Zitat:Das ist ein Gedanke, den ich tatsächlich auch schon hatte, dennoch kann mir absolut keinen Reim darauf machen, warum sie mich dafür kritisiert hat dass ich fürsorglich war und sie daraus geschlossen hat, dass ich ihr nicht die Stirn bieten könnte. Aber letztendlich spielt das wohl auch keine Rolle weil sie es sich anscheinend immer genauso zurechtgerückt hätte wie sie es gerade hätte haben müssen.
Du gehst halt immer noch bis zu einem gewissen Grad zumindest davon aus, dass sie bei solchen Aussagen wahrhaftig und ehrlich ob ihrer Gedankenwelt ist. Aber glaube mir, wenn dir was komisch vorkommt, dann ist es das auch.
Mir fällt ein Beispiel ein: Die Quasseltante erzählte mir ein furchtbares Drama mit ihrem Ex. Er hatte relativ teure Theaterkarten besorgt, sie, natürlich etwas zu spät dran, flanieren durch die Innenstadt, treffen auf einen besoffenen Obdachlosen.
Was macht die Gute? Sie entdeckt ihr Florence Nightingale-Gen, ist komplett echauffiert, versucht zu helfen, ruft alle möglichen Passanten zu Hilfe, fleht theatralisch ihren Ex an, ihr dabei zu helfen, den Obdachlosen aufzurichten, der Ex wird immer ungehaltener, sie schreit flehentlich herum, schließlich kommen Polizisten vorbei, auch hier ein dramatischer Auftritt ihrerseits. Die Polizisten meinen, "Den Hansi kennen wir, der schläft hier nur seinen Rausch aus, lassen Sie ihn einfach in Ruhe, wir passen schon auf."
Der Ex hatte in der Zwischenzeit das Weite gesucht, immerhin ging das Szenario über eine Stunde. Die Theaterkarten waren verfallen, er natürlich not amused.
Das war natürlich für sie das nächste Drama und ein Indiz, dass er ein emotionsloser Narzisst ist, der die Ärmsten der Armen einfach so herumliegen lässt. Und die Polizisten hätten auch anders die Dramatik der Lage erkennen müssen und sowieso und überhaupt.
Man muss dazu anmerken, wir leben in einer Großstadt. Der Platz (ein Mini-Park) in der Nähe dieses Theaters ist bekannt dafür, dass da gern ein paar Obdachlose wenns warm ist mit einer Bottle Fusel rumhängen und dann vor Ort gleich ihren Rausch ausschlafen. Da sie keinen stören, stößt sich auch keiner daran, steckt ihnen halt ein paar Euro zu und gut ist.
Sie ist bei weitem nicht eine, die in ihren High Heels und Seidengewändern ununterbrochen auf barmherzige Samariterin macht, schimpft auch mal gern über "das Gesockse". Sie geht da mehrmals in der Woche vorbei (wohnt in der Gegend), ohne auch nur einmal vorher oder nachher mit der Wimper zu zucken.
Wichtig war also nicht der schlafende Obdachlose, die Situation an sich, sondern die eigene Inszenierung, sie wollte, dass sie möglichst viele Menschen in ihrem herausgeputzten Outfit und das auch noch als Gutmensch der Nation wahrnehmen. Dass ihr Ex (und die Polizisten) da nicht mitspielten, sie nicht als schöne Heilige anbeteten, war das nächste Drama.
Genauso verhält es sich mit der Aussage, dass du ihr nicht die Stirn bieten könntest, nur weil du dich um sie gekümmert hast, als sie krank war. Du hast vollkommen normal gehandelt, aber das wurde ihr zu langweilig und sie brauchte eine Inszenierung. Meine "Diagnostizierte" hat ihren Mann sogar mal sehr unmotiviert angefleht, ihr jetzt eine Ohrfeige zu geben (nicht 6uell, aus dem Nichts heraus). Drama halt. Steht sie darauf, dass ihr Mann ihr einfach so eine knallt? Nein. Schlägt das Herz der anderen für Obdachlose? Auch nein. Wollte deine, dass du dich nicht um sie kümmerst, als sie Schmerzen hatte. Natürlich nicht. Aber irgendein Funke im Hirn gab den Auftrag, mit teils absurden Mitteln und/oder Argumenten eine Inszenierung zu veranstalten, die innere Leere zu überdecken. Wie Borderliner ritzen, wollte halt deine eine normale Situation zu einer mittleren Katastrophe erklären.
Die Situation, dein Verhalten ist da überhaupt nicht wichtig, weil, wie du bereits richtig erkennst
Zitat: sie es sich anscheinend immer genauso zurechtgerückt hätte wie sie es gerade hätte haben müssen.