Guten Morgen zusammen!
@arjuni
Heute meldet sich die Maklerin bestimmt!
Zitat:Sehr allgemein ist interessant. Es dringt im frühen 18. Jahrhundert aus Frankreich nach Deutschland ein und ist zunächst als Ausdruck der literarischen und ästhetischen Kritik so verbreitet, dass Garve ihm eine besondere Abhandlung (Einige Gedanken über das Interessierende) widmet, auf die sich dann Sulzers Artikel (Theorie 1771) stützt. Aus diesem Zeitgebrauch entwickelt noch Fr. Schlegel 1792 seine Kategorie des Interessanten als Kennzeichen der modernen Poesie, die er im Objektiven der Antike entgegensetzt, die bekannte Entsprechung zu Schillers Antithese Naiv - Sentimentalisch.
Der Gebrauch dieses Wortes erweitert sich aber früh über den ästhetischen Bereich hinaus; es wird zum schnell abgenutzten farblosen Modewort der Gesellschaftssprache. Nicht nur Dinge der Kunst oder der Literatur, sondern auch Landschaften, und vor allem Menschen und alle menschlichen Verhältnisse werden nun als interessant bezeichnet. Goethe (an Frau von Stein, 4. Dezember 1807) nennt das Wort einen der gewöhnlichen Gesellschaftsausdrücke. In der Romantik und dem frühen 19. Jahrhundert ist interessant ein inhaltleeres Modewort der ästhetischen Teegesellschaften, das in Tiecks Straußfedergeschichten, Bernhardis Bambocciaden, Hauffs Memoiren des Satans, Zimmermanns Münchhausen und anderen Dichtungen verspottet wird.
dass es diesen interessant-Flow gab, ist aber interessant!

Soweit mein Leserauge reicht, gab es bis dato strenge ästhetische Regeln. Der Kunst würdig war das Schöne, Harmonische, meinetwegen auch Erhabene usw.
Dann plötzlich gab es diesen großen Wandel: ansprechend, bewegend usw. war mit einem Mal auch das Hässliche, oder eben das, was nicht schön ist, aber aus unterschiedlichen Gründen Interesse weckt- d.h. zu vielen Gedanken- und Gemütsregungen führte. Das ist doch zunächst einmal ein Befreiungsschlag der Kunst.
Schön war es nicht, plötzlich abgearbeitete schweißgebadete verarmte Arbeiter zu malen, oder Pr ostituierte oder oder oder, aber es war interessant!
Mal unabhängig davon, dass der Gebrauch vieler Wörter sich verselbständigt oder inflationär gebracht wird etc.
Ich las mal vor meinem Studium, dass Ineresse "Darinnen sein" bedeutet-BTW: wiki sagt, es heiße "Dazwischen sein"-, was mir sehr gefiel, denn es beschreibt zwar nicht konkret, worin das Interresse genau besteht, zeigt aber einen Zustand, ein Empfinden auf. Wenn mich etwas interessiert, bin ich drin. Für mich eine Art Eintauchen, also positiv konnotiert.
Es geht dann in dem Moment der Äußerung weniger um den Wunsch auszudrücken, worin genau das Interesse besteht, sondern darum mitzuteilen- ich brin drin! Ich tauche ein!
Trotzdem in manchen Situationen auch aus purer Bequemlichkeit benutzt, auch von mir. In Ermangelung der Fähigkeit oder Lust genauerer Beschreibung.
Ysa
Zitat: Denk das mal zu ende.
Arjuni
Zitat:Ich hab das für mich zu ende gedacht, weil ich das Wort "interessant" natürlich auch sehr häufig benutze. Gestern habe ich begonnen, mir eine Liste zu erstellen (und werde sie noch nach und nach erweitern) für alternative Wörter, die mehr Inhalt haben und mehr aussagen. Die möchte ich dann in Zukunft gerne benutzen.
das finde ich sehr schön! Mache ähnliche Dinge seit vielen Jahren auch weil ich ein Wörterfreak bin. Ich sammle auch ausgestorbene oder im Aussterben begriffene Wörter, so z.B. das schöne Wort "Gemüt"
Aber mein "denk das mal zuende" war so gemeint: in diesem Sinne wäre nach meinem Verständnis z.B. auch die Aussage "Ich liebe Dich" bequem bzw. sehr abstrakt, wie auch "ineressant!" weil mit keinem Wort gesagt wird, was genau mir am anderen gefällt. So auch "Ich finde Dich schön", "Ich finde Dich intelligent" usw. usf.
Wäre man immer präzise, wären die Sätze endlos.
Zitat:das war doch nicht als Kritik oder wertend gemeint. Du kannst das doch gerne machen, wenn es Dir hilft, eine Übersicht zu gewinnen oder irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen.
Ich mache es halt nicht, würde gar nicht auf die Idee kommen. Auch nicht auf die Idee, darüber nachzudenken, was für ein "Typ" Mann sich für mich interessiert. Ob die, die sich interessieren, irgendetwas gemeinsam haben. Es liegt mir einfach fern.
Übersicht gewinnen trifft es!

