Zitat von VollVer-liebt:Ich bekomme hier im Forum immer Zustände, wenn jedem mit Liebeskummer ein Psychologe oder Psychiater empfohlen wird.
Ja, man könnte meinen, entweder sind Werbezettelverteiler unterwegs oder die eigene Hilflosigkeit wird sicherheitshalber verallgemeinert und zu entsprechenden Lösungen angespornt.
Dieser Therapie- und überhaupt dieser Gesundheitswahn ist halt, wie vieles andere reichlich Verrückte, aber Einträgliche, aus Amerika herübergeschwappt mit der üblichen Verspätung. Als es bei uns noch höchst bedenklich war, einen Psychotherapeuten aufzusuchen und die Leute sich höchstens durch die Hintertür zu einem Besuch bei selbigem eingeschlichen haben, war es in Amerika bereits richtig "in", seinen eigenen Therapeuten zu haben. Zudem sind die verschiedensten Therapiekonzepte wie die Pilze aus dem Boden geschossen, von der klassischen Psychoanalyse über die Gestalt- bis zur Urschreitherapie.
Was mir das größte Problem überhaupt erscheint dabei: Daß dadurch jene Menschen, die tatsächlich Hilfe nötig haben, bald gar nicht mehr zum Zug kommen und endlos auf eine Therapie oder Behandlung warten müssen. Was heute schon alles in den Wartezimmern sitzt, ist teilweise ja schon grotesk. Und irgendwann wird durch diesen Unfug das ganze System zusammenbrechen.
Zitat von Karina14: ich glaube nicht das der Mensch sich für was Besseres hält als die Natur,
So? Dann würde ich aber mal einen Blick in die Bibel werfen. "Macht euch die Erde untertan" ist das Grundkonzept der Masse.
Lediglich bei einigen Eingeborenenstämmen, die von diesem Wahnsinn verschont geblieben sind, ist es anders. Und die fürchten sich auch nicht vor der Natur, obwohl sie eher Grund dazu hätten als wir Gehätschelten.
Zitat von woodstock:meine freundin teilt meine werte und lebensziele, sie nörgelt nicht, wenn ich draussen bin, sie hat verständnis, mit ihr fühle ich mich gut, brauch nicht zu reden und sie erkennt, wenn es keinen sinn macht, auf mich einzuquatschen, familie bringt glück, ich werde alles tun um sie glücklich zu machen, unseren sohn (zukunft) nehme ich mit, wie mein großvater mich mitgenommen hat
Ja, dann steht dem beidseitigen Glück ja nichts mehr im Wege! Außer vielleicht der Bäckervater und der Sohn. Aber das wird wohl beides auch noch zu bewältigen sein.
Der letzte Satz stimmt mich allerdings nachdenklich - das verheißt mir nicht unbedingt etwas Gutes.
Zitat von woodstock:zzt haben wir eine Frau in der Ausbildung zum forstwirt, anhand ihrer Konstitution hege ich starke Zweifel ob sie der anfallenden Arbeit gewachsen ist
Also bei uns gibt es schon sehr lange eine Forstwirtin, und soweit ich es beurteilen kann, hat die alles im Griff (und das ist kein kleines Gebiet).
Das mag aber daran liegen, daß die nicht vom Großvater mitgenommen worden ist, sondern vielmehr von der Mutter (und der Großmutter und sogar noch einer Tante). Das stärkt offenbar das Selbstvertrauen und befähigt dann durch die fehlende Verängstigung und einseitige Ausrichtung auch zu Männerberufen.
Zitat von YsaTyto:ja, dass es genau so diese Menschen gibt, leugne ich ja gar nicht. Aber warum diese Radikaität? Ich finde es generell gut, dass es heute viele Hilfsangebote gibt und weiß nicht, ob das Therapieangebot überhaupt das Problem ist.Ich lebe hier unter vielen alten Menschen, u.A. weil Altersheim direkt nebenan. Ich sehe schon viel Leid, aber auch weise oder einfach zufriedene Menschen.
Ich glaube, die unterschiedliche Wahrnehmung liegt einfach an der unterschiedlichen Umgebung und auch der unterschiedlichen Zeit. Deshalb wird es Dir "radikal" erscheinen, während ich es seinerzeit ja gar nie anderes erlebt habe. Einen Psychotherapeuten etwa gab es damals hier weit und breit nicht einmal, und der wäre als krasser Exot auch gar nicht überlebensfähig gewesen.
Das Altersproblem ist ja wieder ein eigenes Thema. Denn natürlich gibt es hier viel Leid und Elend, nicht zuletzt, wie ich meine, weil die "Alten" auch völlig entmündigt werden. Ein Altersheim ist ein Hort des Elends, aus verschiedenen Gründen, und ehe ich dort landen möchte, lande ich lieber gleich einen entscheidenden Stock tiefer.
Nur gab es dieses Problem hier bei uns damals auch nicht. Zum einen sind die allermeisten Leute gar nicht in ein so hohes Alter und damit in die völlige Gebrechlichkeit und Hilflosigkeit gekommen, zum anderen wurden sie von der Familie versorgt, in der sie in der Regel auch immer gelebt haben bis zum Tod.
Zitat von YsaTyto:2. Markierung: naja, heute braucht man halt andere Kompetenzen, um lebensfähig zu sein. Je besser angepasst an diesen Wahnsinn, desto besser läuft es.
Dem stimme ich zu. Die Frage bleibt aber: Was helfen mir, wenn es drauf ankommt, also es tatsächlich um das Leben und Überleben geht, diese angezüchteten, nur wirtschaftlich nutzbaren Kompetenzen?
Man sperre einmal für einen Monat alle Supermärkte zu, und 80% der Menschheit wäre ausgestorben. Diese Entwicklung halte ich für einen höchst riskanten Drahtseilakt, der noch dazu ohne Netz auskommen muß.
Und sicher können auch die Probleme, unter denen der Mensch heute leidet, schwerwiegende und existenzielle sein. Trotzdem macht sich diese Überverzärtelung immer mehr bemerkbar, weil doch bereits Kinder unsäglich leiden, wenn sie handymäßig nicht immer auf dem neuesten Stand sind und keine Markenklamotten tragen. (Und später als Erwachsene dann, wenn sie sich nicht alle paar Jahre ein tolles Auto leisten können.) Und das ist für mich absolut verrückt, ein menschliches Desaster, wie es das noch überhaupt nie gegeben hat. Hier ist der Mensch vor einen Pflug gespannt, den er bald nicht mehr wird ziehen können. Und statt die Zügel durchzunagen, bricht er lieber zusammen. Nicht gerade das beste Konzept, wie mir scheint.