@kuddel7591
Zitat:Gerade musste ich schmunzeln - du schreibst in deinem Post, welche Menschen du "eigentlich"
gern hast....und wie sieht es "uneigentlich" aus? Es lebe die Bedeutung "unbedeutender" Worte
wie "eigentlich".

das eigentlich bezog sich auf mein Verhalten, z.B. meine Abwesenheit, mich nicht melden und solche Dinge.
Das kann manchmal daran liegen, dass man von seinem Leben voll eingenommen ist, aber auch andere Gründe haben. Ich bin z.B. verdammt gerne allein und grob gerechnet reicht mir eine Verabredung im Monat. Ich neige sehr zum Rückzug und vernachlässige manchmal Freundschaften, bzw es gibt unterschiedliche Nähe-Distanz-Wünsche.
Oder ich bin seltsam scheu, wenn mich jemand bewegt und verkrümele mich dann erstmal.
Und ich sprach auch nicht von Menschen, die ich einfach mal ganz gern hatte, sondern welche, die ich verdammt gerne hatte, mit denen ich gerne befreundet gewesen wäre, aber das z.B. aus Scheu nicht signalisiert habe. Ich melde mich manchmal gerade bei den Menschen lange nicht, die mir viel bedeuten.
Zitat:Menschen gern zu haben, einige zu mögen, weil etwas stimmig mit ihnen ist - ist das immer damit
verbunden, ständig in Kontakt mit ihnen zu sein? Viele Menschen begegnen einem im Leben - viele Menschen geben einem etwas.....andere nicht. Und in der Rückbesinnung, welche Menschen einem
im bisherigen Leben begegnet sind, zu denen keinerlei Kontakt mehr besteht - diese dennoch weiterhin gern zu haben, einige von ihnen zu mögen, kann weiterhin gegeben sein.
ja natürlich, aber siehe meine Worte oben.
Und ja, es ist manchmal schwer zu erfassen, warum ein Mensch einen berührt oder man sich zugeneigt fühlt. Es gab z.B. ein Mensch in meinem Leben, der sooo anders ist als ich. Extrem gesellig, Hauptinteresse Politik- beides absolut nicht mein Ding und doch hatte ich selten jemanden so gern. Mir geht sogar das Herz auf, wenn ich an ihn denke. War übrigens kein Flirt. Und ihm ging es genau so. Er bemühte sich um die Freundschaft, ich zu wenig, bis wir uns aus den Augen verloren.
Und neulich fragte ich mich eben mal, was ich hier treibe. Ich war eine zeitlang ständig unterwegs, dauernd mit Menschen im Kontakt, kam kaum zur Ruhe und da kam eben die Frage auf, was ich falsch mache. U.A. fiel mir auf, dass ich auf alle möglichen Leute
reagiere, wenn sie was von mir wollen. Kannst Du mal dies, kannst du mir mal zuhören, helfen usw. Ist ja auch in Ordnung, aber ich merkte, dass ich selbst mehr lenken und wählen muss. Also anstatt mich in diesen Dingen zu verlieren, Grenzen setzen und mal selbst auf die Menschen zugehen, durch die ich mich bereichert fühle, das mich "nehmen" sein zu lassen.
Zitat:Ein Name einer Frau ist mir gerade präsent - Scarlett. Eine Frau, brünett, Deutsche, mit einem einnehmenden Lachen, einer brillanten Analytik, einer forschen Art, aber auch besinnlich. 2005 war das. Freiburg/Breisgau. "Wir bleiben in Verbindung" - nix da. Reha zu Ende...aus dem Auge, aus dem Sinn? Nee... auch nicht. Die "Gemengelage" war es, die die Zeit mit ihr ausmachte....und NEIN, kein "werben" um sie oder um mich.

