Hallo
wenn es Dir Recht ist, würde ich gerne anfangen, ein wenig Struktur in das Ganze zu bringen, zusätzlich evt. Widersprüche hervor heben und bestimmte Dinge genauer hinterfragen.
Zum Einen fällt mir am Grundmuster Deines Eingangspostes und auch in der Folge auf, dass Du kein grundlegendes Defizit im Erkennen von eigenen Anteilen, oder gar in Deiner Fähigkeit zur Selbstreflexion aufweist. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein, denn es ist auffällig, wie zuverlässig Du genau die Punkte, an denen Du zweiffellos ansetzen könntest, um Antworten und Lösungen für Dich nutzen zu können, hier anführst, dann aber ohne jegliche Einlassung daran vorbei rennst.
Du beschreibst quasi einen Menschen, der in völliger Dunkelheit und Einsamkeit in einem endlosen Raum geht, immer weiter und weiter, egal wie lange es dauern würde, er geht immer weiter und weiter, weil er so sehr unter dieser Einsamkeit leidet. Er vermisst das Licht, die Geräsche des Lebens - Menschen. Er läuft und läuft, bis er plötzlich frontal gegen eine Tür prallt mit dem Kopf.
Der Zuschauer zu Hause am Bildschirm (wenn es ihn dann gäbe) springt vor lauter Mitfiebern auf, endlich eine Tür - nach all der Zeit, wer hätte daran noch gedacht, was wohl dahinter sein mag? Doch als er wieder hinsieht, sinkt er entsetzt zusammen in seinen Sessel, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen weil er es nicht fassen kann. Er schreit den Einsamen an, obwohl dieser ihn gar nicht hören kann, letztlich muss er fassungslos mit ansehen, was nun geschieht.
Der Einsame hat sich bei dem Zusammenstoß mit der Tür am Kopf verletzt, vermutlich blutet die Wunde, denn er fühlt etwas warmes vom Kopf über sein Gesicht rinnen. Er versorgt die Wunde so gut es geht blind mit Fetzen von seiner Kleidung, dann dreht er sich in eine andere Richtung und geht weiter. Seine Gedanken kreisen weiter um die Wunde, wie gravierend diese wohl sein mag, ob sie sich infizieren könnte, wie hoch der Blutverlust wohl sein mag, wieviel Zeit ihm wohl noch bleibt....!
Er beginnt sich zu ärgern, weil er so unvorsichtig gewesen ist und überlegt, wie er es in Zukunft vermeiden könnte, eine Verletzung davon zu tragen, weil es jeder Zeit zu einem erneuten Zusammenstoß kommen kann, schließlich ist es hier stock dunkel, da muss man sich eben anpassen und Maßnahmen ergreifen....
Ich breche die Geschichte an dieser Stelle ab, ich denke es wird deutlich, worauf ich hinaus möchte und dass man diese Geschichte beliebig variieren kann und endlos weiter laufen lassen kann. Nachvollziehen lässt sich also, befindet sich ein Mensch dauerhaft in einer aussergewöhnlichen, bedrohlichen Ausnahmesituation, ist er darin isoliert und sich selbst überlassen, manifestiert sich eine alles beherrschende Ohnmacht in diesem Menschen. Er ist dem vollkommen hilflos ausgeliefert, hat keine Wahl,k er kann nur akzeptieren und nach dem Ausgang suchen. Ist er auf seinem Weg plötzlich mitz einer akuten Bedrohungssituation konfrontiert, wird sich sein Focus ganz automatisch darauf fixieren, weil er dort handlungsfähig sein kann. Sein Gehirn wird instinktiv das Bedrohungspotential gegeneinander aufwiegen und das eigentliche Problem sogar bereit sein, als "friedlich" oder gar "sicher" zu empfinden.
Ein solcher Satz könnte also dann lauten: "Die Dunkelheit und die Einsamkeit sind kein Problem für mich, das tut mir nichts. Solange nicht plötzlich etwas vor mir auftaucht, woran ich mich verletzen kann, ist
alles gut!"
Ich fange also mal von vorne an und versuche Deinen Eingangspost zu zerlegen, in viele kleine Operatoren. Es genügt völlig, wenn wir bei den ersten zwei Absätzen bleiben, denn Du bist vollkommen dazu in der Lage, genau das selbe dann auch selbst anzuwenden, da habe ich gar keinen Zweifel.
Zitat von Amatheus:Die ersten Jahre waren sehr schwer, da sie krankhaft eifersüchtig ist. Wenn meine Tochter zu Besuch kam, gab es sehr oft Streit und auch immer wieder angedeutete Trennungen
Wie viele Jahre genau? Was genau ist vorgefallen, in welcher Weise hat sich diese Eifersucht geäußert? Nur gegenüber Deiner Tochter, oder auch willkürlich im Alltag? Kannst Du beschreiben, wie sie sich dann genau verhalten hat? Wie hast Du dann reagiert?
Wichtigste Frage: Hat Deine Tochter das mitbekommen, hat sie Deine Tochter auch direkt angegriffen oder Dich vor Deiner Tochter verbal attackiert?
