@Karina
Zitat: manchmal verbirgt sich hinter einem schönen Satz etwas sehr Grausames, wurde das Träumen und mit ihm die Traum-Industrie nicht erst erschaffen, angesichts einer unerträglichen Gegenwart.
ja und nein, denke ich zumindestens. Ich halte es für komplexer.
Zumal ich selbst manchmal durch die Kunst, ganz gleich, ob z.B. Malerei, Poesie. . ., ein Glücksgefühl empfinde, gerade weil auch eine traurge Wahrheit thematisiert wird.
Ich liebe diese beiden Sätze:
"In der Kunst ist die Schönheit ohne die Wahrheit gar nichts." Autor?
Und mein Liebling: "Kunst ist die höchste Form der Hoffnung."Gerhard Richter
Zum einen halte ich die Kunst, auch die Tag- oder Nachtträume genau so für real, wie meinetwegen den Supermarkt um die Ecke. Ein Teil der Wirklichkeit. Denke Dir mal alle menschliche Kultur weg. Wir würden *beep* auf dem Boden herum kriechen. Das ist dann die Realität?
Ganz gleich, ob es sich z.B. um Poesie oder um die Erfindung des Telefons handelt: alles wurde zuerst im Geiste erschaffen
Zum anderen gehört es mMn zu unserem rationalistischen und materialistischen Weltbild, alles, was dem Traum, der Fantasie, der Kunst und allem, was man nicht wissenschaftlich nachweisen kann, als nicht existent zu betrachten; oder als unwesentlich. Das halte ich inzwischen nicht für für hochmütig, sondern für dumm.
Für Wissenschaftler ist das Bewusstsein eben nix als Hirnchemie und das Herz eine Pumpe usw. usf.
Man sollte nicht vergessen, dass auch diese Haltung bloße Modeerscheinung, Zeitgeist ist.
Gerade las ich dass die Aborigines ihr Tagesbewusstsein als Traum deuten und ihre nächtlichen Träume als Realität. Die Tagesrealität ist untergeordet. Und die Traumrealität wird bewusst gestaltet, wie wir unseren Alltag gestalten.
Und selbst wenn Kunst, Träume usw. nichts als Weltflucht wären, warum nicht? Ich betreibe sie gerne.
Und wie will man eigtl. diese Weltflucht definieren? Mir kommt es nicht selten so vor, als ob gerade diejenigen, die sich als Realisten bezeichnen, selbst Träumer sind, auch wenn ich ihre Träume von Luxus, Konsum, einem völlig reduzierten Leben usw. grauenhaft finde.
Übrigens wurde der Erfinder der drahtlosen Funkübertragung, lange bevor er den Nobelpreis bekam, ins Irrenhaus eingewiesen

War halt Träumerei eines Irren, was heute unsere Realität ist.
Übrigens mag ich wie Du schreibst
