Bouwi
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Nachdem ich hier viel gelesen habe, möchte ich dieses Forum gerne als Chance für mich nutzen meine Gedanken ein wenig zu sortieren und mir eventuell einiges einfach von der Seele schreiben.
Mein Ex-Partner (39) und ich (33) waren seit 2013 sehr gute Freunde. Damals war er verheiratet (ich war auch mit ihr befreundet), er wurde dann betrogen, kam sofort mit einer jungen Freundin (ebenfalls aus dem selben Kreis) zusammen, aber das lief nicht gut.
Schon das letzte dreiviertel Jahr, während er mit ihr zusammen war, nannte er mich seinen Sonnenschein, sprach von meinen Eltern als seine Schwiegereltern (sie mochten ihn schon damals) und sprach schon damals davon, dass er sich Kinder mit mir vorstellen kann. Das beruhte auf Gegenseitigkeit, ich mochte ihn schon immer etwas mehr. Wir waren immer etwas romantisch zueinander, aber wir haben uns nie angerührt. Wir haben gesagt: "Egal, ob als Freunde oder irgendwann als Paar, wir gehören irgendwie zusammen."
Er machte mit seiner Partnerin Schluss, weil es nicht gut lief (also wirklich nicht) und er sich in mich verliebt hatte. Noch am selben Tag der Trennung haben wir uns zum ersten Mal geküsst.
Es folgte eine innige, super harmonische und schöne Beziehung, haben 3 Jahre zusammen gelebt, die selben Hobbies (wir hatten beide Pferde), tolle Freunde, tolle Urlaube genossen.
Letztes Frühjahr haben wir uns auf Häusersuche gemacht, wollten den nächsten großen Schritt gehen. Waren uns mit allem einig. Nannten uns durchweg Seelenpartner, haben bis zum Schluss händchenhaltend geschlafen und viel unternommen, aber auch eigene Freunde gehabt.
Im Sommer wurde es dann komisch. ER wurde komisch. Fing an wieder vermehrt Sport zu machen, sich öfter zu rasieren, hatte erste kleine Zusammenbrüche vor mir. Ein Kollege im selten Alter war an einem Herzinfarkt verstorben. Er fing an das Hobby aufgeben zu wollen, ich wollte ihm beistehen, habe ihm alle Arbeit mit seinem Pferd abgenommen. Habe ihm den Rücken mit unserem (eigentlich sein) Hund abgenommen, er war täglich um die 10h arbeiten. Er hatte Angst, dass unsere Intimität weniger wurde, dabei war er es immer, der zu kaputt und müde war und für mich war es ok. Wirklich. Als er das sagte, habe ich sofort alles in Gang gebracht, ich habe schließlich sehr gerne S*x.
Und dann fing er an sein Handy zu verstecken und wurde kalt, sprach zu viel von einer Kollegin. Mein Bauchgefühl drehte durch, ich schaute eines nachts nachdem ich schon Wochen nicht mehr schlafen konnte, in sein Handy.
Er hatte eine Affäre mit seiner 21j. verlobten Kollegin (die er 3 Monate vorher kennenlernte) angefangen, zu dem Zeitpunkt haben sie sich 2 mal zum S*x getroffen. Er nannte sie seinen Sonnenschein und beteuerte, egal ob es für sie als Freunde oder als Paar weiterging, sie schaffen das irgendwie. Kam mir bekannt vor.
Long story short, ich bin nach einer Woche leerer Worte und vielen Tränen beiderseits zu meinen Eltern abgehauen und keine 4 Wochen später in eine neue Wohnung gezogen. Er stand heulend vor meinen Eltern und bat um Rat. Er belog mich weiterhin, wir waren aber immer nett zueinander.
Ich lernte jemanden kennen und keine 2 Monate nach unser Trennung stand er wieder bei mir auf der Matte, klammerte ganz doll, beteuerte seine Liebe zu mir und ich habe ihm geglaubt. Wir sind schon immer sehr zärtlich und liebevoll zueinander gewesen.
Wir kamen wieder zusammen, er sprach sehr schlecht über seine Kollegin und es erschien mir schlüssig. Er befand sich in einer Midlife Crisis, ihm fehlte Anerkennung (ich habe ihn unglaublich angehimmelt, ich hatte immer das Gefühl, es reichte ihm) und sie war einfach zum richtigen Zeitpunkt vor Ort. Er nannte sie kindische Schl*mpe, weil sie sich sofort weiter durchs Amt v*gelte (er war auch nicht der erste), sie hat ihren Ex-Verlobten auch noch doll ausgenutzt und meinen Expartner auch doll belogen (das weiß ich, weil ich mich mal mit ihm getroffen habe). Er sagte bis vor kurzem noch, was an ihr alles nicht zu ihm passte, grundlegende Dinge wie Werte und Vorstellungen vom Leben.
Nun haben wir uns Anfang April wieder getrennt, die Wolke über uns war einfach zu groß. Wir waren aber weiterhin nett und lieb zu einander, hatten viel Kontakt und uns gegenseitig geholfen. Schon im Juni gestand er mir, dass sie noch mal miteinander geschlafen haben, es aber ein großer Fehler war, weil er ihr keine Hoffnungen machen wollte und sie ihm seitdem WIEDER auf Arbeit das Leben zur Hölle machte.
Vor 2-3 Wochen rief er noch eine Freundin heulend an, wie furchtbar sie ihn behandeln würde.
Vor 2 Wochen dann ein Anruf: "Ich möchte nicht, dass du das irgendwann schockiert herausfindest, aber sie und ich treffen uns wieder. Irgendwas scheint da ja zu sein und das will ich jetzt herausfinden."
