Zitat:Das schubst einen langeandauernden Gedanken bzw. ein Rätsel von mir nach oben, nämlich: Warum wünschen Wir (mit dem "Wir" ist jetzt die abstrahierte Menschheit gemeint) die ewige Liebe? Das ist ja das Ideal, die immer andauernde Liebe bis zum letzten Atemzug eines der Menschen.
Aber warum träumen Wir davon? Idealismus? Angst? Romantik?
Liebe @Helli How are you? Wie ist Dir?
nehmen wir mal an, es ist Idealismus. Woher kommt er dann? Es gab ja schon vor der Romantik die großen Liebesgeschichten.
Woher diese Sehnsucht? Ein Ideal kann doch nur dort anknüpfen und sich so lange erhalten, wo es ein tiefes Bedürfnis gibt, oder?
Ein grundlegendes Bedürfnis kann man verlagern, aber nicht loswerden. Warum nicht?vielleichtweil es genau so zur menschlichen Natur gehört, wie Futtern zu müssen.
Vllt gibt es dieses Ideal weil es diese ewige Liebe auch gibt
Und diese ewige Liebe wird wohl etwas anders aussehen, als der jeweilige Zeitgeist ihn sich vorstellt. Heute ist Liebe ja auch ganz stark mit ewiger S Leidenschaft und s Treue verbunden und meinem Eindruck nach recht egozentrisch. Nur ich und Du. Überall Anregungen wie man die Leidenschaft aufrecht erhält, nebst Rezepten für ewige Jugend.
Genau so glaube ich, dass auch die Religion zu allen Zeiten immer in irgend einer Form Gestalt annimmt weil es etwas jenseits unserer materiellen Welt gibt, nicht weil wir Menschen ohne den Glauben an einen Gott und die Liebe ein ziemlich tristes Dasein fristen würden und wir einsehen müssten, dass wir vergängliche Wesen sind, deren Bestimmung einfach nur darin besteht, die eigene Art durch Fortpflanzung aufrecht zu erhalten.
Wenn unsere Natur ausschließlich eine ganz banal Triebhafte wäre- Futtern, Fortpflanzung und Ende-, warum ist unser Wesen dann nicht so konstruiert, dass wir ganz zufrieden damit sind wenn wir genug zu Futtern haben und so viel Po ppen, wie möglich? Das wäre doch sinnvoll. Warum ist da ein Bedürfnis in uns, dem das nicht genügt?
Weil sich zufällig unser Hirn so entwickelte, dass wir reflektieren, erinnern, uns sehnen können? Aber warum haben wir kein Hirn, dass Denken, Reflektieren etc. kann, aber eben ohne diese Sehnsüchte? Wäre doch durchaus denkbar, dass es hochintelligente Wesen gäbe, die ohne dieses Bedürfnis nach Liebe auskommen und total glücklich damit sind.
Oder weil vor tausenden von Jahren unser Leben bedroht war, wenn wir z.B. schwanger von unserem Mann verlassen wurden?
Hm, dann müsste uns doch auch anders gearteter sozialer Ausschluss oder der Verlust anderer Mitglieder unseres Clans genauso tief erschüttern und ewige Sehnsucht auslösen?
Ich glaube einfach nicht, dass alle Gefühle im endeffekt nur im Dienst des sozialen oder biologischen Überlebens stehen.
Vllt steht ja umgekehrt das biologische Überleben im Dienst des Emotionalen oder Geistigen?
Ich denke, dass der Wunsch zu lieben zu der menschlichen Natur gehört, eines der wesentlichen existenziellen Themen des Menschen ist und nicht bloß dazu dient, zwei Menschen zwecks Aufzucht der Nachkommen zusammen zu schweißen. Das ist Verliebtheit, aber keine Liebe, hat aber offensichtlich einen Sinn, sonst würde es sie nicht geben.
Ich bezweifle auch, ob die Verliebtheit eine Art vorüber gehende Geisteskrankheit ist, sondern eine Chance, von dem Erleben dieser rosaroten Phase zu lernen. Die Welt sieht in Verknalltheitsphasen für uns alle etwas schöner aus als sonst. Es ist sozusagen eine Chance, das beste im Menschen zu sehen. In anderen, in sich selbst.
Natürlich kann man das auch als Idealisierung oder Verblendung bezeichnen. Realistisch wäre es womöglich, auch die Schwächen des Partners, überhaupt aller Menschen zu sehen, und ihn dennoch zu lieben, so wie man es am Anfang tut. Und dazu bietet einem die Anfangsverliebtheit die Chance.
Und ich denke, dass in uns allen die Sehnsucht danach steckt, eine feste Heimat unter Menschen zu haben. Heute reduziert sich das meistens auf eine Kleinfamilie. Daher werden 3 existenzielle Bereiche stark verknüpft. Man ist sozial aufeinander angewiesen und möchte sich tief lieben und seine Triebe lieben. Natürlich gehört Verantwortlichkeit für den geliebten Menschen unbedingt mit zu einer Liebesbeziehung, aber ich halte es für problematisch, diese 3 Dinge nur in einem Menschen finden zu wollen.
Vllt liebe ich meinen Partner tatsächlich von ganzem Herzen. Nun verliebt er sich nach vielen Jahren fremd und gehtvielleichtauch fremd. Weil er aber nicht nur mein Liebster ist, sondern zugleich meine Familie, mein soziales Zuhause, entstehen starke Ängste, meine Welt droht zusammen zu brechen. Um was kämpfe ich in diesem Moment eigentlich? Um diese Liebe? Um meine Sicherheit? Kann ich mit diesen starken Ängsten überhaupt noch meine Liebe wahrnehmen?
Wesentliche menschliche Bedürfnisse wie das nach Liebe, sozialer Sicherheit und Triebbefriedigung sind heute aneinander gebunden und da kann es ja nur knallen
Soweit meine Grübelei
