Zitat von whynot60:Ich hoffe, Du schwebst nach wie vor in der kopflosen Glückseligkeit, immer ferneren Himmel entgegen!

Kopflos ja. Himmel weiß ich nicht. Fern glaub ich nicht. Glückseligkeit? Ganz entschieden ja! Schweben eher nicht.
Vielleicht sag ich einfach mal ein paar Worte dazu? Damit es klarer wird?
Kopflos bin ich insofern, als ich seit ein paar Monaten so ziemlich alles tue, wovon in diesem Forum (nicht in diesem Thread) fast unisono und ganz entschieden abgeraten wird. Ich habe sogenannte Red-Flags beflissentlich ignoriert (und tue es noch), ganz viele Dummheiten gemacht, nicht auf den gesunden Menschenverstand gehört, mich in Gefahr begeben und allgemein so überhaupt gar nicht verstandesorientiert gehandelt.
Und ich bin so richtig glücklich dabei!

Das heißt allerdings nicht, dass ich permanent und ständig das Gefühl habe, auf Wolke sieben (oder wie immer man die numerieren möchte) zu schweben.
Wir kennen uns jetzt drei Monate und es hat schon ein paarmal ganz gewaltig gescheppert zwischen uns. Wir schauen uns nicht ausschließlich verliebt-verklärt in die jeweiligen Äuglein (seine sind übrigens grün und sensationell schön) und wir rollen auch nicht ausschließlich extatisch zwischen den Laken (oder sonstwo). Oft, ja, aber nicht immer. Manchmal kracht es auch gehörig im Gebälk.
Ich sehe das aber (außer wenn ich gerade mittendrin stecke und selbst dann noch oft) ziemlich gelassen. Ich denke mir so Sachen wie: Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Oder so ähnlich. Oder ich denke mir: Das Universum scheint ja immer irgendwie nach Ausgleich zu streben. Und wo es so viele Höhen gibt, da muss es zum Ausgleich auch Täler geben. Und in diesen Tälern lerne ich so viel. Vor allem über mich selbst.
Und Licht gibt es massenweise.
Ich kann mich nicht erinnern, jemals jemanden so geliebt zu haben. Und ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich schon einmal von jemandem so geliebt gefühlt habe.
Es klingt vielleicht ein bisschen kitschig aber ich denke tatsächlich, dass diese Geschichte, wegen der ich hier im Forum gelandet bin, etwas ganz Wesentliches in mir aufgebrochen hat. Als hätte eine uralte Verkrustung zunächst gebröckelt und wäre dann abgefallen. Oder fast abgefallen. Reste sind sicherlich noch da.
Ich glaube, ich war vorher gar nicht fähig, jemanden gefühlsmäßig so nahe an mich heranzulassen. Ich hätte somit vorher niemandem die Chance gegeben, mich so zu lieben und ihn so zurückzulieben.
Dieser Mensch entspricht in nichts dem Beuteschema, das ich mein Leben lang hatte. Und ganz offensichtlich hatte ich eins, das wird mir im Rückblick sehr klar. Er ist anders. Und unsere Beziehung ist auch völlig anders, als ich das bislang kannte. Da ist sehr viel Wärme und Nähe und sehr viel Gefühl von Geborgenheit. All das ist mir sehr neu und ich staune immer noch jeden Tag darüber.
Und noch etwas ist anders und ich glaube, auch das hat etwas damit zu tun, was mir vor gut zwei Jahren widerfahren ist und weshalb ich hier gelandet bin:
Selbst wenn es zwischen uns richtig kracht und scheppert, empfinde ich für ihn immer noch genau dasselbe Gefühl von Wärme und Nähe, das ich habe, wenn ich gerade verträumt in seinen Armen liege.
Ich baue innerlich kein Feindbild auf. Ich denke nicht: Was hat der böse Schuft, dieser Wüstling (!) da gesagt, getan, gebracht! Wie kann er nur!
Bisher habe ich mich jedesmal ein paar Stunden oder Tage zurückgezogen und statt ein Feindbild aufzubauen, habe ich dann tief in mich selbst gelauscht und versucht zu fühlen, was da eigentlich gerade in
mir passiert, statt darüber nachzudenken, was in aller Welt denn da gerade in dem anderen vorgeht und wieso dieser sich so shice (

) benimmt.
Ich denke, das ist die wichtigste Lektion, die mich mein Katalysator-Mensch gelehrt hat. Der war nämlich bekanntlich nie da, um sich mit mir auseinanderzusetzen. Mir blieb gar nichts anderes übrig, als mich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Es war eine sehr, sehr schmerzhafte und sehr nachhaltige Lektion.
Und das mache ich immer noch so.
Ein paar sehr
interessante Sachen sind mir dabei schon aufgefallen.
Ich glaube nämlich, dass mein neuer Liebster so einiges an sich hat, das ich selbst in der Zeit meiner Verkrustung an mir hatte und das ich jetzt sehr viel weniger an mir habe.
Aber nach einigem Nachdenken kommt es mir erschreckend bekannt vor. Das macht manche Dinge nicht unbedingt schöner. Aber ich verstehe sie. Und zwar auf eine Art, wie man nur Dinge versteht, die man von sich selber aus erster Hand kennt.
Und manchmal denke ich zum Beispiel: Oha! So also muss sich meine Tochter manchmal im Umgang mit mir gefühlt haben. Das arme Ding! Jetzt wird mir so einiges klar!
Ich selbst fühle mich aber gar nicht als armes Ding. Ich bin ja groß und wehrhaft (

) und kein kleines, abhängiges Mädchen.
Es lehrt mich einen Haufen über mich selbst. Und dafür bin ich auf eine schwer zu erklärende Weise sehr dankbar.
Die meiste Zeit jedoch genieße ich die Fülle an Wärme und Nähe und Säggs. Sehr gutem Säggs, nebenbei gesagt!
Und ich genieße das Gelächter. Wir können stundenlang über allen möglichen Shice lachen wie die Kinder. Ohne auch nur das geringste bisschen ge ki fft zu haben

Auch das habe ich so noch nicht erlebt. Ich wüsste nicht, wann ich je im Leben so viel zu Lachen gehabt hätte.
Irgendwie könnte ich stundenlang erzählen und irgendwie auch wieder nicht, weil ich so vieles in mir selbst noch gar nicht sortiert bekomme.
Ich weiß nur, dass ich es schön finde. Und zwar alles. Sogar die Täler. Sogar die Schatten.
Vielleicht ist ja alles auch ganz anders und ich habe einfach nur einen verhängnisvollen Drang zum Drama entwickelt.
Ist mir aber auch egal, solange das Stück so gut ist

Hmm. Jetzt habe ich deine relativ einfache Frage doch ziemlich umständlich und gleichzeitig immer noch wenig erschöpfend beantwortet, wie mir scheint.
Aber was will man von kopflosen Kreaturen auch erwarten?
Ich glaube fast, ich konnte das mal besser. Dafür übe ich mich jetzt in Fertigkeiten, die mir ziemlich neu sind. Hat ganz entschieden was für sich, wie ich finde.
Aber für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung. Kann nur manchmal ein Weilchen dauern, bis ich mich mal wieder aus den Armen meines Geliebten losreißen kann
