Helli
Gast
Zitat von megan:kannst du erklären, weshalb du der meinung bist, dass das aus sich heraus schöpfen nicht möglich ist?
Nein nein, ich denke schon, daß man aus sich selbst heraus etwas schöpfen kann, selbstverständlich.
Das ist ohnehin eine der großen inneren Auseinandersetzungen aller künstlerischen Menschen, die ich kenne, mich eingeschlossen: Was ist Inspiration? Ein Gedanke, den ich per Assoziation von außen entwickele (und der gemeinhin als weniger wertvoll gilt) oder ist es etwas, daß ich aus meinem Inneren schöpfe? Eine "geniale Eingebung". Aber wo kommt diese denn her, wenn -angeblich- nicht von außen?
Darüber könnten wir jetzt lange philosophieren.
Den Gedanken, den Du zitierst hast, habe ich nach der Lektüre von Ehrenbergs "Das erschöpfte Selbst" sehr verschärft, denn die Beobachtung hatte ich vorher auch gemacht, sie war aber noch nicht so klar.
Ehrenberg hat das Buch u.a. aus der Motivation geschrieben, weil es bei Entwicklern bzw. Designern in der französischen Autoindustrie zahlreiche Suizide gegeben hat. Einige haben Abschiedsbriefe hinterlassen, u.a. mit den Worten, dem ansteigenden Druck, jetzt etwas besonders Kreatives zu liefern, und zwar sofort, nicht mehr gewachsen zu sein. Der Kapitalismus ist ein sehr gefräßiges Raubtier und macht nirgendwo Halt, mMn, nicht vor sensiblen Menschen, nicht vor der Schlafzimmertür, nicht vor der Liebe. Der andauernde Anstieg von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen spricht hier auch für sich. Alles muß verwertbar sein, alles muß ausgebeutet werden können, alles muß in klingende Münze übertragen werden. Jeder muß das Optimale aus sich herausholen, sonst ist er hier verloren. Und sonst hat er vorallem auch verloren, man war also nicht gut genug, hat sich nicht genug angestrengt, Unser gesamtes Bildungssystem ist nur noch auf Verwertbarkeit ausgerichtet. Und dabei ist es weiterhin eines der ungerechtesten in Europa.
Es fehlt ein Grundverständnis über Kreativität (und eben auch über Liebe): Kreativität ist z.B. ein scheues Reh. Wenn ich es aus den Wäldern herauszerren will, dann wird es nicht kommen, es wird sich verstecken. Ich brauche dazu - Zeit. Die gibt es aber nicht.
Zitat von megan:mit dieser haltung kann man/frau nichts verändern
Da hast Du recht. Ich kann aber nicht an absolut allen Fronten kämpfen. Ich habe mir ein, zwei Themen gesucht, in denen ich mich engagiere, weil sie mir sehr sehr wichtig sind. Ansonsten mach ich es auch über Verweigerung. Ich schlepp mich nicht krank zur Arbeit, wie alle anderen. Ich grenze mich gerade in der Arbeit auch ansonsten scharf ab und sage klar, daß ich etwas z.B. nicht mache, weil es jetzt zuviel ist.
Zitat von megan:auf meinen gassirouten vergeht kaum ein tag, an dem nicht jemand die straßenseite wechselt
Hihi, ich bins nicht mehr
Das Wetter macht mich meschugge. Fühle mich etwas benommen.
