Zitat von GiuliettaV:Was ist zum Beispiel mit den Menschen, die von Ihrer Gefühlswelt abgeschnitten sind ( Abspaltung) oder nur einen eingeschränkten Zugang dazu haben ?
Zitat von GiuliettaV:Es ist ja auch kein Zufall weshalb viele Menschen in solchen sehr krassen Beziehungen landen.
Zitat von GiuliettaV:Für manche Menschen wird das Leben dadurch insgesamt zur Qual und unendliches unerträgliches Leid und Schmerz überwiegt
Ich gehe nicht allein von meiner Gefühlswelt aus. Aber das spielt auch keine Rolle.
Mich beschäftigt vielmehr eine ganz andere Frage. Nämlich, wohin es führen würde, wenn es gelänge, alle auf denselben, als "normal", "stimmig", "richtig" oder was immer geltenden psychischen Level zu bringen. Also alle zur klaglosen seelischen Funktionstüchtigkeit zu bringen. Der Weg dorthin ist ja ohnehin schon eingeschlagen. Wenn heute ein Schulkind oder sogar bereits ein Kindergartenkind irgendwie auffällig wird, hat es der Schulpsychologe gleich am Schlawittchen und die Pillen winken. Es soll ja später einmal keine Schwierigkeiten haben (oder eigentlich keine machen) und problemlos funktionieren, wie man das eben gerne sieht in der durchgeknallten Heileweltwelt.
Wenn das also tatsächlich vollkommen gelänge: Wo nähmen wir dann die Wissenschaftler (ich meine, die selbstständig denkenden, kreativen, nicht die stumpfsinnigen Nachplapperer), die Forscher, die Künstler, die Ausreißer, die Vor- und Nachdenker her? Ich wage zu behaupten, daß dann die Welt noch mehr veröden würde, bis zur selbsterschaffenen Wüste.
Weitaus klüger und sinnvoller erschiene mir, eben auch den irgendwie Ausgearteten möglichst gute Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, anstatt sie "therapieren" zu wollen.
Die Qual, von der Du schreibst, ist ja nur höchst selten eine primäre, aus dem Leben selber stammende, sondern diese ergibt sich in der Regel durch die ständige Reibung mit der Gesellschaft und deren ach so heilsamen Vorgaben und Normen. Das führt unweigerlich dazu, daß die meisten dieser seelisch anders, vielfach schlicht feinsinniger gearteten Menschen aus der Gesellschaft hinausfallen, statt hineinzufallen, und dann eben leiden, anstatt die Potentiale umsetzen und Sinnvolles bewirken zu können.
Wären heute ein Nietzsche, ein Hölderlin, ein Bosch, ein Schumann und wie sie alle heißen mögen denkbar? Ich fürchte, nein, weil die allesamt ja gleich einer maßgeschneiderten Therapie zugeführt werden würden. Und sogar ein vergleichsweiser harmloser Einstein müßte erst einmal therapieunbeschädigt das Erwachsenenalter erreichen. Um dem zu entgehen, braucht man nahezu ja schon eine Persönlichkeit wie ein Holzpantoffel.
Dieser ganze Psycho- und Psychotherapiewahn ist ja selber schon zu einem enormen Problem, zu einer enormen (auch psychischen) Belastung geworden. Manche sitzen ja gar zehn Jahre allwöchentlich im Therapiezimmer wegen eines seelischen Rückschlages, der sich ohne Therapie in ein paar Monaten wieder ausgependelt gehabt hätte.
Ich glaube also, wenn man von seelischem Leid spricht, muß man doch auch etwas genauer hinsehen, worin dieses eigentlich begründet ist. Eine Dysfunktionalität in einem gesellschaftlichen Sinn muß nicht notwendig ein dauerhaftes Leid bedeuten, wenn es andere Rahmenbedingungen gäbe, eine Akzeptanz, ja sogar noch eine Förderung der Diversität. So aber, wie die Dinge sich entwickelt haben, ist es aber natürlich tatsächlich ein Unglück, wenn jemand meinetwegen halbwegs als Genie auf die Welt kommt und alleine schon deshalb eine "Soziopathie" aufweist, die ihm das Leben in dieser Vogelkäfigwelt gewiß nicht leicht macht.
Zitat von GiuliettaV:So neue Erfahrungen zu machen und auch eventuell neue Seiten an sich selber zu entdecken macht das Leben facettenreicher und bunter.
Bin gespannt, was Du dabei entdeckst und zu uns berichten hast bzw. uns eventuell dann berichten magst.
Ja, neue Erfahrungen mache ich immer gerne! Noch dazu, wenn es verwöhende und betüddelnde sind

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Ich harre mit Spannung der Dinge, die da noch kommen mögen!
