Ich kenne das Problem aus etwas anderer Warte. Ich lerne Männer kennen, die es total gut und interessant und reizvoll finden, dass ich selbständig bin und mein Leben im Griff habe. Das ist eine zwangsläufige Entwicklung gewesen, weil in meinem Leben nie dauerhaft jemand war, der mich untestützt hätte und natürlich aus der Prägung heraus entstanden, niemals in einem finanziellen oder emotionalen oder merkwürdigen Werteabhängigkeitsverhältnis zu einem Mann stehen zu wollen, sondern immer die Möglichkeit haben zu können, zu gehen, ohne auf finanzielle Verwicklungen, Materielles usw. Rücksicht nehmen zu müssen.
Ja, das ist ein Ergebnis meiner Kindheit und der Wahrnehmung von der Ehe meiner Eltern. Ich dachte immer, es müsste auch anders gehen. Es müsste möglich sein, dass zwei autarke Menschen sich zusammentun, weil sie es wollen und auch aus diesem Grund zusammenbleiben und nicht, weil sie es müssen.
Also, ich bin autark, sicherlich meist nicht hilflos. Ich weiß, wie man mit einer Schlagbohrmaschine umgeht und ich kann, wenn ich muss, Reifen wechseln, obwohl ich nicht mal ein Auto habe (für Fahrradreifen/-schläuche habe ich keine Geduld). Ich kann kochen, wenn ich muss (nicht mein LIeblingshobby), renovieren usw. Ansonsten stehe ich im kreativen Bereich z.T. auf Dinge, die eher von Frauen ausgeübt werden. Ich kann im Blaumann herumlaufen und mich wohl fühlen und mit langen lackierten Fingernägeln auf Vamp machen. Ich halte mich für durchschnittlich aussehend und durchschnittlich intelligent. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Ich kenne meine Macken und meine Vorzüge. Bei all dem bin ich bereit, mich auch von anderen Dingen begeistern und mich in andere Welten mitnehmen zu lassen, so wie ich auch meine Welten zum Kennenlernen anbiete.
Nun lerne ich also gelegentlich Männer kennen, die das alles toll finden. Die Bewunderung kund tun, die beeindruckt sind, weil das nicht dem Klischee entspricht.
ABER - DAS - FUNKTIONIERT - MEIST - NUR - FÜR - EINE -WEILE, weil sie sich dann offenbar von dem, was sie vorher toll fanden, nicht mehr angezogen fühlen, weil das auf einmal in ihrem Denken ihre Männlichkeit in Frage stellt (und vielleicht auch meine Weiblichkeit). Nur Männer, die ihren Wert wirklich kennen (der natürlich ihrer Wahrnehmung mindestens dem meinem entsprechen muss, weil sie sich sonst minderwertig fühlen) oder besonders tumb sind und die Einschläge nicht merken, können damit offenbar umgehen.
Wenn sich diese Männer dann also abwenden, weil ich nicht von heute auf morgen die Schlagbohrmaschine fallenlassen kann, nur um ihnen zu gefallen, ist natürlich das Ergebnis, dass ich mich in meiner Weiblichkeit und in meinem Wert in Frage gestellt sehe. Insbesondere da diese Situation sich immer mal wieder durch mein Leben zieht, wenn auch nicht ständig. Am Ende bleibt aber die Situation, dass ich mein Leben meistern muss wie bisher und daher auch von meinen Kompetenzen weder Abstand nehmen kann noch will.
.. und insofern kann ich den Frust der TE schon irgendwie verstehen. Denn, hey, was wollen "die Männer" denn? Wieso ist erst gut, was auf einmal nicht mehr gut ist?
Beruhigend ist aber, dass es eben auch die wenigen anderen gibt, die einen Umgang damit gefunden haben oder vielleicht gar nicht finden mussten, da für diese eh alles seine Richtigkeit hatte. Wenn er nun mal besser putzen kann und ich kann besser Dreck machen, dann nützt es eben auch nichts, wenn ich die kleineren Finger habe, mit denen man besser in die Ecken kommt.
