@Karina14
habe schon wieder herum gegackert. Ja, ich glaube, niemand würde uns erkennen

Ich werde mich als Mann tarnen.
Glaube, ich habe eine schwere Todesneurose entwickelt. Das wäre auch ein Thema für den neuen anonymen Thread. Immer wenn ich mal drüber sprechen will, kommt sofort "Ja, man denkt auch an das eigene Ende." Das ist bisher nie mein Problem gewesen. Habe umgekehrt Sorge, meine Liebsten zu verlieren. Mit wenigen Ausnahmen auch alle äter als ich. Aber da liegt echt keiner in den letzten Zügen oder so. Dennoch habe ich diese Neurose seit einigen Jahren und sie verschärft sich massiv. Es fühlt sich an, alls wären wir alle echt nur einen Wimpernschlag zusammen, ein zarter Windzug und die Pustebume zerfällt. Ich kann kaum noch einem Freund begegnen, ohne zu denken, dass es irgendwann nicht mehr so sein wird. Ständig das Ende vor Augen. Und das führt dazu, dass ich jeden Streit sofort beilegen will. Der andere könnte ja morgen tot sein, wenn der Zufall es will. Aber auch in Friedenszeiten haue ich jetzt ständig alles schöne raus, damit ich nicht irgendwann bereue, es nie gesagt zu haben. Meine Mum muss z.B. schon ganz belämmert sein von meinen Liebeserklärungen. Meine Freundin neulich vor ihrer Reise dauernd umarmt, obwohl wir das nie taten. Könnte ja das letzte Mal sein. Wer weiß, ob sie nicht mit dem Flugzeug abstürzt.
Echt irre. Schon 2O., 3O., 4O. Jahre vor dem Ende trauern, statt sich zu freuen, dass alle noch da sind.
Komme da auch mit keinem noch so schlauen Gedaken gegenan.
Ich werde noch ganz kirre. Als hätte man sonst nichts zu tun. Deswegen bekomme ich einen hysterischen Lachanfall, wenn ich mich in einem anderen Menschen gespiegelt sehe, der meine eigenen Worte bitterernst mit hängendem Köpfchen vor sich herbrabbelt. Hab mich auch mal im Protagonisten im Theater wieder erkannt. Ein Melancholiker, der dramatische Reden hält. . .In dem Moment, als er sein Fieberköpfchen in den Strick legt, habe ich den Lachanfall meines Lebens bekommen. Warum ist das eigene bei einem anderen Menschen mit einem Mal so urkomisch? Wieso gelingt auf diese Weise Distanz zum Thema?
Aber ich finde es bei anderen nur so lustig, wenn es neurotisch wie bei mir ist. Nicht wenn Menschen trauern weil sie jemanden verloren haben.
Komisch, ansonsten denke ich wenig an die Zukunft, irgend welche Sorgen drüber. . .Warum verbeiße ich mich ausgerechnet im Tod?
Gute Nacht***