Zitat von leilani1801:Glauben hat eben auch im wahrsten Sinne des Wortes mit "glauben" zu tun - also nicht wissen und trotzdem bestimmte Dinge/Verhaltensweisen zu befolgen, selbst wenn sie einem nicht als logisch erscheinen.
Ist nicht auf eine bestimmte Art alles Glauben? Was wissen wir schon wirklich?
Dass der Eifelturm in Paris steht? Weil wir das in der Schule gelernt haben? Weil wir Fotos davon im Reiseführer oder im Internet gesehen haben? Ich war sogar schon mal oben drauf. Aber steht er da JETZT? In diesem Moment? Wie will ich das wissen? Wie könnte ich das jemand anderem beweisen, der noch nie vom Eifelturm gehört hat?
Ich sitze hier gerade in diesem Moment in meinem Wohnzimmer, den Laptop vor mir, sehe Dinge, Möbel, die Tastatur klappert. Aber kann ich wissen, dass das alles gerade wahr ist? Dass es wirklich existiert? Vielleicht bin ich ja ganz woanders und habe eine psychotische Wahnvorstellung. Oder ich träume das gerade.
Gefühle finde ich wichtig. Ich glaube schon, dass Gefühle immer wahr sind. Dass sie meine subjektive Realität sind. Problematisch wird es dann, wenn das Denken hinzugezogen wird, um diese Gefühle zu interpretieren. Viele verwechseln da auch Gefühle und Gedanken. Ich habe hier in Threads schon paar mal nachgefragt, wenn jemand schrieb, so bodenlos traurig zu sein, was denn genau sein Gefühl sei, WIE es sich anfühlt, dieser Liebeskummer. Und dann kam entweder gar nichts mehr oder Antworten wie "Ich werde halt nie wieder jemand finden". "Er/sie war der einzig Richtige". "Er/sie hat mich ja nur benutzt die ganze Zeit". "Alles war völlige Zeitverschwendung." "Es war dann gar nicht wirkliche Liebe." usw. usw. Das sind aber keine Gefühle, sondern Gedanken - Glaubenssätze - und DIE tun weh, wenn ich sie für wahr halte.
Also was ist das eigentliche Gefühl? Vielleicht eine Enge in der Brust, ein komisches Gefühl in der Magengegend, eine Art Kloß im Hals. Und dann ist da vielleicht irgendetwas "Dunkles, Schweres" in mir und ich weine die ganze Zeit und fühle mich kraftlos. Aber kommt das jetzt alles davon, dass ich letzte Woche verlassen wurde? Oder sind das alte Gefühle, z.B. aus der Kindheit, die nicht ausgefühlt wurden und gerade jetzt hochkommen. Oder sind sie vielleicht einfach so da, zufällig, ohne besonderen Grund?
Wenn es gelingt, diese Gefühle einfach ohne Interpretation wahrzunehmen, zuzulassen und auszufühlen - dann halte ich das für einen guten Weg. Seelenhygiene könnte man es nennen. Sich dafür Zeit nehmen, vielleicht sogar in das Gefühl hinein meditieren.
Dann ist das einfach nur eine Energie, die sich den Weg nach außen verschafft und auch wieder verpufft.
Aber wenn ich anfange, diese Gefühle zu interpretieren, im Sinne von "das ist jetzt WEIL . . . " und versuche, das mit dem Denken zu lösen, dann wird es richtig richtig schlimm. Dann kommen Immer mehr neue Gedanken und Glaubenssätze und es wird zum absoluten Selbstläufer.