Vienne,
ich fasse die Entwicklung mal ein wenig zusammen.
Vor ca. einem Jahr erfolgte die Trennung von Deinem Mann. Anfang 2022 hast Du dann beschlossen, Dir ein wenig Spaß zu suchen und bist an Deinen (vermuteten) Bindungsängstler geraten. Nach nur zwei wunderschönen Wochen, in denen er "ein beeindruckendes Tempo" vorlegte, ging ihm (!) das Ganze plötzlich zu schnell.
Er lebt in einer anderen Stadt, ca. 40 Minuten von Dir entfernt. Zwischen Euren Treffen liegen schon mal 2 Wochen - normalerweise, weil er blockt (= ins Off flüchtet) oder rumreist.
Seit der 3. Beziehungswoche nimmst Du im Kontakt "Machtspiele samt Nähe -Distanz -Problematik" wahr. Erst auf vehementes Nachbohren Deinerseits rückt er mit einem Paradox heraus: Er sei beziehungsunfähig - wolle aber eine Beziehung mit Dir. Zudem äußert er die Absicht, sich einer Therapie zu unterziehen.
Passiert ist stattdessen folgendes:
Zitat von Vienne: Es war ein wunderschönes Wochenende für uns beide, ich brachte ihn zum Flughafen, er flog zurück.
Zitat von Vienne: Und dann doch eine Antwort. er beendete unsere Beziehung. es wäre ihm zu eng und zu nah gewesen. er könne keine Beziehung mit mir führen, möchte aber mit mir eng befreundet bleiben!
Spätestens hier hättest Du die Blockade einleiten müssen, um Dich selbst zu schützen. Denn Hand aufs Herz: Einen Kumpel siehst Du ihn ihm ganz sicher nicht. Das gäbe spätestens in dem Moment ein Problem, wo er Dir freudestrahlend von seiner Next berichtet. Nein, nach dieser seiner Antwort hätte es keiner weiteren Erklärung mehr bedurft. Ein schlichtes "Na denn alles Gute, bin dann auch raus" hätte völlig gereicht - bzw. im Grunde wäre auch eine wortlose Blockade eine eindeutige Antwort gewesen.
Seitdem liest sich Eure Beziehungskiste wie ein einziger Krampf. Dein Selbstbewußtsein ist im Eimer, doch statt Dich um Deine eigene Psyche zu kümmern, hirnst Du ständig drüber rum, warum dieser Mann so ist, wie er nun mal ist und findest Erklärungen für sein - eigentlich inakzeptables - Verhalten Dir gegenüber.
Wir erinnern uns? Mittlerweile ist es schon ein halbes Jahr her, daß er zum Psychologen wollte deswegen... (siehe oben)
Zitat von Vienne: Anfang Juni riss mir die Hutschnur und wir hatten ein sehr gutes, klärendes Gespräch. Um den Druck für ihn rauszunehmen, schlug ich eine Beziehung light vor, keine Verpflichtung und Verantwortung, aber gegenseitige Treue.
Inzwischen berichtest Du davon, daß Ihr beide parallel gedatet habt, wobei Du Dir einen ONS gegeben hast.
Wir erinnern uns? Zitat von Vienne: Es gibt keine anderen Frauen. Das wäre ein sofortiger Trennungsgrund für mich gewesen, das würde ich niemals akzeptieren.
Wir erinnern uns? Ursprünglich hattest Du gedated, um wieder "ein bißchen zu leben". Inzwischen liest sich das Ergebnis leider so:
Zitat von Vienne: Diese Achterbahn muss aufhören. Ich halte das nicht mehr aus. Die Tiefen werden immer extremer und ich habe Angst, dass ich aus der Achterbahn fliege ...ohne selbst auszusteigen. ..
Es muss sich jetzt etwas ändern. Der Leidensdruck ist zu hoch.
Einziger Lichtblick:
Zitat von Vienne: Ein Gutes hat die Sache allerdings schon. Er hat mir geholfen, über meinen Mann ganz hinweg zu kommen.
Fein. Und jetzt zieh die Reißleine und sieh zu, daß Du auch über Deinen Bindungsängstler hinwegkommst. Denn mit "Spaß" hat Euer toxischer Kontakt überhaupt nichts mehr zu tun.