ja, so etwas gibt es auch. Man teilt in einem bestimmten Zeitraum etwas gemeinsam. Die Stimmung, die Lebensthemen verbinden, aber aus Gründen, die nicht immer leicht zu erfassen sind, kann diese Beziehung nicht in den Alltag übergehen. Dennoch schöne bereichernde Begegnungen.
Zitat:"Freundschaft" - was zeichnet eine Freundschaft wirklich aus? Sind die meisten Freundschaften nicht eher "bessere" Bekanntschaften? Max. 3 Freund/innen hat ein/e Frau/Mann, mit denen wirklich vieles/alles besprochen werden kann, erlebt werden kann...Tiefen und Höhen durchlebt, bzw. erlebt werden. Freund/innen müssen nicht ständig "auf der Matte stehen", nicht ständig am Phone sein... es reicht, wenn sie DA sind. Das zu wissen, sich auf sie verlassen zu können, wenn sie "gebraucht" werden (und umgekehrt natürlich auch) - DAS zeichnet für mich Freundschaft aus....zu Frau und/oder Mann. Freundschaft sehe ich als etwas "ganz Besonderes" an....und wird nicht "per Gießkanne" gewährt.
ja, das sehe ich genau so und meine engsten Freunde betrachten es auch so.
Zitat:Apropos "Missverständnisse" - es gibt die kleinen, wie es die großen gibt. Wechselseitig stattfindend, können die MEISTEN dennoch geklärt werden. Wer auf Klärung aus ist, wird das schaffen - und es kaum etwas, was nicht durch Kommunikation geklärt werden kann. Wenn der Wille zur Klärung vorhanden ist, Animositäten ausgeblendet werden...dann können Missverständnisse ausgeräumt werden, um sich auch wieder "in die Augen" sehen zu können.
Eigene Erfahrung - Menschen zu verzeihen, mit denen es jahrelangen "Clinch" gab, hilft ungemein. Nicht mal jedes einzelne Missverständnis anzuführen, sondern per se alles zu vergeben/verzeihen, was vorgefallen ist, trägt sehr zur Harmonisierung bei...AUCH mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen.
ja, nur denke ich, dass Freundschaften, die wegen einem Missverständnis auseinander gehen und man eben nicht bereit ist zu reden, zu verzeihen, oder gar gut auf den anderen verzichten kann, eben keine sind. Durchaus braucht das alles manchmal Zeit, aber wenn da wegen eines Streits oder Fehlverhaltens oder dergleichen keine Verbundenheit bleibt, dann war wohl auch nie eine.
Ich habe bis auf eine Ausnahme bisher immer jeden Groll gegen andere vergessen können, aber nachdem mir meine beste Freundin einen wirklich schlimmen Fehler mit solch unglaublicher Großherzigkeit verzeihen konnte,frage ich mich, ob ich nicht auch mal meinen 2O. Jahre alten Groll gegen eine alte Freundin ablegen sollte
Zitat:Aber.... viele Menschen tragen diese Auseinandersetzungen "ihr Leben lang" mit sich herum. Sich damit zu beschäftigen, dass die eigenen Anteile an Auseinandersetzungen nicht immer unerheblich waren/sind, hilft die Wogen zu glätten - zunächst in sich selbst.
oft, aber nicht immer gibt es eigene Anteile. Meine Freundin z.B. hat O% dazu beigetragen, dass ich ihr so weh tat. Komplett meine Verantwortung. Da hätte sie bis zum St Nimmerleinstag nach Eigenanteilen suchen können.
@Rübli
Zitat:Wie du schreibst, deine Wahrnehmung, deine Wortwahl, warum bist du keine Autorin? Also, ich gebe freimütig zu, dass ein kleiner Teil von mir neidisch deine Texte liest, der weitaus grössere Teil dir, für dein Einfühlungsvermögen und die daraus resultierenden richtigen Entscheidungen und Handlungen Respekt zollt, vielleicht kannst du mir ein paar Tipps oder Literatur an die Hand geben, wie ich ohne Worte, mehr aus dem gegenüber lesen kann

das zu lesen, hat mich echt erstaunt weil es mir mit Dir von Anfang an genau so ging

