Zitat von Ema:
Ich weiß nur eins: Würde ich betrogen werden, dann würde ich es auf jeden Fall wissen wollen. Egal, von wem und aus welchen Motiven. Na ja, egal wäre mir das nicht aber ich würde es dem Umstand, einfach die Wahrheit zu erfahren, zunächst einmal unterordnen.
Ich finde auch nicht, dass mir damit jemand wehtun würde. Das hieße, die Botschaft mit dem Boten zu verwechseln.
Wehgetan hätte mir nicht der Bote (egal, wer es ist), sondern mein Partner.
Das ist aber eine Typfrage. Ich komme immer mit der Wahrheit besser zurecht als mit Unklarheiten und Mauscheleien.
Es gibt sicher durchaus Leute, die das ganz anders empfinden und die ganz froh sind, nicht immer alles so genau zu wissen.
So geht es mir auch. Und ich habe da lange von mir auf andere geschlossen und war der Meinung, man müsste das unbedingt und zwingend erfahren als Partner. Nun weiß ich von zwei Fällen, wo die Frau keine Ahnung davon hatte und daher auch tatsächlich nicht darunter gelitten hat. Es kam dann Jahre nach der Trennung (aus anderem Grund) doch irgendwie blöd raus, und DA erst fing das Leid an, obwohl es ja keine Verletzung aus Liebe mehr war - der Ex war längst Geschichte. Aber die Kränkung, die Verletzung des Ego, der Gedanke, dass auch die vielen Jahre nach dem Betrug nur eine "Farce" waren, kamen mit Wucht hoch. Das hat mir sehr zu denken gegeben. Hätten sie nie davon erfahren, wäre alles "gut" gewesen. So ist im Nachhinein, auch viele Jahre später ein Schaden entstanden.
Andererseits ist mir eine Frau bekannt, die seit Jahren immer wieder von ihrem Mann betrogen wird - einmal ist er auch aufgeflogen - und die seitdem einen totalen Kontrollwahn entwickelt hat, dem er sich völlig unterwirft. Das Fremdgehen lässt er aber dennoch nicht sein, im Gegenteil

wo ein Wille ist ... und man kann niemanden rund um die Uhr kontrollieren. Ich bin mir sogar sicher, dass er gar nicht mehr fremdgehen würde, wenn er mehr Freiheit(en) hätte. Das ist für ihn letztlich nur ein Ausbruch aus einer zu eng und zu kontrollierend empfundenen Beziehung, und natürlich passiv-aggressives Machtverhalten seiner Frau gegenüber.
Ich weiß aber, dass sie permanent einen Verdacht hat und auch oft Stress macht deswegen. Sie wird dann wohl beschwichtigt, manchmal auch ihrerseits angegriffen für ihre "ungerechtfertigte Eifersucht", und sie hat schon eine Depression entwickelt. Ich kenne sie aber leider nicht persönlich, nur ihren Mann, und außer dem ins Gewissen zu reden (mit diesem Effekt auf seiner Seite:

) fällt mir nichts ein. Ich möchte sie als Außenstehende / Unbekannte nicht mit der Wahrheit konfrontieren, gleichwohl habe ich großes Mitgefühl für sie, denn ich denke, die Wahrheit würde sie irgendwie "erlösen". Und dann wiederum denke ich: wenn ich mich SO unwohl fühlen würde in einer Beziehung und so wenig Vertrauen hätte, dass ich ständig alles kontrollieren müsste, würde ich freiwillig gehen. Weil ich so nicht leben wollte. Also ist es ja wiederum auch ihre eigene Entscheidung. Vielleicht aber wartet sie auch nur auf einen Beweis, um endlich gehen zu können?
Oft beichtet ein Betrüger auch nur, um sein eigenes Gewissen zu erleichtern. Da ist ja auch nicht Empathie oder Einsicht das Motiv- ist das dann gut oder nicht, dass er den Betrug gestanden hat? Wäre es vielleicht besser gewesen, ihn weiter zu verheimlichen, wenn er zu diesem Zeitpunkt gar keine Bedeutung mehr hat für die Beziehung?