Zitat von Karina14: ich bin schließlich noch! nicht achtzig.
Ich bin auf diesem Gebiet ja unblutiger Laie und habe es nicht einmal bis zum Anfänger gebracht - aber hat das etwas mit dem Alter zu tun?
Zitat von YsaTyto:Und wie genau soll das funktionieren?
Und glaubst Du, dass das mit einem rationalen Akt gemacht ist?
Was ist mit dem Unbewussten?
Wie sollte man darum wissen, da es ja gerade unbewusst ist?
Nicht mit einem rationalen Akt - aber durchaus mit bewußten bildlichen Vorstellungen (über die man mit dem Unbewußten in gewisser Weise kommunizieren kann; ein bloßer Gedanke erreicht das Unbewußte natürlich nicht).
Es ist doch so, daß auch die Verliebtheit Bilder erzeugt, allerdings freud- und hoffnungsvolle, glückselige, morgensängerische, und diese werden, selbst wenn sie noch so falsch sein mögen, mit dem Liebesobjekt (Du magst mir den Ausdruck nachsehen) verknüpft. Dem einen regengrauen Abendgesang entgegenzusetzen kann durchaus vor Fehltritten bewahren. Insbesondere dann, wenn die Erfahrung gelehrt hat, daß man von Fehlgriffigkeit gesteuert wird.
Zitat von YsaTyto:Du denkst also, die Instinkte seien das Problem? Meinst Du in diesem Fall die Verliebtheit oder Lust?
Vielleicht sind diese Instinkte ja manchmal auch mehr, als primitive animalische Affekte?
Ja, ich zweifle nicht, daß die Instinkte das Problem sind. Fehlt jemandem, was ja vorkommt, der S.-Trieb vollständig, so wird er im Normalfall auch in keine Beziehungsturbulenzen geraten.
Wobei wir ja auch in einer merkwürdigen Zeit leben. Zu sehr früher Zeiten wurde dem Trieb ja einfach freier Lauf gelassen. Dann kam es zur scheinbar ewigen Entjungferung der Unschuld jenes Triebes und durch diverse überirdische, also zumeist religiöse Kulturnaturverschandelungen zu einer Triebvergewaltigung mit nachhaltiger Wirkung. Was, wie man annehmen muß, zu einer Vergeistigung und Verseeligung des Triebverlangens geführt hat, was schließlich in der mittelalterlichen Minne gipfelte.
Nun, nach einer gewissen Befreiung und Entheimlichung, leben wir also in den geplagten und plagenden Ruinen sowohl des Triebes als auch der Minne und wissen nicht recht, was anfangen damit. Die Leute wollen bobben, daß die Schwarte kracht, empfinden das zugleich aber auch schamrot als irgendwie dem Menschen unangemessen, als zu primitiv, schändlich, äffisch, unmoralisch (was immer das sein mag) usw. D . h., der Trieb muß sich mit der Liebe verbrämen, um nicht unbekleidet im davon beherrschten Menschen zutage zu treten und ihn dem geneigten Publikum als verwerflichen Primitivsteinzeitisten erscheinen zu lassen, von dem man nur die Finger und sonstiges lassen kann.
Wozu es insgesamt gut sein soll, dem Trieb irgendwelche halbseidene Blumenmäntelchen umzuhängen und ihn an allen Ecken und Enden zu bremsen, um ihn an anderen um so aufgeblähter und verworrener ausbrechen zu lassen, weiß ich zwar nicht, aber jedenfalls sehe ich ihn bei weitem nicht so leben und toben, wie es ihm entsprechen würde. Und dann stellt sich für mich schon die Frage: Wenn schon Verzicht leisten, und seien die Gründe dafür noch so krumm und schwindsüchtig, warum dann nicht gleich gründlich und vollständig? Mehr säggsuelle Betrübnis als in den verbrauchten Ehebetten wird man auch bei gründlichster Suche nicht finden. Und dennoch bleiben sie seltsamerweiser der behütete und abgesegnete Hort der erlaubten Unkeuschheit.
Für mich ist das alles jedenfalls ein schizophrener, unwürdiger Zustand, der den Trieb zum Vater, die Verlogenheit zur Mutter und die angezüchtete Scham zur Gouvernante hat.
(Jetzt wollte ich noch etwas Passendes von Pessoa zitieren, das ich erst gestern gelesen habe, finde es aber weder in meinem Hirn noch im Buch wieder. Daher etwas Unpassendes: Zusammenarbeiten, sich zusammentun, gemeinsam mit anderen handeln ist metaphysisch gesehen ein krankhafter Impuls. Die Seele, die jedem einzelnen gegeben ist, darf nicht für seine Beziehungen zu anderen herhalten. Die göttlich Tatsache, zu existieren, darf nicht der satanischen Tatsache, zu koexistieren, anheimgegeben werden.)