@Karina14
Ich weiß gar nicht, wie ich mit so vielen weisen Worten umgehen soll und das meine ich gerade verdammt ernst.
Aber ich wusste ja, dass sich hier die Weisen aus dem Abendland tummeln. Deshalb schreibe ich ja hier und frage um Rat.
Ich, die ich sonst nie die Zähne auseinanderkriege, wenn es wirklich wichtig wird. Die es gewohnt ist, alles mit sich selbst auszumachen, weil sie keinem über den Weg traut.
Ich vertraue euch tatsächlich.
Du hast ja recht. Es ist ein Verhandlungsangebot. Aber worum sollen wir verhandeln? Wie sollen wir verhandeln? Wenn es doch nur darum ginge, irgendwelche Kompromisse einzugehen! Das tue ich schon die ganze Zeit.
Aber wie mit den Kräften umgehen, die mir einfach über sind? Wie mit den Dämonen umgehen?
Ich könnte jetzt viel erzählen. Dieser Vogel ist einfach total schräg. Das ist nicht weiter schlimm. Ich bin auch total schräg. Aber was tun, wenn er mit seinem spitzen, scharfen Schnabel nach mir hackt und es nicht einmal merkt?
Er merkt es echt nicht.
Zu sehr gefangen in seiner finstern Welt.(Und ich will gar nicht wissen, an welchen Stellen ich selbst in meiner finsteren Welt gefangen bin, ohne es zu merken. - Oder doch. Ich würde es schon wissen wollen).
Es war nie leicht zwischen uns und es wird immer schlimmer.
Und irgendwie stehe ich dem total hilflos gegenüber. Mir gehen die Handlungsstrategien aus.
Ich konnte die Schatten zwischen uns immer sehen. Ich wusste genau, dass sie da sind. Von Anfang an. Ich habe sie nicht ignoriert, aber ich habe mich auf das Schöne konzentriert.
Es gab viel Schönes! Es gab fast Magisches.
Was mich vom ersten Tag verzaubert hat, war, dass mein Körper ihn so liebt. Ich achte meinen Körper nicht gering, müsst ihr wissen. In ihm steckt oft viel mehr Weisheit als in meinem bisschen Gehirn, davon bin ich fest überzeugt. Vor allem, seit ich Aikido praktiziere. Im Körper steckt ein so tiefes Wissen, davon kann das bisschen Ratio in einem relativ kleinen Teil der Großhirnrinde nur träumen.
Mein Körper jedenfalls hat ihn geliebt.
Ich habe jede Berührung von diesem Kerl geliebt und genossen. Jede einzelne. Immer.
Würdet ihr mich kennen, wüsstet ihr, dass das bei mir an ein Wunder grenzt.
Ich brauche oft viel Abstand zu Menschen. Selbst, wenn ich sie mag. Natürlich habe ich auch früher schon manche Berührungen zu manchen Zeiten genossen. Aber nicht so. Es war noch nie so, dass es irgendjemanden gab, der mich jederzeit anfassen durfte und ich habe es einfach nur geliebt.
Nicht einmal meine eigene Tochter durfte das zu jeder Zeit. (Ich gebe es nur ungern zu).
Ich habe auch immer ein echtes Problem gehabt, mit anderen Leuten ein Zimmer zu teilen. Geschweige denn ein Bett. Ich kann dann nicht schlafen. Schrecke beim kleinsten Geräusch, bei der kleinsten Bewegung eines anderen hoch und kann nur schwer wieder einschlafen.
Ich fühle mich nachts eigentlich nur sicher, wenn mindestens eine Tür zwischen mir und dem Rest der Welt ist. Da habe ich eine echte Macke. Das kann ich nicht willentlich abstellen. Das ist auch bei Leuten so, die ich eigentlich mag.
Bei ihm war das nicht so. Von Anfang an nicht. Ich habe es geliebt, mit ihm in einem Bett zu schlafen. Ich habe geschlafen wie ein Baby. Und nicht aufgehört, darüber zu staunen, dass das so ist.
Als wir uns das erstemal trafen, habe ich schon etwas getan, was ich noch nie zuvor getan habe: Ich habe ihm - da er ja eine ziemlich weite Anreise hatte - angeboten, bei mir zu schlafen. Im Ex-Zimmer meiner Tochter.
Ihr müsst wissen, dass ich nicht nur heikel darin bin, mit jemandem mein Bett oder mein Zimmer zu teilen, ich bin auch heikel darin, wen ich über Nacht in meine Wohnung einlade. Ich kann nichts dafür, ich fühle mich dann einfach nicht wohl.
Und da lade ich einen Menschen ein, den ich nur von ein paar (wenn auch stundenlangen) Telefongesprächen kannte.
Das war für mich regelrecht abenteuerlich. Nicht, weil ich konkret Angst vor ihm gehabt hätte. Hätte ich die gehabt, auch nur im Ansatz, hätte ich ihn nicht eingeladen.
Ich habe mich einfach darauf eingestellt, in dieser Nacht eben nicht schlafen zu können. Ihm zuliebe.
Und was geschah? Ich habe schon in dieser Nacht, die er ein Stockwerk über mir verbracht hat, geschlafen wie ein Baby. Für meine Verhältnisse grenzte das an ein Wunder. Ich bin am nächsten Morgen aus dem Tiefschlaf erwacht und habe mir völlig verwundert die Augen gerieben!
Bis zum Schluss hat das kein Stück nachgelassen. Ich liebe die Berührungen dieses Menschen. Ich liebe seine Nähe. Wenn die Umsetzung nicht nahezu undenkbar wäre, hätte ich ihm sogar vorgeschlagen, dass wir aufs Reden völlig verzichten, wenn es echt nicht anders geht. Wenn wir nur so die Dämonen zum Schweigen bringen können.
Aber so etwas kann man nicht ernsthaft durchziehen, oder? Und selbst wenn, so scheint mir, dass auch das keine echte Lösung wäre. Etwas fehlt dann doch.
Wenn die hier anwesenden klugen, weisen, schmerzgestählten Damen und Herren und Zwischenwesen irgendwelche Lösungsansätze haben, ich bin echt für fast alles offen. Wäre bereit, fast alles auszuprobieren. Außer, meine Seele zu verkaufen. Aber das sagte ich ja schon

Ich zumindest bin mit meinem Latein am Ende.
Sonst wäre ich diesen Schritt ja nicht gegangen.