Zitat von whynot60:Das sehe ich ganz anders. Die Gefühle schießen einem ja nicht ein (zumindest mir nicht) durch rationale Überlegungen und die genauere Erforschung des Objekts. Das hieße ja, sogar die Liebe mit dem Rationalismus ausgetrieben.
Entweder ein Mensch zieht einen an aus tieferen Gründen, aus rational gar nicht erfaßbaren Wesensgründen, oder er zieht einen eben nicht an. Welche "Infos" sollte man zuerst sammeln? Die "Infos", die hier tatsächlich bedeutsam sind, werden gleichsam ganz von selber ausgetauscht, dazu braucht es keiner Überlegungen und Befragungen.
Na ja. im Falle der TE scheint ihr Instinkt sie ja in die Arme der falschen Männer zu treiben. Darüber hinaus sage ich ja nicht, dass man rein rational an die Partnersuche rangehen soll - klar ist auch die Anziehung wichtig - aber eben nicht alleine das.
Ich kann einen Mann noch so 6y oder interessant finden, wenn er in relevanten Punkten von meinen Beziehungsvorstellungen abweicht - dann machen weitere Treffen wenig Sinn.
Die Gefahr - gerade beim Online-Dating - ist eben, dass man den Menschen nicht einschätzen kann. Ist man doch noch ziemlich ausgehungert, übersieht man gerne wichtige Aussagen oder Verhaltensweisen, die eigentlich schon sehr früh darauf hinweisen, dass das Gegenüber aus welchem Grund auch immer nicht passt.
Und deswegen finde ich es schon sehr wichtig, dass man seine gesunde Skepsis nicht zu früh verliert. Wie schafft man das? Indem man den Kennenlern-Prozeß verlangsamt. Deswegen ist es zumindest meine Taktik, dass ein erstes Treffen nicht länger gehen sollte, als um die zwei Stunden. Der erste Eindruck muss auch erstmal sacken, wie ist sein Meldeverhalten danach etc., was hat er überhaupt so von sich gegeben und, und, und.
Es gibt so viele Beispiele auch hier im Forum wie Frauen über ein wundervolles erstes Date berichten, dass ewig ging, am Ende landete man im Bett etc.
Es geht auch überhaupt nicht darum jemanden zu befragen, im Rahmen einer Partnersuche Check-Liste etc. Das finde ich auch total schrecklich. Das braucht es auch überhaupt nicht - 2-3 Dates, die nicht extrem lang sind, am Besten gemeinsame nette Aktivitäten - da bekommt man schon sehr viele Infos. Sowas ergibt sich nebenbei.
Schönes Beispiel - auch schon erlebt: erstes Date super, 2. Date redete er schon viel über die Ex, beim 3. Date war es kaum noch zu ertragen.
Zitat von whynot60:Ich verstehe auch nicht, warum es schlecht sein sollte, wenn die ersten Dates intensiv und lange sind. Ich würde es eher als schlecht und wenigversprechend ansehen, wenn die ersten Dates NICHT intensiv sind. Wenn der Blitz nicht einschlägt, dann kann man sich höchstens noch selber ein Gewitter zusammenbrauen, aus dem dann bestenfalls ein paar Blitzchen schlagen.
Desgleichen: Wenn es der Wahrheit entspricht - warum sollte man dann nicht sagen dürfen, man habe sich verknallt? Dann bliebe doch die oft geforderte Authentizität auf der Strecke.
Bei mir muss überhaupt nicht beim ersten Date der Blitz einschlagen, Gefühle entwickeln sich bei mir mit der Zeit, klar brauch es eine körperliche Anziehung - da gehe ich mit dir d´accord. Das, was du mit "Blitz einschlagen" meinst, kenne ich - bedeutet aber eben noch lange nicht, dass dieser Mensch ein guter Partner ist. Für dich ist das dann gleichbedeutend mit verknallt sein - für mich gehört noch ein bisschen mehr dazu. Da dieses Hochgefühl einem durch weitere Infos, die man wohlmöglich übersieht (übersehen möchte) oder erst später erfährt, ganz schnell wieder Geschichte sein kann (weil er bspw. zum Cholerikertum neigt oder sonstwas) würde ich so ein zartes Pflänzchen nicht kommunizieren und empfinde das auch als ungesund, wenn der andere das macht. Warum? Weil er mich als Person nach einem ersten Treffen überhaupt noch nicht so gut erfassen kann, dass das nur in Ansätzen der Realität entspricht. Ich übersetze dass dann eher in die Richtung "er findet mich heiß".