Zitat von Vienne: Ich versuche mich quasi an den letzten Strohhalm zu klammern, dass er, wie er ankündigte, tatsächlich eine Therapie in Angriff nimmt.
Tut er dies nicht, muss ich irgendwie eine Strategie finden, es zu beenden
Hör bitte auf, seine Ankündigung als Ausrede dafür herzunehmen, daß Du (noch) nicht mit ihm gebrochen hast. Das wäre längst fällig gewesen (siehe oben). Dafür braucht es auch weiterhin keinerlei "Strategie": Kurze Textnachricht "Du, ich hab mich entschlossen, unsere Beziehung "Light" zu beenden. Wünsche Dir alles Gute - auch für Deine Therapie, falls Du sie echt noch machen solltest! Adios.", gefolgt von einer Blockade auf sämtlichen Kanälen, reicht völlig aus. Der versteht das schon, glaub mir. Und wenn nicht, ist das sein Problem - umso fixer sollte er dann eben zum Psychologen!
Zitat von Vienne: Den Psychologen kontaktiere ich, weil ich mich am Ende fühle. Und ich nicht verstehe, wie ich überhaupt dahin geraten könnte. Das ist mir ein komplettes Rätsel. Und dahin möchte ich nie wieder geraten.
Zitat von Vienne: Ich habe das Gefühl, daran zu zerbrechen. An dieser Perspektivlosigkeit.
Offenbar war der Leidensdruck immer noch nicht hoch genug, sonst hättest Du den Termin nicht wieder abgesagt. Aber das läßt sich ja zum Glück korrigieren, also los: Mach Dir einen neuen!
Zitat von Vienne: Warum sollte er mir eine Geschichte auftischen mit der Therapie nach der Trennung?
Deshalb:
Zitat von Vienne: er ist ein ausgezeichneter Beobachter, es entgeht ihm nichts, ist berufsbedingt, denke ich.
Zitat von Vienne: Ich habe tatsächlich so ein Helfer-Syndrom...ich habe mich eben genau deshalb in ihn verliebt, weil er so verletzlich und einsam war ... Das hat mich total berührt
Er weiß und wußte demnach stets genau, welche Knöpfe es bei Dir zu drücken gilt.
Zitat von Vienne: Aber warum denkst du, dass er mir eine Geschichte mit seiner Therapie auftischen wollte?
Um verletzlich und einsam zu wirken, so daß Dein Helfersyndrom getriggert wird und Du ihm verfällst. Hat ja auch funktioniert, siehe oben.
Zitat von Vienne: ich wünsche mir schon eine Beziehung mit ihm, aber keine ganz enge.
Zitat von Vienne: Ich habe auch ein bisschen Bindungsangst, Angst davor, dass durch den Alltag eines Tages die Liebe wieder verschwinden könnte...
Was Du Dir wünschst ist ein Beziehungsmodell namens "Living-apart-together" und das hat nichts mit Bindungsangst zu tun.
Zitat von Vienne: Ich habe ihn darum gebeten, dass er mir ehrlich sagen soll, wenn er Abstand braucht.
Schon traurig, wenn ein erwachsener Mann das nicht von allein auf die Reihe bekommen kann, findest Du nicht?
Willst Du wirklich weiterhin versuchen, einen Mann mittleren Alters zu erziehen, als sei er ein kleiner Bub?
Zitat von Vienne: was bringt es, wenn ich meine Probleme, die lang nicht so massiv wie seine sind, in den Griff bekomme, was dann?
Ist die Frage ernst gemeint? Schau nochmal weiter oben: Da fühlst Du Dich "am Ende", "zerbrichst" an der Perspektivlosigkeit - ist das nun Fakt oder nur Theatralik?
Zitat von Vienne: Das mache ich dann, wenn es bei uns tatsächlich beendet ist oder er - wie er jetzt doch angekündigt hat - eine Therapie in Angriff nimmt.
Nochmal: Geht es Dir nun wirklich so dreckig? Dann nimm das auch selbst endlich ernst, wie sollten es andere denn sonst tun?
