Zitat von tesa:Ich wollte immer ein Buch schreiben, wenn ich deine Texte lese, will ich das nicht mehr! Ich bin nicht halb so gut!
Danke!
Dann schreibe es, und ich lektoriere es, wenn Du willst .
Zitat von arjuni:Kann man vorher nicht wissen, dass das so ist.
Eben das habe ich ja gesagt. 50 : 50. Wenn nun aber jemand die Überzeugung hat, mit dem Tod sei alles zu Ende, dann kann er etwaigen Ängsten durch diese Überlegung, daß der Tod (der eigene) im Leben ja nicht vorkommt, entgegenwirken.
Zitat von arjuni:So selten ist das nun wieder auch nicht. Das erleben z.B. Menschen, die schwer erkranken und dadurch auch in finanzielle Notlagen geraten. Das sind gar nicht mal so wenige.
Ich habe nur von den fundamentalen existenziellen Ängsten gesprochen. Man kann natürlich auch vor einer Prüfung Angst haben, vor Krankheiten, vor dem sozialen Abstieg, auch vor Spinnen oder Schlangen - es gibt tausenderlei Ängste.
Was ich aber meinte, ist - um Leben und Tod geht es nur in den seltensten Fällen. Ein sozialer Abstieg etwa mag enorme Angst machen, aber tödlich wird er nicht sein, es sei denn, jemand verzweifelt darüber dermaßen, daß er seinem Leben selber ein Ende setzt.
Das Problem ist, wie @megan schon gesagt hat, daß unser Angstsystem ein archaisches ist und sich das Todesangstgefühl, also eine echte existenzielle Angst, auf alles Mögliche beziehen kann. Und das ist eben irrational. Die Angst steht oft in keinem Verhältnis zur Ursache.
Und weil von eigenen Erfahrungen gesprochen worden ist: Ich war, vor Jahrzehnten, todkrank, mit einer 5%-Überlebenschance. Gerade diese Erfahrung hat mir aber mehr oder weniger jede Angst genommen, und ich war nicht einmal in dieser Situation, die sich über Monate erstreckt hat, ängstlich (deshalb ist auch die Angst vor einer solchen Situation verschwunden, weil man zwar davor, in der Vorstellung, Angst haben mag, aber nicht dann in der Situation selber). Problematischer waren hier schon die monatelange schwersten Schmerzen, und nach der Operation konnte ich wochenlang nichts essen und habe alle zwei Stunden gekotzt. Das alles war doch etwas schwerer durchzustehen als der Anblick des Todes. Aber es hat mich keineswegs zermürbt. Am Rande des Lebens herrschen ganz andere Gesetze als mitten im Leben.
Oder das Jahr 2011. Erst der Vater verunfallt, monatelanges Koma, die Mutter ahnungslos (weil die Ärzte bei jedem Besuch gesagt haben, er schlafe nur wegen der Schmerzmedikamente), dann der Vater gestorben. Wenige Monate später Trennung von meiner damaligen Partnerin, zudem Verlust des Hauses dadurch. Ein paar Wochen später die Schwester gestorben, Mittwoch noch selber ins KH, Donnerstag gelb am ganzen Körper, Freitag dunkelgelb und die meiste Zeit bewußtlos, Samstag gestorben. Die Mutter, wieder ahnungslos, was die Tochter überhaupt hat, ein völliges nervliches Wrack.
Es ist also durchaus nicht so, daß ich nur von bloßen Theorien reden würde, von den eigenen Erfahrung her aber ganz unwissend wäre.
Was mich aber richtig niedergeworfen hat, das einziges Mal in meinem Leben überhaupt, das war die Trennung von meiner Ex. Und das hat mir ein Licht aufgehen lassen. Dieser seelische (und auch geistige) Untergang ist schlimmer als der körperliche oder sonst ein Unglück. Denn dadurch verliert man sich tatsächlich und ist ausgelöscht, während ich durch diese ganze lange Krankheitszeit hindurch dieses Gefühl nicht eine Sekunde hatte.
Worauf ich also vor allem achten würde, ist, immer bewußt zu bleiben, komme, was wolle. Dann kann einen selbst der Tod nichts anhaben.