Zitat von YsaTyto:okaaaay, also ernst.
Na gar so ernst muss es auch nicht gleich werden. Ich habe ja nur einmal kurz vorbeigeschaut in der Anstalt, um zu sehen, ob das hausinterne Wintersemester bereits begonnen hat, und dachte, das diesjährige Lehrgangsthema sei die Po rno gra phie. Und meinte weiters, so, wie man grundsätzlich alles astrologisch oder künstlerisch oder psychologisch oder gehirnphysiologisch (und wie hieß das damals noch, das Du ins Spiel gebracht hast?) usw. sehen kann, kann man auch alles po rno gra phisch sehen. Und nahm an, dies werde im Wintersemester näher untersucht und besprochen.
Das heißt, auch jede Zusammenkunft, und sei es eine völlig asäggsuelle, ließe sich ja in diesem Sinne auffassen und untersuchen, und die Zusammenkunft selber wäre dann in jedem Fall eine Or gie.
Ich glaube, ich habe es auch durchschaut, dass es Klamauk war. Und habe ein bisschen mitgemacht bei diesem Klamauk, weil es meine Zeit gerade erlaubt hat. Allerdings bin ich erst eingetrudelt, als der Klamauk schon vorbei war.
Das von Dir erwähnte Bataille-Buch kenne ich leider nicht in den Einzelheiten, aber so viel ich darüber weiß, geht es darin um das fortschreitende exzessive Ausreizen von Lustquellen bis zum Delirium. Ein interessantes Thema, wie ich finde. Auch wenn ich selber nie die Gelegenheit hatte, entsprechende Eigenversuche anzustellen, um herauszufinden, wie weit die Dinge reichen.
Im Übrigen bin ich auch stark auf meine Hirngespinste angewiesen, und daher werde ich mich alsbald auch auf eine entsprechende Winterreise begeben

, um der kugelig eingerahmten Weltenasche mit ihrer seltsamen Gärglut unter dem öden Grau wieder für eine geraume Weile zu entkommen.
Und zu nahegetreten bist Du mir ganz sicher nicht! Ich glaube sogar, mir kann man gar nicht zu nahe treten. Dazu habe ich mich schon selber zu sehr ausgereizt

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Naja, ich sehe meine Reizlosigkeit als vielfach erwiesene Tatsache an. Das brauche ich ja gar nicht extra zu betonen. Sondern das haftet mir an und wohnt mir inne. Und insgleichen: Ich kann ja beim besten Willen mit keinen Bedürfnissen, Sehnsüchten, Begierden dienen. So gerne ich Dich in Ohnmacht fallen sehen wollte. Aber woher sollte man nehmen, was man nicht hat?
Keine Reize, keine Begierden, keine Ohnmachten - es ist wirklich ein Jammer!
Und zu allem Überfluss: Ich kann nicht einmal Stellung beziehen zu Handkes Verhalten und seinem Text zu diesem Thema. Das ist schon sooo lange her, dass ich mich daran kein bisschen erinnern kann. Nur an die Aufregung darum, die nun wieder hochgekocht ist.
Wobei es zuletzt aber auch ganz egal ist, welche Äußerungen Handke zu diesem oder sonst einem Thema gemacht hat. Jeder Schriftsteller, jeder ernsthafte Künstler gilt in Österreich als Staatsfeind, und wenn ein solcher Oberfalott auch noch einen Nobelpreis bekommt, so kocht die Volksseele ja völlig über. Denn das ist wie eine schwere Klatsche ins na tionale Watschengesicht.
Generell bin ich für die tatsächliche völlige Meinungsfreiheit, nicht nur, was Künstler betrifft. Denn selbst, wenn eine Meinung noch so krank und daneben ist - sie zu unterdrücken macht sie nur unsichtbar, verdrängt sie ins Verborgene, aber heilt sie nicht. Und diese Unterdrückung ist, wie man sieht, noch weitaus gefährlicher als jeder Dummheit ihren Ausdruck zu erlauben.
Das glaube ich eben durchaus nicht, dass eine große Liebe am Geist scheitert. Sie kann immer nur an den Emotionen und Gegenemotionen scheitern. Wobei man natürlich einwenden kann, es käme letztlich auf die Gedanken an, also auf etwas Geistiges. Nur wurzeln die Gedanken ja nicht im Nichts, sondern eben in den Emotionen. Daher wird jemand, der meinetwegen sehr verletztlich ist oder Verlustängste hat oder kein Selbstbewusstsein usw., beim Eintreten von Liebesgefühlen (je größer, umso vehementer) unweigerlich von entsprechenden Geistesgespenstern heimgesucht werden. Gäbe es hingegen einen "reinen", d. h. emotionsbefreiten Geist, so käme der gar nicht auf die Idee, irgendeinen Einwand gegen die Liebe vorzubringen. Allerdings würde ihm dann - und das ist das Verhängnis - erst gar keine Liebe einschießen. Daher bleibt letztlich nur, sich von jenen Emotionen und Emotionsursachen zu befreien, die der Liebe den Garaus machen können. Macht man sich überhaupt ganz emotionsfrei, so ist es naturgemäß auch mit der Liebe vorbei. Ob das nun gut oder schlecht sein mag.
So, nun packe ich noch mein Köfferchen. Die Sommersandalen fehlen noch

. Und die po rno graphi sche Strandsonnenbrille

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