minuspunkt im Zusammensein mit diesem Mann.
Ich hätte mit dieser Unterschiedlichkeit sogar leben können. Nicht alle Interessen müssen über eine Beziehung abgedeckt sein, dafür gibt es auch Freunde. Meiner Ansicht nach, werden Beziehungspartner mit Erwartungen ohnehin oft überfrachtet.
ABER es wurde unangenehm, als er begann mich abzuwerten.
Er muss wohl irgendwie Minderwertigkeitsgefühle gehabt haben, denn es kamen anfangs oft Aussagen wie: Was willst du denn mit einem wie mir?
Egal wie sehr ich ihn für seine Stärken bewunderte, diese lobte und meine eigenen Schwächen betonte (ich bin z.B. kompletter Matheversager). Fremdwörter benutzte ich bei ihm nicht. Auch erzählte ich ihm beim Kennenlernen erstmal nicht, dass ich studiert habe, sondern umschrieb nur wage die Aufgabenbereiche meines Berufes. Egal, was ich veranstaltete.....er wurde immer respektloser und abwertender mir gegenüber.
Mich störte ehrlich gesagt auch das Frauenbild, welches er hatte. Wie er mit seinem Freund über Frauen sprach. Die Schimpfwörter, die er im Streit benutzte.
Das alle Leute, die er kannte, keine Lust auf Arbeit hatten, in Maßnahmen waren und in der Freizeit Spiele zockten. Auch diese Freude daran, wenn man das Amt irgendwie austricksen konnte.
Ok, das war nur EIN Beispiel und dann gleich eine extreme Erfahrung. Sonst waren meine Ex-Beziehungspartner Akademiker, deshalb ist dieses Erlebnis zwar abschreckend, aber singulär und nicht repräsentativ.
Aber beim Daten hatte ich früher Erfahrungen mit bildungsfernen Männern gemacht und den Kontakt nicht weiter vertieft, weil es nicht passte.
Wie viel Geld jemand verdient, ist mir dabei egal. Es sind eher die fehlenden Gemeinsamkeiten und die unterschiedliche Kommunikationsstruktur, die uns kein Paar werden ließ.