Auch schon erlebt: ein Mann überschlug sich vor Begeisterung nach dem ersten Treffen, Herzchen-SMS etc. und fand mich extrem toll etc. Beim zweiten Treffen ging es um Politik - es ging irgendwie um die 80er kalter Krieg - und ich erwähnte, dass Ronald Reagan mittlerweile als recht guter Präsident gewertet wird. Krieg das auch nicht mehr richtig zusammen. Und es passte ihm wohl gar nicht, dass ich RR nicht ganz schrecklich fand. Weswegen er kurz danach den Kontakt beendete.
Mich hat das nicht groß gejuckt, da ich selbst eben nicht zu so frühen Gefühlsausbrüchen neige. Hätte eine Dame ihn aber beim Wort genommen und ihren Gefühlen freien Lauf gelassen - dann hätte das - für sie - auch ganz anders ausgehen können.
Was für dich Authentizität ist, ist für mich das genaue Gegenteil.
Zitat von whynot60:Etwaige No-Gos würde ich riskieren, ehe ich zunächst einmal eine genauere Analyse des Gegenübers vornehme.
100%ige Sicherheit gibt es nie. Aber ein bisschen Vorsicht finde ich nicht verkehrt. Wenn es der Richtige ist, dann kann der auch damit leben, wenn ich ihn erst nach dem 10. Date knutsche. Um den Herrn nicht zu verunsichern, kann man sowas direkt kommunizieren, also "finde dich wirklich interessant und möchte dich näher kennen lernen. Bitte verstehe, wenn ich mir etwas Zeit lassen möchte etc."
Gerade bei Leuten die emotional nicht so stabil aufgestellt sind, kann zu einer großen körperlichen Anziehung auch schnell ein emotionales Wirr-Warr kommen, vor allem wenn der Herr, sich als nicht ganz so interessiert und aufrichtig entpuppt, wie er vorgab zu sein - und schon steckt man in einer negativen Beziehungsspirale und wahrt seine Grenzen nicht.
Dann lässt man alles mögliche mit sich machen und denkt nach 3 Monaten - "häh? Wieso habe ich nun eine Freundschaft+ und warte stundenlang auf seinen Anruf um zu erfahren, dass er vielleicht am Samstag Zeit hat. Ich wollte doch was Festes?"
Ich zumindest habe keine große Lust darauf mit halb Deutschland in der Kiste gelandet zu sein, bevor ich das finde, was ich wirklich möchte.
Zitat von whynot60:Wenn mich nicht alles täuscht, hat es Dich offenbar noch nie so richtig erwischt, daß alle Wände gewackelt haben und aller Himmel auf Dich herabgestürzt ist. Anders kann ich mir Deine überlegte Sicht der Dinge nicht erklären.
Selbstverständlich. Und aus so einem "Wahn" sind schon gute Beziehungen entstanden, aber auch absolute Katastrophen.
Das ist mitunter auch Glückssache.
Die Katastrophen passieren mir allerdings nicht mehr! Und warum? Weil ich weiß, dass das a) Leidenschaft ist und nicht Liebe und b) deswegen nicht mehr an so Vorstellungen hänge wie "DAS war nun aber mein absoluter Seelenverwandter" - wenn der mich nicht will, ist mein Leben nur noch furchtbar.
Niemand ist perfekt und es gibt auch nicht nur "den einen wahren Seelenverwandten". Lernt man, wenn eine extreme Leidenschaft wirklich in eine entspannte Beziehung führte. Da gibt es dann nämlich nach ein paar Jahren zumindest zeitweise eine Ernüchterung.
Dann lernt man einen anderen kennen, dann ist der auf einmal "der einzig wahre und so toll etc.". Dass dies auch beim Ex oder noch Freund der Fall war - hat man einfach verdrängt.
Diese Ernüchterung tritt natürlich nicht ein, wenn das Objekt der Begierde nur ab und zu greifbar ist (On-Off-Beziehung, Affäre), so entstehen häufig jahrelange Martyrien. Und es entsteht der Glaube, dass genau dieser Mann "die große Liebe" ist.
Man muss kämpfen, wenn derjenige nicht greifbar ist, dann muss er ja unglaublich toll sein, das Drama - all das generiert vermeintlich tiefe Gefühle - das sind sie aber nicht - das ist Sucht.
Kann man drauf stehen - ist ja nicht verboten. Mir wäre das zu stressig.