whynot60
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Zitat von Karina14:@whynot du sprichst von Herbst, dh die 60 bezieht sich auf dein Alter? Jagdmüde? Deswegen auch nicht das Gefühl von Verletzlichkeit, vom Jagdrausch betäubt durch Adrenalin. Beobachte zunehmende Empfindsamkeit der älteren Männer, die Härte der älteren Frauen, kein Wunder, dass sich die Geister scheiden. Welches Muster webt stärker in dir das Beuteshema oder deine Beobachtungsgabe? Ich lerne sprechen.
Ja, die 60 in meinem Nick stimmt mittlerweile beinahe, falls Du das meinst. Eigentlich ist es aber mein Geburtsjahr. Sonst müßte ich ja jedes Jahr meinen Nick hochdrehen.
Aber mit dem Alter hat das alles auch wenig zu tun. Eher mit Erfahrungen auf der einen Seite (nicht allein persönlichen) und, wenn ich so sagen darf, Durchschauen auf der anderen.
Diesen Jagdtrieb hatte ich allerdings ohnehin nie. Gelegentliche Liebessehnsucht schon, aber nicht diesen typischen brünftigen Jagdtrieb. Damit wäre ich mir auch reichlich lächerlich vorgekommen.
Weil Du Muster ansprichst: Ich habe mich ja zeitlebens bemüht, möglichst keine Muster zu haben, um offen zu sein und nicht fortdauernd auf bestimmten Bahnstrecken herumzukurven. Das wäre mir etwas zu langweilig und auch zu einfach. Und im Gegenzug habe ich festgestellt, daß mich auch keine bestimmten Muster anziehen. Heißt, alle meine Beziehungen waren immer sehr unterschiedliche, so wie die Personen, mit denen ich sie hatte. Was Frauen anbelangt gab es nur ein durchgehendes Muster, und das war die Eifersucht. Nur fällt das ja kaum als Muster auf, weil es so weit verbreitet ist.
In diesem Sinne kann ich, ganz ehrlich, auch mit keinem Beuteschema aufwarten. Ob eine Frau mehr ein Mäuschen, ein Vamp oder eine Intellektuelle ist, das war und ist mir völlig egal. Nur eine gewisse Art von Dummheit, nämlich völlige Lebensahnungslosigkeit gepaart mit forscher Rechthaberei, halte ich nicht aus.
Zitat von arjuni:Leute, das Leben ist schön!
Ja, dem wollte ich auch gar nicht widersprechen.
Sollte ich für die düstere Stimmung gesorgt haben, dann schalte ich wieder auf irre um, wie es dem Thread ja angemessen ist.
Zitat von Helli:Dieser so lobgepriesene Rationalismus, der heute wieder einen Aufwind hat (ist ja nicht das erste Mal) ist letztlich nichts als eine versuchte Bändigung des so unheilvollen und unheimlichen Emotionalen. Das Rationale wird über die Emotionalität erhoben und dabei wird mit der Rationalität in höchsten Maße emotional umgegangen.
Ja, das ist die eine Seite der Medaille, die Ausmerzung bzw. möglichst weitreichende Kontrolle des Emotionalen, das mittlerweile ja schon als reines Hormandrama abgetan wird.
Die andere ist, das alles, was irgendwie "transzendent" ist, was nur den fernen Geruch des früher üblichen magischen Bewußtseins an sich hat, was geistiger und seelischer Natur ist, gewissermassen ausgerottet werden soll durch Aberkennung der realen Existenz, als wollte sich das verstandesschwangere Bewußtsein vom Unbewußten mit dem Willen der Wut losreißen. Der durchaus nötige Gegenangriff gegen die Allmacht des Aberglaubens ist halt, wie nicht anders möglich beim weitverbreiteten Flachkopf-Menschen, weit über das Ziel hinausgeschossen und hat das Krokodil gleich mit dem Meer ausgeschüttet. Somit scheint nach der rationalen Ausuferung der rationalen Vollverdummung nichts im Wege zu stehen. War früher die Religion im Alleinbesitz der Wahrheit, ist das nun die Wissenschaft - und letztlich geht es immer um die Macht, um die Regentschaft.
Wobei ich es z. B. ja sehr interessant finde, daß sich die Wissenschaft selber des sogenannten Placebo-Effekts bedient und den auch anerkennt, ihn allerdings abtut als "Einbildung", die wertlos ist. Und gerade das setzt der Dummheit ja noch die Krone auf! Blöder kann man zum Glück nicht mehr werden. Als ob es nicht ein Wunder wäre, daß man sich etwas "einbilden" kann und dann geschieht das tatsächlich. Aber natürlich - was kann es Schlimmeres geben als etwa durch eine solche lächerliche "Einbildung" von einem Leiden befreit zu werden. Das ist ja nur zum Lachen.
Zitat von Helli:Was machst Du gegen den Pessismus? Ich mein, das kann man doch nicht so lassen, whynot.
Ja, was soll man machen gegen den Pessimismus? Ich weiß es nicht. Ich könnte höchstens noch auf die glückseligen Inseln auswandern, die mich vom Gegenteil überzeugen.
Aber da die ja sehr weit weg sind, gehe ich sicher unter, ehe ich dort ankomme.
Zitat von Helli:Nee, nee, whynot. Hör mal, die Kunst geht doch nicht unter!
Tja, das sehe ich pessimistischerweise anders. Da alles kommerzialisiert wird, so kommt als "Kunst" auch nicht mehr viel anderes heraus als möglichst gut verkäufliche, also seichte Unterhaltung. Und das fällt für mich nicht unter Kunst. Kunst ist eine Untergrundbewegung, eine wildgeistige IRA sozusagen. Und nur die wenigsten werden sich eine solche Existenz auch leisten können und wollen. Denn das bedeutet nach herkömmlichen Maßstäben: gescheiterte Existenz.
In Kliniken wie solchen hier mag es noch gehen, da gebe ich Dir recht, weil hier - hoffe ich zumindest - auch kein Fritze mit der fetten Spritze und drangsaligem Therapiewitze auftaucht.
Zitat von ysabell:Habe schon von Ignaz Semmelweis gehört und eben nochmal nachgelesen. Bin darauf gestoßen:
Ja, an dem, was Du im Anschluß zitiert hast, kann man sehen, wo überall es den Menschen schon herumgetrieben hat. Und immer gab es gute Gründe dafür, die Kundige ja immer parat haben: Wasser öffnet die Poren! Und daran ertrinkt man wohl unweigerlich. Das erinnert mich an die Wirbelsäulenerweichung, wenn man etwas Bestimmtes tut, oder auch an das "gesunde Leben" von heute, das den Leutchen den Schweiß aus allen Poren treibt (wieder eine Porenöffnung, nun aber aus der umgekehrten Richtung
Die Furcht des Königs James vor dem "teuflischen Wasser" hat aber jedenfalls etwas Symbolträchtiges an sich. Denn das Wasser symbolisiert ja das Unbewußte und die Gefühlsunterwelt. Und dort hat man offenbar schon immer den Teufel vermutet. Nicht zuletzt wohnt ja auch Gott im Himmel, der Teufel bzw. die Hölle hingegen scheinen sich irgendwo unter der Erdoberfläche zu befinden. Vielleicht in einer Tropfsteinhöhle hinter den sieben Bergen. Allerdings war ja auch Gott, Jahwe, als Vulkangott ursprünglich unterirdisch beheimatet. Aber aus nicht ganz klaren Gründen hat er den Umzug in die lichten Höhen geschafft.


