Zitat von megan:interessant, du siehst dich selbst als nichtssagend, ich als aussenstehender nicht
Danke!
Um genau zu sein: Ich sehe mich im Grund gar nicht. Die allermeiste Zeit über lebe ich ganz in Absehung von mir. Daher fehlt mir auch jede Kompetenz, mich auch nur in gröben Zügen einschätzen zu können.
Zitat von megan:manchmal dadurch, dass viele andere es anders beurteilen oder durch erlebnisse am eigenen leib, die sie läutern
Zu der zweiten Aussage gebe ich Dir ganz recht. Eigene Erfahrungen, vielleicht auch wirklich dramatische Erlebnisse haben zumindest das Potential zur Läuterung. Und spätestens, wenn jemand zur Läuterung gezwungen ist, wird es auch dazu kommen.
Mit der ersten Aussage hingegen habe ich Probleme. Denn das hieße ja, es ginge nicht um Wahrheit oder Wirklichkeit, sondern um die Mehrheit. Und wie man weiß, kann das immer wieder fatal enden. Zudem würden sich dann die gewieftesten Meinungsmanipulatoren durchsetzen. Die Folgen davon kann man immer wieder sehen, und komischerweise sind es nie gute.
Zitat von megan:insbesondere ist es zb beim geschriebenen wort viel schwerer, hinterher zu behaupten, es nicht gesagt zu haben
Das stimmt zwar, aber man kann gemachte Behauptung ja auch so verdrehen und uminterpretieren, daß zuletzt gar das Gegenteil der ursprünglichen herauskommt. Das wird also nicht wirklich viel bringen.
Jedenfalls tue ich mir in einer persönlichen Diskussionen bedeutend leichter, weil man dann auch ein reales, lebendiges Gegenüber hat. Allerdings kann ich nur zu zweit diskutieren. Kommt jemand Drittes hinzu, klinkt es mich gleich von selber aus.
Zitat von megan:sondern betrachte es als menschliches instrument die zugehörigkeit zu einer gruppe abzuklären
Auch das ist bei mir anders. Zum einen habe ich nicht die Neigung, jemand von etwas zu überzeugen, zum anderen habe ich mit einer Gruppenzugehörigkeit gar nichts am Hut, brauche folglich hier auch nichts abzuklären.
Zitat von megan:was gesundheit anbelangt, meine ich, es gibt schon valide erkenntnisse darüber, was ungesund ist
so ist Alk. zb ein zellgift das zellen schädigt, sein konsum ist definitiv nicht förderlich wenn man/frau lange leben möchte
Das ist ein sehr treffliches Beispiel für diese Abirrung.
Man nimmt irgendeine Einzelheit und verliert dann den Blick auf das Ganze vollkommen. Man sieht also die vom Alk. vergiftete Zelle, sieht aber nicht mehr die Gemütlichkeit, Entspanntheit, den Cortisolspiegelabfall, die Weinseligkeit, vielleicht die Inspiriertheit desjenigen, dem die Zelle angehört.
Zudem wird sich im Normalfall ja niemand den reinen Alk. mit einer Spritze in die Venen jagen, sondern wird etwas konsumieren, das außer Alk. auch noch so manches beinhaltet, das zum Teil zumindest angeblich der Gesundheit förderlicher sein soll.
Nicht umsonst ist in Ländern, in denen recht genüßlich Wein konsumiert wird, die Lebenserwartung besonders hoch (natürlich nicht allein wegen des Weinkonsums). Und die früheren Mönche, die sich den Winter über zum Teil sogar von B. ernährt haben, haben bisweilen für die damaligen Verhältnisse ein geradezu biblisches Alter erreicht.
Worauf es sicher ankommen wird, ist die Dosis. Denn täglich ein Vollrauschexzeß wird in keinem Sinne auf Dauer zuträglich sein. Außer vielleicht jenen, die sonst überhaupt am dumpfen, rauschlosen Leben zugrunde gingen und im Lebensgefühl, ich trinke, also bin ich, leben.
Wie tief soll die Einzelbeobachtung (und die Schlußfolgerungen daraus) noch reichen? Wenn man bei den Atomen angekommen ist, entdeckt man vielleicht, daß es die Elektronen schon aus der Bahn schleudert, wenn man nur daran denkt, etwas sei gesund oder ungesund oder gut oder schlecht. Und was dann? Das Denken sicherheitshalber einstellen?
Und nicht zuletzt: Was wollen wir denn vom Leben? Daß wir es vielleicht doch irgendwie durch Unterlassungen und Verzicht auf 500 Jahre bringen? Das ist natürlich Geschmackssache - aber mein Ziel könnte das niemals sein. Da wären mir sogar noch 20 Jahre Exzeß lieber als 500 Jahre gesundheitsbesorgte Ödnis mit einer Aneinanderketten von nichts als Leerläufen.
Und das sage ich, wohlgemerkt, als jemand, der im Jahr, wenn es hoch kommt, vielleicht 5x Alk. trinkt. Wobei diese Zurückhaltung nichts mit gesundheitlichen Überlegungen zu tun hat, sondern weil ich dann unkonzentriert und vernebelt werde und ich mir diesen an sich ja gemütlich Zustand aus diversen Gründen nicht leisten will.
Jedenfalls geht es genau darum: Um diesen Blick, der immer starrer, schärfer und einzelheitsverliebter wird und daraus völlig unzulässige Menschenquäl- und -belästigungsschlüsse heraussaugt, praktisch bis nahe an die vollkommene Erblindung heran.
Zitat von megan:willst dich aber auch nicht überzeugen lassen?
Ich glaube, das hast Du etwas mißverstanden: Es ging allein um die Frage, wofür es gut sein soll, jemanden, der an ein Jenseits glaubt, davon zu überzeugen, daß es keines gäbe. Das halte ich für ein reichlich eitles wie sinnleeres Unterfangen, da mir der Nutzen daraus nicht ersichtlich ist. Außer jemand, wie die eingefleischten Christ, verbindet damit gewisse Lebensjochbedingungen. Wie das ja auch so manche Wissenschaftler gerne tun. Zwar nicht im Namen eines Jenseits oder Himmels, sondern, noch dürftiger, im Namen etwa der Gesundheit.