Das war eine sehr weiche etwas schleimige farbige Masse in einem Plastiktöpfchen zum Formen und Spielen @Tempi-Gast

Wir Kinder handtierten ständig mit dieser Schleimmasse. Keine Ahnung, was daran so faszinierend war
Knapp ein Jahr nach der Maueröffnung war ich 12 und es gab eine "Zusammenführungs-Kinderreise" in den Osten
120 West- und 120 Ostkinder. Diese Reise hat mich damals tief beeindruckt. Ich war begeistert, dass es dort keine Werbung gab, dass es kein Konsum gab, die Schoki im Supermarkt war einfach in Papier gewickelt, die Häuserwände grau, die anderen Kinder trugen ganz andere Klamotten und hatten auch tatsächlich andere Einstellungen als wir. Ich liebte das und fühlte mich pudelwohl. Meinem Bruder ging es ganz anders

Er erklärte die Ossis für rückständig und machte dort ordentlich Krawall. Ich hatte 2 Ost-Freundinnen- Anja und Anja

Ich lernte viel von ihnen.
Nach der Reise beschloss ich, in den Osten zu ziehen, wenn ich Erwachsen bin
Und ich verliebte mich in einen Ostjungen und machte mit ihm zum ersten Mal Engtanz, von einem Bein auf`s andere immer langsam drehen. Dazu lief von Matthias Reim "Verdammt ich lieb Dich!"- glaube ich.
Danach forderte er ein anderes Mädchen zum Tanze auf. Das brach mein Herz. Ich guckte ihn nichtmal mehr an.
Er lief mir auf der riesen Wiese hinterher und wollte sich erklären. Das ist meine letzte Erinnerung von ihm. Danach Schwarz. Die Wiese war riesig und ich die schnellste Läuferin. Kein Junge in der Schule war schneller als ich. Darum rannten wir lange und ich genoss es. Er holte mich doch ein, aber ab dieser Szene habe ich einen Blackout
Meine Mum zeigte mir viele Jahre später einen Brief, den ich ihr aus diesem Kinderlager schrieb. Darin stand in etwa "Mama, ich weiß jetzt was die Liebe ist. Ich liebe, habe ihn aber verlassen."
Ich habe sogar noch ein Foto von ihm. Ein wirklich schöner Junge
Habt alle einen schönen Sonntag