In manchen Momenten geht es um das Darinnen sein, in anderen wieder um die Über-Sicht

Nein, ich habe bis vor kurzem tatsächlich nicht solche Überlegungen angestellt, aber die Reaktion dieser zwei Männertypen auf mich ist in den letzten ca. 2 Jahren so auffällig, dass es sich einfach ergab.
Zudem bin auch ich für viele dieser Männer zunächst einmal so etwas wie ein Typ, auf den sie anspringen, wiewohl sie natürlich wissen, dass jede Frau diesen Typs einmalig ist.
Ich kann z.B. seit Teeniezeiten selten ein Döner- oder türkischen Gemüseladen betreten, ohne recht königlich behandelt zu werden. Noch bevor ich ein Wort spreche. Hat also wenig mit meiner Einmaligkeit zu tun
Im letzten Jahr erzählte ich das einem türkischen Bekannten, der auf ähnliche Ysa-Attribute ansprang, wie auch die anderen türkischen Männer. Da erzählte er mir, dass es in der Türkei einen weiblichen Popstar gäbe, den viele verehren und das ich ein "ähnlicher Typ" sei. Er zeigte mir auch gleich auf dem Smartphone ein Bild von dieser Sängerin und es stimmt, ein ähnlicher Typ und doch auch wieder ganz anders, wie ich finde.
Was ich auch sehr oft erlebe, wo ich gehe und stehe, ist die Aussage "Du bist bestimmt Künstlerin!" Zack, wieder eine schnelle Kategorisierung, aufgrund weniger Merkmale.
Ob falsch oder richtig in Schubladen gedacht, ich denke, dass das kaum verhinderbar ist, dass wir alle im Alltag schnelle Urteile fällen, oder auch nur Annahmen. Es ist für mich okay, solange das Bewusstsein darüber da ist, dass es ein Irrtum sein könnte, sowie die Offenheit, sich überraschen zu lassen.
Genau zu diesem Thema gab es mal eine hoch
interessante 
Psychostudie. Grüble schon die ganze Zeit, aber die Details wollen mir nicht einfallen.
Aber vorweg: mein letzter Satz ist ein gutes Beispiel dafür, warum es Abkürzungs- oder Verallgemeinerungsbegriffe braucht: jetzt gerade möchte ich den Inhalt der Studie beschreiben. Weniger relevant ist gerade, was an ihr für mich persönlich interessant ist.
Jedenfalls wurde das unbewusste Schubladendenken und blitzschnelle Kategorisieren anderer Menschen untersucht.
Erst wurde das Bewusstsein befragt, dann das Unterbewusstsein- durch spezielle Techniken, die mir leider entfallen sind.
Also fragte man z.B. zuerst: Glauben Sie, dass Farbige prinzipiell ein größeres Kriminalitätspotential haben, als weisse Menschen?
Solche Fragen wurden wirklich gestellt. Ausnahmslos kam ein entrüsteter Aufschrei- nein, natürlich nicht!
Genau so Fragen, die zwischen Frau und Mann unterschieden uvm.
Das traurige Ergebnis der subtileren Fragen und Tests aber war, dass selbst wir alle unbewusst kategorisieren.
Zitat:PS: Danke, dass Du mich auf die Idee gebracht hast, über das Wort "interessant" zu recherchieren und mir darüber Gedanken zu machen! Ich empfinde das als sehr bereichernd!
Bitte nicht als bissig verstehen! Sondern lustig!

Ich mag das Wort "bereichernd" sehr, aber ist es nicht etwas unpräzise?

Könntest Du es konkretisieren?
