Es ist interessant, wie lang der Thread mittlerweile ist. Das heißt er spricht anscheinend ein sehr wesentliches Thema an.

Ich denke die Frage wird hier bereits falsch gestellt. Geht es denn tatsächlich um das Alleinsein, um Einsamkeit oder um was? Es geht doch eher um eine Bewertung des Alleinseins, die wiederum Einsamkeit erzeugen kann. Ihr bewertet Eure Situation aus welchen Gedanken heraus als nicht erstrebenswert? Ihr erzeugt das, in dem ihr im Außen schaut, wie erfüllt Partnerschaften vermeintlich sind, dann greift ihr auf Eure Erfahrungen zurück, wie Ihr Euch gefühlt habt als Ihr noch in Beziehung zu einem anderen wart. Eure Erfahrungen sind aus dem entstanden, was Ihr damals über Euch selbst und eine Beziehung dachtet. Daraus entstanden Gefühle und Handlungen. Nun ist die Situation eine andere, aber Eure Gedanken und Gefühle sind noch dieselben, wie in der Beziehung. Ihr bewertet so das Alleinsein als einen Mangel. Es fehlt Euch etwas, das heißt Ihr könnt nicht erfüllt sein. Wie soll Euch ein anderer diese Leere ausfüllen? Und wenn er/sie es dann tut und dann wieder geht, ist da wieder dieser Mangel und abermals diese Leere.
Leere kann auch anders bewertet werden, nämlich als ein Gefäß, dass wir auffüllen dürfen mit dem was da ist, nämlich unser Selbst. Das ist doch immer da, auch wenn kein Zweiter da ist. Es geht ja nicht einfach so verloren. Liebe verliert sich nicht, sie wird nur nicht erkannt. Spürt Ihr denn wirklich die Liebe zu Euch selbst oder könnt Ihr sie nur spüren durch die Liebe eines anderen? Möchtet Ihr das überhaupt?
Es geht auch nicht darum, dass keine Beziehung die bessere Beziehung ist oder wir nun als Single durch das Leben schreiten sollen, aber geht doch mal wirklich mit Euch in Verbindung ergo in Beziehung. Ihr habt das Gefühl das tut ihr? Gut dann beantwortet Euch selbst die Frage, wann Ihr Euch das letzte mal zu Euch selbst gesagt habt: Hey, ich bin so richtig verliebt in mich, ich bin großartig und ich bin mir sicher zu lieben und geliebt zu werden und ich fühle mich beschenkt, denn ich lebe und habe die Chance das Beste für mich zu erschaffen. Das Beste ist ja offensichtlich nicht ständig in einem Mangel zu sein und zu denken ich bin nur mit Partner vollständig. Alles erlebe ich zu zweit als so viel schöner und ich fühle mich sicherer und geliebter und und und..
Warum sollte ein Ereignis schöner sein, nur weil es niemand mit mir teilt? Ich lasse mir doch nicht die Schönheit des Lebens nehmen, weil sie niemand teilen mag. Es geht auch nicht darum sich zu zwingen, etwas toll zu finden, was man so einfach nicht empfinden kann. Aber es geht darum sich ehrlich selbst zu befragen, aus welchem Verständnis, aus welcher Bewertung heraus, möchte ich eine Beziehung? Welche Gedanken führen dazu, dass ich solche Widerstände gegen den Status quo habe. Widerstände erzeugen erst das, was ist. Auflösen lassen die sich erst mit hinschauen und Ihr hättet sie nicht, wenn Ihr sie bereits aufgelöst hättet.
Ein ehrliches "mit sich selbst sein" kann nervig und schmerzhaft sein, aber auch einfach sehr erhellend und erfüllend wirken. Ich sehe mich nicht als unvollständig an, weil ich keinen Partner habe. Ich merke nicht, dass mir etwas fehlt. Und ich möchte eine Beziehung auch nicht mehr auf dieser Basis beginnen. Jemand sagte hier, dass die Basis entzogen wird, wenn die Beziehung endet. Warum ist das so? Weil der andere Deine Basis ist und Du ohne diese Basis nichts bist? Nein nein nein.
Du bist immer, Ihr seid immer, aber versucht über das Haben zu sein. Ich habe eine Beziehung, aber bist Du auch Deine Beziehung? Nein oder doch?
Spürt doch mal in Euch hinein, was sind die Gedankengänge, die dem Mangelgefühl vorausgehen?