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ich brauche Rat in einer Situation. Ich leite eine gemeinschaftliche Gruppe aus 30 Parteien. Es gibt darin eine neue Person seit Mai und mit dieser kam es jetzt zu einem Problem, das ich nicht einordnen kann, bzw. demgegenüber ich eine Position finden muss. Danke für Eure Einschätzung von außen. Ich versuche es so vollständig wie möglich zu beschreiben:
Person spricht sehr viel über sich selbst, hat aber auch wahnsinnig viele Sorgen, die einem sehr nahe gehen und fast erschlagen. Engagiert sich viel, wirkt zum Teil auch besitzergreifend. Etwas, was ich seltsam finde: In Anbahnung einer möglichen Freundschaft bat die Person mir unbedingt an, Geld leihen zu wollen, falls ich es brauche. Ich habe abgelehnt, weil ich das zu früh fände und an sich überhaupt nicht möchte - ich hatte zuvor nur davon erzählt, dass ich im Moment Angst habe, meinen Job (das betrifft aber eine völlig andere Stelle, hat nichts mit diesem Projekt zu tun) zu verlieren, aber nicht gesagt, dass ich Geld möchte - das war ihre Idee.
Nun hat diese Person etwas genommen ohne zu fragen, etwas was für alle in der Gemeinschaft da war und wir brauchen. Als ich sie daraufhin ansprach, reagierte sie bereits beleidigt, dabei war es nur eine einfache Frage von mir. Ich blieb ganz ruhig und erklärte ihr, dass die (ich finde einfache und klare) Regel in dieser Gemeinschaft besteht: Man nimmt sich nicht einfach etwas, was allen gehört, sondern fragt (mich zum Beispiel). Insgesamt war es fast eine Lappalie - im Vergleich zu dem Drama, was sich daraus entspannte - ich wollte einfach wissen, ob diese Regel ab jetzt einvernehmlich gilt. Das ist meine Aufgabe als Leiter, ich schütze die Angelegenheiten der Gruppe.
Ein paar Tage stand das so im Raum, ich dachte es wäre erledigt. Wir haben sogar noch einen schönen Ausflug zu dritt gemacht an dem Tag dieser ersten „Auseinandersetzung“.
Doch dann schrieb die Person eine lange Nachricht und drängte auf eine Aussprache. Da es von meiner Seite nicht mehr zu sagen gab (ich fand davor schon anstrengend), antwortete ich mit drei einfachen, kurzen Sätzen: Ich bin hier Leiter, wenn du mit meiner Arbeit nicht zufrieden bist, kannst du dich immer gerne an den großen Chef wenden. Von meiner Seite ist mit der bereits besprochenen Regel alles schon gesagt. Und ich schlug vor, dass wir uns ab jetzt einfach um die Dinge kümmern, die wirklich unsere Kraft brauchen.
Ich hatte mir diese kurze Nachricht vorab gut überlegt, weil ich mich anfing, unwohl zu fühlen. Ich dachte, es wäre gut, von der persönlichen auf die professionelle Ebene zu wechseln und am Ende einen Vorschlag zu machen, auf den man gut eingehen kann.
Das ist total in die Hose gegangen. Die Person war völlig empört, schickte weitere Nachrichten, und will nun nichts mehr mit mir zu tun haben. Ich schaue nur zu, als wäre es ein Film. Darauf habe ich nicht mehr reagiert, mir macht diese Destruktivität ein bisschen Angst, muss ich zugeben.
Durch einen anderen Kollegen erfahre ich gerade, dass ein weiterer Ausflug morgen nicht mehr stattfindet. Der Kollege sagt dazu, ich müsse Dinge mit dieser Person klären. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Person alle in Beschlag nimmt und sich über mich beschwert - nur nicht dort, wo es hingehören würde: beim großen Chef. Was sie wirklich machen könnte, denn mit dem kann man reden und das macht mir auch keine Angst. Eine Lösung würde sich so bestimmt finden lassen.
Die Person beschreibt sich selbst als sehr nachtragend. Eine missverständliche Reaktion einer anderen Kollegin hatte mal gereicht, um die Person zu provozieren - da habe ich noch zu schlichten versucht. Ein Mal begegneten wir einem ihrer Nachbarn, dem sie aufgebracht aus dem Weg ging. Dem würde sie ein Problem (ich weiß nicht, was) für immer nachtragen und er wäre ein totales A. laut ihrer Aussage.
Meine Vermutung: Das bin ich jetzt auch. Obwohl ich weiß, dass ich eigentlich alles von meiner Seite gesagt habe für eine Klärung. Oder nicht? Ganz wichtig war mir, mich da nicht mit reinziehen zu lassen, nicht emotional zu werden, nicht persönlich zu reagieren. Es fühlt sich nämlich an, als würde sie mich in einen Abgrund hinabziehen wollen.
Ich bin auch froh, dass ich nicht viele private Dinge mit dieser Person geteilt habe, als sich kurz eine Freundschaft anbahnte. Früher hätte ich das eher getan. Und mich auch eher einschüchtern lassen. Ich bin jemand, der sehr offen ist, gerne hilft, vor allem in dieser Gruppe. Das wird auch so bleiben. Doch wie komme ich jetzt wieder in meine Mitte? Bin ich zu weich? Mich belastet das nämlich, weil die Person sich so unberechenbar verhält. Zu lange überlege ich nämlich jetzt schon, wie ich mit dieser Person umgehen soll. Ich würde gerne wieder zur Ruhe kommen und: meine Kraft in die Dinge stecken, die es verdient haben - meinem eigenen Rat zufolge. 😂
Ich kann mir denken, dass es bald ein anderes oder weiteres A. gibt. Sie ist auch mir gegenüber in keiner Position, in der sie mir etwas anhaben könnte. Außer, dass es die Gemeinschaft belastet und mir eine Kollegin bereits misstrauisch begegnet. Wie kann ich mich emotional da jetzt besser lösen? Davon hier erzählen hilft schonmal etwas, meine Kolleginnen will ich damit nicht belasten, darum danke fürs Lesen! 👍
Ich habe mir schon folgende Sätze für die nächste Konfrontation überlegt (auf die ich nicht weiter eingehen werde), die ich ganz ruhig sagen möchte:
Das ist nicht mehr meine Aufgabe.
Du kannst Dich an X wenden oder Y, die sind immer für Dich da.
Ich merke, dass Du mich als Leiter überhaupt nicht respektierst. Wenn Du meine Arbeit nicht in Ordnung findest, dann wende Dich bitte an X.
Ich habe dazu bereits alles gesagt und stehe dafür nicht mehr zur Verfügung.
Auch das ist nicht mehr meine Aufgabe. (von vorne)
Habt Ihr Rat für mich? Im Moment fühle ich mich etwas überfordert und fange an, an mir zu zweifeln. Es ist mein erstes Jahr als Leiter! Danke!
Jan