Jetzt verrate ich es weil Du mir so lieb schreibst. Sonst hätte ich wie gehabt scheu den Schnabel gehalten. Und Du bist für mich so ein Mensch, bei dem ich gar nicht richtig erfassen kann, was bei mir sofort diesen Funke zünden ließ, denn Du bist schon sehr anders als ich, denkst teilweise sogar konträr usw., aber als ich Deine ersten Beiträge hier im Thread las, war ich angetan und dachte, wenn ich ein Mann wäre, würde ich ein Auge auf Dich werfen

Nein, nicht wegen Deines Stylings, das ich aber durchaus reizvoll finde. Es ist eine bestimmte Art der Intelligenz, die mir zusagt und die Stimmung, die Du erzeugst.
Was die Literatur betrifft, kann ich Dir leider nichts empfehlen. Bin zwar ein Bücherwurm, lese aber fast ausschließlich Autoren, die ganz anders denken und fühlen als ich. Da, wo ich mich in der Lektüre wieder erkenne, langweile ich mich zu Tode. Nur um mal ein paar Klassiker zu nennen, damit Du mich verstehst: ich habe früher Camus und Thomas Bernhard geliebt. Als ich "Der Fremde" von Camus las, war ich von Sinnen. Fremder meinem Empfinden geht es kaum und doch war ich hin und weg. Ich lese fast nur die Autoren, die einen sehr distanzierten Blick auf`s Leben haben, oder auch eine große Distanz zu sich selbst. Ich vermute auch, dass das u.A. ein guter Schriftsteller braucht. Ich meine, bei meinen Autoren kann man genau das, was Du suchst, nicht lernen.
Mein Ex ist nach meinem Empfinden ein Mann, der dem Denken und Empfinden dieser Autoren viel näher ist als ich. Ich staunte, als er mir voller Begeisterung von der Autorin Elena Ferrante erzählte, deren Bücher er voller Genuss verschlang. Ich also auch mal reingeschnuppert und schreiend davon gelaufen. Für mich ist das Lektüre, die in gewisser Weise mein Leben und Empfinden wider spiegelt. Dauernd geht es um Gefühle, soziales Denken im Zentrum, Alltagsanektoden, wie bei mir selbst eben. Ich langweilte mich sehr.
Er sagte, dass er bezüglich des Sozialen, Gefühlen, zwischenmenschlichen Agierens sooo viel dazu gelernt habe und hatte viel Freude an dieser Lektüre. vielleicht also etwas für Dich, wobei ich diese Bücher ansonsten definitiv nicht empfehlen würde.
Hm und Tipps so aus dem Stehgreif geben? Du kannst mich gerne Dinge fragen und ich schaue mal, ob mir was gescheites einfällt, aber ich habe keine Strategie, auch keine bewusst anerlente Technik, etwa Körpersprache lesen gelernt oder herum analysiert.
Aber wenn hier jemand darüber bescheid weiß, bitte melden! Ich finde auch, dass das ein spannendes Thema ist und würde gerne mal etwas von jemandem dazu hören, der es besser als ich rationalisieren kann.
Ich glaube, es ist Instinkt und ich habe keinen blassen Schimmer, ob man das lernen kann.
Oftmals habe ich aber auch einfach durch einen nächtlichen Traum wesentliches über die Dynamik, die Themen zwischen einem anderen Menschen und mir erfasst. Also völlig planlos. Ich staune selbst darüber, wie viel das Unbewusste registriert, während der Verstand noch dabei ist, einen anderen Menschen kennenzulernen.
Bei einem Mann, in den ich mich heftig verknallte, war es z.B. so, dass ich genau merkte, dass auch er in mich verknallt ist, alles schien gut zu laufen, aber irgend etwas stimmte nicht. Ich träumte dann mehrmals hintereinander, dass wir gemeinsam zwei Leichen entsorgen müssen- Mann und Frau. Sie lagen uns im Traum ständig im Weg. Mir war also klar, dass das die "Leiche" seiner vorigen Beziehung war, er war innerlich nicht frei für mich.