Hier Part 2 @Johanna15
Zitat:Ein kleiner spontaner Gedanke war dennoch, ob Du ein wenig auf der Flucht bist, weil Du anscheinend entspannte Interaktionen mit anderen schlecht auszuhalten kannst.
Nimmst Du Dir Zeit für Dich/mit Dir ohne den Kopf vollzuballern?

Ich glaube, ich lebe zu einem kleinen Teil das Gegenteil von Dir. Ich hirne, was mich persönlich angeht, ein Punkt, vor dem ich gern geflüchtet bin. Es ist erstmal ergebnis-offen, aber Erkenntnisse im Kleinen stellen sich schon ein. Im
miniklitzekleinen.

Auch verändern sich gerade ein paar Kontakte. Da es unterschiedliche Menschen betrifft, würde ich sagen, intensives wird noch intensiver und einiges andere einfach lockerer.

Echt, Du bist vor`m Selbsthirnen bisher gerne geflüchtet? So wirktest Du nicht auf mich. Hast Du bewusst beschlossen: so! Jetzt stelle ich mich mal und hirne? Oder entstand das einfach?
Ja, so mag es echt klingen, wenn man mich liest, aber ich würde sogar sagen, dass ich ein Naturtalent im Nichtdenken bin

Echt, ich lasse auch bei der Meditation nicht Gedanken kommen und gehen, sondern denke echt nichts mehr, sondern schwebe in anderen Sphären. Geht auch beim backen, basteln, spazieren. . .Aaaber! Wenn ich diese Dinge nicht tue, dann ja bin ich regelrecht süchtig nach Input, wirklich wie ein Jun ky.
Ich glaube aber, dass das daher kommt, dass ich extrem spät das Lesen und Lernen entdeckte, fast Jahrzehnte so gut wie nichts als Loooove und Psychoauseinandersetzung im Kopf hatte und mich sehr selten auf Sachthemen einlassen konnte. Konzentration war wegen all den Gefühlen und der Psychoauseinandersetung selten möglich.
Habe gerade mit einem Ex telefoniert, der mir damals sagte: nur Love Love Love in deinem Köpfchen

Tja und das alles trieb ich bis zum Erbrechen und habe jetzt ein waaahnsinniges Nachholbedürfnis.
Ich halte mich schon noch für etwas crazy

Aber ich war so viele Jahre ein leidendes Wesen und seither das schlimmste überwunden ist, sauge ich gierig alles andere auf.
Und ja, dann halte ich es oft nicht aus, z.B. einfach mit Leuten herum zu trödeln (vermutlich weil ich es Jahre intensiv tat). Dann muss ich immer weg zu meinen Büchern oder ich beginne wie irre die Wohnung meiner Freundin zu putzen (was sie sehr freut

) oder ich zwinge die anderen zu für mich spannenden Themen usw. usf. Gestern sagte mir eine Bekannte dazu: ist nur eine Phase und wird auch vorüber gehen!

(bezweifle ich)
Und offenbar hast Du genau anders herum gelebt (?), wofür ich Dich beneide, denn ich hätte viele Jahre lieber wie heute verbracht und nicht über mich und psychohirnend. Dennoch, wenn es drängt, braucht man es. Mir ging es jedenfalls so.
Und auch was die Beziehungen anbelangt, scheinen wir gerade gegenteilig unterwegs zu sein. Ich kümmere mich verhältnismäßig wenig um Kontakte und ein Mann würde gerade sogar stören.
Wenn ich fragen darf- was bedeuten intensive Kontakte für Dich? Innige Freundschaften? Auch intensiv den Alltag zu teilen?
Hast Du beständige Kontakte? Oder wechseln die öfter mal? Oder beides?
Ich frage weil ich heute einen Brief von meiner ältesten Freundin bekam, mit der ich richtig innig war und vor etwa 8 Jahren verließ ich sie weil sie mich sehr verletzte. Ihr Brief bewegt mich und mich erstaunt es, dass sie 8 Jahre ohne jedes Echo am Ball bleibt.
Und erst beim Lesen ihres Briefes wurde mir bewusst, WIE anders früher meine Frauenfreundschaften waren und dass ich ganz unbewusst nach der 2. großen Verletzung durch eine sehr enge Freundin nie wieder eine Frau so an mich heran ließ. Ich war schon vorher kontaktgestört, aber hab verdrängt, dass ich dennoch engste Busenfreundschaften führen konnte.
Ich finde das so krass weil ich mich von meinen Männern immer so gut erhole und egal was passiert, ich kann irgendwann wieder offenherzig herum laufen.
Tja und ich muss mir eingestehen, dass ich nach meinen beiden großen Frauendramen mein Herz nie wieder so ganz für eine Freundin geöffnet habe (Liebe kann ich aber zu einer Freundin fühlen, nur halte ich große Distanz). Auf der Freundschaftsebene bin ich viiieeel verletzbarer und (ob gerechtfertigt oder nicht)- bei beiden Freundinnen hatte ich damals so starken Kummer, dass ich bei einer sogar vor Schmerz wie ein Tier schrie.
Und hier schließt sich der Kreis wieder: als ich diesen Brief las, dachte ich: Alter Ysa! Dein Herz ist ja verbarrikadiert! Lasse dich auf Deine Liebsten wieder mehr ein. Nie hätte ich solche Gefühle bei mir vermutet. Ich habe eine Vermauerung in mir, wie ich sie hier oft bei Liebesenttäuschten nicht nachvollziehen kann weil ich das in der Mann-Frau-Liebe so nicht kenne. Und siehe da- ich selbst bin vermauert! Wobei das Wort nicht passt. Ich fühle sogar sehr viel für meine wenigen Frauen und bin durchlässig wie ein fadenscheiniges Tuch, nur brauche ich Mauern oder Weite zwischen uns.
Und leider erscheint mir diese Mauer fast unüberwindlich.
Amen