Ich glaube, ich brauche niemandem zu erzählen, wie sich so was anfühlt. Ich hatte mir zu Beginn Therapie gesucht, nach wenigen Sitzungen konnten wir das aber guten Gewissens beenden. Anfang des Jahres ging es mir dann wieder bedeutend schlechter. Und ja, es kommt in Wellen. Zwischen absoluter Hoffnungslosigkeit, Trauer, Appetitlosigkeit und Gedanken wie "Was für ein A*loch" befinde ich mich einfach in einer leichten Depression. Ich würde nach wie vor am liebsten einfach abhauen, aber das kann ich nicht. Ich musste mich zwischendurch krankschreiben lassen, weil ich in einer Kita arbeite und ich einfach nicht mit Kindern arbeiten konnte. Ich nehme Schlaftabletten, weil ich nachts Alpträume habe.
Und er? Entscheidet immer über mich, nachdem er nun die ganze Zeit wollte, dass ich in seinem Leben bleibe, sagt er jetzt, nachdem sie sich wieder treffen, ich bräuchte sicherlich erst einmal Abstand, um mal Ruhe für mich zu bekommen. Wie nett von ihm.
Nun herrscht eine Woche Funkstille, davor hat er mich immer kontaktiert und auch wegen Belanglosigkeiten angerufen, einfach um den Kontakt zu halten. Er hat sich wieder für jemanden entschieden, der eigentlich überhaupt nicht zu ihm passt. Jemanden, über den er vorher nur geschimpft hat. Über mich hat er nichts böses zu sagen. Sie ist natürlich böse, er hat so viele weibliche Freunde, das findet sie nicht gut. Und er sagt, er bestimmt mit wem er Kontakt hat und nicht sie, er will auch weiterhin, dass wir uns gegenseitig sehen und uns mit unseren Hunden aushelfen, sogar ein gemeinsames Konzert im September steht noch aus und will es weiter gemeinsam besuchen. Sie hat ihm nichts zu sagen, sagt er.
Nun versuche ich meine Erkenntnisse aus dem ganzen für mich zu gewinnen.
Die Beziehung war wirklich schön, so was wünsche ich mir wieder, da brauche ich nicht lügen.
Ich selber habe für mich festgestellt, dass ich wahrscheinlich emotional abhängig von ihm war/bin. Und keine Grenzen setzen kann. Alles lief nach seinen Entscheidungen.
Ich muss mir aber auch eingestehen, dass er nicht der tolle Mann war, für den ich ihn grundweg gehalten habe. Ist super sozial, hat fast nur weibliche Freunde (die ich fast alle kenne und mittlerweile auch meine Freunde nenne), die er immer unterstützt. Weil er einfach deren Anerkennung liebt. Sein Vater hat seine Mutter betrogen, seine Mutter ist genau so eine Lügnerin wie er. Ihr Verhältnis ist nicht so gut, sein Vater hingegen ist toll. Genau so wie mein Ex, liebevoll, sozial und immer hilfsbereit. Er nennt mich immer noch Lieblingsschwiegertochter. Mein Ex ist seit der Schule nie alleine gewesen, hat seine erste Frau mit anderen und dann mit seiner zweiten Frau betrogen. Nachdem die ihn betrogen hat, hatte er sofort die nächste. Von ihr folgte dann zu mir ein Warmwechsel. Und auch da wurde ja dann zum Schluss sehr lange zweigleisig gefahren.
Er erzählt vielen Freunden was anderes, er heult viel rum, erzählt anderen wie glücklich er ist. Mir erzählt er, er ist in Therapie (die wird er nun wieder abbrechen, denke ich), will erst ma alleine klarkommen. Er ist aber wieder nicht alleine.
Sind das alles schon narzistische Züge? Den Menschen genau das erzählen, was sie hören wollen? Er war auch weiterhin nett zu seiner Kollegin, als wir wieder zusammen waren. Hat sie angelogen und nicht ganz zu mir gestanden, genau so wie er andersrum nicht zu ihr stand/steht. Er will überall nur gut dastehen, erzählt jedem genau das, was diejenigen hören wollen. Ist das nicht auch alles narzisstisch?
Ich fühle mich nervlich zwischendurch echt ausgebrannt und schäme mich, verfalle wenn ich alleine bin in Selbstmitleid.
Meine Familie und Freunde fangen mich gut auf, alle sagen, wie stark ich bin. Ich fühle mich aber nicht stark, ich habe zwischendurch echt wenig Lebenswillen gehabt.
Mein Selbstwertgefühl ist am Boden, erst habe ich ganz doll abgenommen, dann wieder zugenommen, meine Haare fallen aus und ich habe depressive Phasen. Ich träume nachts, dass mich diverse Leute (inkl. meiner Eltern) hintergehen.
Nun lese ich hier im Forum, dass das leider häufig genau so passiert. Man erkennt die Menschen nicht wieder, mit denen man jahrelang fast telepathisch kommuniziert hat. Ich bin eigentlich ne tolle Frau, möchte daher natürlich auch genau reflektieren woran was gescheitert ist. Ich muss mir alles immer bis ins kleinste Detail erklären können und das kann ich gerade nicht. Ich weiß, ich werde wieder jemanden kennenlernen, der Mann von damals hat mich wieder kontaktiert. Aber ich habe Angst da nie wieder so unbedacht und frei herangehen zu können. Ich habe S*x geliebt, aber nun natürlich Angst, es reicht doch eh nicht. Gibt es überhaupt schöne und echte Beziehungen?
Ich kriege meine Nerven manchmal einfach nicht beruhigt. Wie schafft man das?
So viele Gedanken und wer bis hier her durchgelesen hat, dem würde ich jetzt gerne einen Keks geben.