LeTigre
Gast
Trennungen bedeuten oft einen emotionalen Verlust, der verarbeitet werden muss. Ähnlich wie bei anderen Verlusterfahrungen durchläuft man dabei verschiedene Trauerphasen wie Schock, Verleugnung, Wut und schließlich Akzeptanz. Wie es bei selbstverursachten Trennungen (zB aufgrund von Bindungsangst) aussieht, ist nochmal eine andere Sache.
Wenn man diese Phasen überspringt oder verdrängt, indem man sich direkt in eine neue Beziehung stürzt, bleiben viele ungelöste Emotionen bestehen, die später wieder zum Vorschein kommen können – oft in Form von Konflikten in der neuen Partnerschaft.
Eine Zeit des Alleinseins erlaubt es auch, sich selbst und die Dynamik der vergangenen Beziehung besser zu verstehen. Nicht nur, aber gerade bei Bindungsangst ist es wichtig, seine eigenen Muster zu erkennen, statt immer mehr verbrannte Asche zu hinterlassen.
Fragen wie: "Warum ist die Beziehung gescheitert? Was wünsche ich mir in Zukunft anders?" Sollten zB für sich geklärt werden. Ohne diese Reflexion ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man in ähnliche Beziehungsprobleme gerät bei der nächsten Beziehung.
Gleichzeitig hilft diese Phase, das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. In Beziehungen kann es passieren, dass man einen Teil seiner Identität an den Partner anpasst oder sich zu sehr auf die Beziehung fokussiert. Nach einer Trennung ist es daher wichtig, sich selbst wieder unabhängig von einer Partnerschaft zu definieren und das eigene Leben zu stabilisieren.
Außerdem schützt eine solche Pause davor, in eine „Rebound-Beziehung“ zu geraten, die oft nur eine Ablenkung von den eigenen Gefühlen darstellt. Diese Beziehungen sind oft instabil und führen selten zu langfristiger Zufriedenheit. Sich selbst Zeit zu geben, ermöglicht dagegen persönliches Wachstum, emotionale Heilung und eine bewusste Vorbereitung auf zukünftige Partnerschaften.
Zitat von Mirandaa:Ein bisschen interessant finde ich, dass sich hauptsächlich Menschen gemeldet haben, die diesen Rat noch nie erhalten haben
Naja, vielleicht weil du ja auch diese Aussage so ein wenig als nichtig erklärt hast und Menschen neigen dazu, wenn sie sich angegangen fühlen, sich zu erklären.
Hinzu kommt, dass Menschen, die diesen Rat ohnehin beherzigen diese Aussage wohl genau deshalb nicht hören werden.
Zitat von Worrior:Da sind jahrelange Therapiekarrieren ohne Erfolg oder täusche ich mich da?
Ja, da täuschst du dich.
Des Weiteren kommen ja im Laufe des Lebens immer wieder neue Prüfungen auf einen zu und man begegnet neuen Menschen,die das Potenzial haben einen emotional zu schaden.
Ich sag mal so: Wer funktioniert denn 100%? Fast jeder hat ja so seine Themen. Nur können manche besser damit leben/ diese verdrängen oder aushalten, während andere diese aufarbeiten wollen.
Zitat von Alduin:Mich wundert es eher wie ihr immer gleich wieder jemanden am Start haben könnt.
Das frage ich mich auch immer wieder. Und ich bin eine Frau. 😅
Ja, bei mir scheint das auch gerade so eine Richtung einzuschlagen. Ich hoffe, es ist ein Zeichen, dass man eben doch mit der Zeit heilt, reifer wird und weniger bedürftig. Das hat schon einen Vorteil, wenn man sich mit seinem früheren Ich vergleichen kann und jetzt besser abschneidet