Zitat von Amatheus:Als sie den Schulanfang meiner Tochter torbutieren wollte, suchte ich mir eine Wohnung und trennte mich von ihr
Dieser Satz findet sich ganz oben in Deinem Post und bezieht sich noch auf die ersten Jahre der Beziehung. Wie Du siehst, hast Du eine völlig gesunde Reaktion gezeigt, als es anfing
Deiner Tochter nachhaltig zu schaden und Du hast Dich entschlossen, Dich zu trennen.
Zitat von Amatheus:das fiel mir ziemlich leicht und hatte kaum Schmerz dabei.
Das ist eine ganz eindeutige Aussage und birgt keinerlei Potential, die erfolgte Trennung in Frage zu stellen. Nun aber, wird es interessant:
Zitat von Amatheus:Ca. 2 Monate später fanden wir wieder zu uns und wir lebten wieder zusammen.
Hier bist Du mit dem Kopf gegen die Tür gerannt. Und genau hier, fehlt für mich als Zuschauer jegliche Information, die mir erklärt, warum das für Dich das normalste der Welt zu sein scheint, Du stellst es fest, als hättest Du Dir ein Eis an der Ecke gekauft...
1. Was heißt "fanden wir wieder zueinander"? Mir war gar nicht bewusst, dass Du auf der Suche nach ihr gewesen wärest. Soweit ich mich erinnere, warst Du gerade auf der Flucht vor ihr, wie also genau, ist es dazu gekommen? Wie hat sie sich genau verhalten, was ganz genau hat bei Dir dazu geführt, Dich wieder zurück zu bewegen?
Zitat von Amatheus:Bei einer Eifersuchtsattacke bin ich dann in meine Wohnung.
Das sehe ich als Fortschritt an und zudem als zwingend notwendig, um handlungsfähig zu bleiben, unabhängig davon, ob es nun gut war, noch eine Runde zu drehen in diesem Spiel.
Zitat von Amatheus:Ca. vor 3 Jahren habe ich diese Wohnung aufgegeben und wir wohnten wieder zusammen.
Wie sind die Zeitabläufe jetzt genau. Wie lange habt ihr zusammen gelebt zu Beginn? Dann sagst Du, zwei Monate hast Du allein gelebt, dann hast Du den Lebensmittelpunkt wieder zu ihr verschoben, die Wohnung jedoch weitere drei Jahre behalten. Warum hast Du die Wohnung aufgegeben?
Zitat von Amatheus:Da meine Tochter nur noch selten gekommen ist und ich da sogar froh darüber war
Das ist ein ganz wichtiger Satz. Wann genau wurde es seltener? Als Du in der eigenen Wohnung gelebt hast, wieder bei ihr wohntest, oder als Du die eigene Wohnung schließlich ganz aufgegeben hast? Aus welchem Grund kam sie seltener?
Ich kann vollkommen verstehen, dass Du darüber froh gewesen bist und ja, das ist entsetzlich! Und schrecklich für das Kind. Ohne Frage! Bevor Du aber nun zur Hinrichtung des miesen Vaters schreitest: Warum glaubst Du, gibt es diese Diskrepanz in Deinen Empfindungen und dann auch Handlungen? Warum bist Du damals ausgezogen, als Deine Tochter unter den destruktiven Handlungen deiner Partnerin drohte Schaden zu nehmen und Jahre später "froh", dass sie "freiwillig" selten kam? Darauf gibt es doch nur eine Antwort und darum hast Du aus meiner Sicht instinktiv korrekt gehandelt, indem Du "froh" warst und nichts unternommen hast, um Deine Tochter aktiv in Deine Hölle der destruktiven Ohnmacht einzuladen. Denn das wäre die Alternative gewesen, Deine Tochter wäre dem ungefiltert und vor Allem ungeschützt ausgelifert gewesen. Du konntest sie nicht beschütrzen, Du konntest nicht einmal Dich selbst beschützen!
Zitat von Amatheus:lebten wir sehr harmonisch zusammen.
Harmonie ist ein Zustand der zwanglosen Ausgeglichenheit, nicht der Zeitraum, indem ein Peiniger sein gefangenes Opfer wieder aufpäppelt um noch länger "Spass" mit ihm haben zu können! Bitte nicht verwechseln!
Zitat von Amatheus:Bei mir war auch nicht alles rosig
Beim wem ist denn schon alles rosig? Ich bin da voll bei Dir, dennoch spüre ich keinerlei Berechtigung für andere, mich zu verletzen und missbrauchen.
Zitat von Amatheus:ich trank immer mal wieder einen über den Durst und habe es trotz Versprechungen immer wieder mal getan.
War das schon immer so? Hast Du auch getrunken, als Du allein gelebt hast? Wenn Du trinkst, dann bedeutet das, Du willst in Wirklichkeit gar nicht dort sein und erleben, was da war. Sonst würdest Du nicht trinken. Eine "sehr harmonische" Partnerschaft, sollte nicht das Bedürfnis nach Betäubung begünstigen, oder wie siehst Du das?
Also warum hast Du getrunken und versprochen? Kann es sein, dass auf trinken die Todesstrafe verhängt wurde, sie sich also trennen würde von Dir? Es aber nie getan hat, egal wie oft Du das Versprechen gebrochen hast, damit sie endlich tut, wozu Du längst nicht mehr in der Lage warst?
Soweit erstmal, ich bin gespannt auf Deine Antworten dazu!
Liebe Grüße
Simply