Hallo liebe Mitpatienten,
hatte gestern einen Nervenzusammenbruch und habe mich in Raserei abgemeldet.
Gestern passierte zu viel Schei*** aufeinmal.
War eigtl. guter Dinge, ab zur Arbeit. Dort traf ich 5 Arbeitskollegen, die gerade gemeinsam die Nacht durchgemacht hatten. War zunächst okay für mich, alles sehr liebe Menschen. Aber nach ein paar Std Arbeit fühlte ich mich auch so, als hätte ich gerade was eingeworfen. Ich reagiere körperlich allergisch auf Mari huana. Mir geht es so elend, wenn ich davon nur passiv zu viel abbekomme, was gestern geschah. Übelkeit, Herzrasen usw.
Dann bekam ich Sms mit vielen Lach-Grinsesmileys von meinem Ex, in denen er aus meinem letzten langen Beitrag hier zitierte und dazu besonders gewitzt schrieb "Ich weiß, dass Du weißt." Schnarch. Von alledem, was ich hier über mein aktuelles Befinden schrieb, weiß er nichts, da ich ihm nichts davon schrieb oder sagte.
Er liest also definitiv mit, was kein Drama für mich ist, aber dass er mir so zu nahe tritt, hat einen wirklichen Ko tzreiz bei mir ausgelöst.
Er kann ja mit ganz gewitztem Detektivgefühl hier mitlesen, aber mir auf diese Weise davon zu schreiben, finde ich einfach nur

Ich empfinde immer Ekel, wenn man mir zu nahe tritt. Offenbar war ich neulich zu freundlich zu ihm. Wieder muss ich erkennen, dass einige Menschen mit einem Ar schtritt wesentlich besser umegehen können, als wenn man freundlich zu ihnen ist.
Zumal er weiß, dass ich gerade wegen der Herausforderung, die ich angehe, extremen Stress habe und unter Zeitdruck stehe. Da ist kein Raum mehr für irgend welche kranken Beziehungsgespräche, die eh keinen Sinn machen. Dass er nicht begriffen hat, zeigen seine Briefe. Von wegen "Ich bin jetzt anders."
Wie kann man so zudringlich sein wenn man weiß, dass jemand gerade überlastet ist und kämpft?!
Ich weiß z.B. dass er heute um 5h früh aufstehen und funktionieren muss und habe mir deswegen eine nächtliche Tollwutmail verkniffen.
Hier steht die Welt Kopf. Habe mal wieder tagelang im Krankenhaus verbracht, bin in Sorge um x, um y und kann nicht begreifen, dass man sich nichtmal zurück nehmen kann.
Mich empört das zutiefst.
Und dann freue ich mich über die Maßen über die Unterstützung meiner Leute bei dem, was ich gerade tue. Keiner sagt: wunderbar! Du schaffst das! Statt dessen Widerstand: ach lass das doch! Das ist nicht zu schaffen! usw. Plötzlich wird überall wohlwollend mein Lebensweg in Frage gestellt: ist ja toll, was du machst Ysa, wie du bist. Und all die wundervollen Ziele. Aber bist du nichtvielleichtetwas zu verträumt? Könnte sich dein Idealismus nicht als Strick erweisen? Und dieses ewige Lesen ist ja schöhööön, aber solltest Du nicht besser...Blaaa. . . Wir sind ja sooo besorgt um dich! So der Tenor. Und das JETZT? Gerade jetzt Grundsatzdiskussionen, wo bei mir jeder Tag zählt?
Ich kann`s nicht fassen! Ich weiß, dass es gut gemeint ist, aber dennoch gibt mir das gewiss keine Kraft!
Und selbst wenn diese Sorge berechtigt ist, was soll sie mir bringen? Ich kann doch eh keine andere werden. Plötzlich nicht mehr lesen und mich statt dessen der sogenannten Realität zuwenden. Ich höre überall Angst heraus und kenne das selbst, aber folgte ihr nicht. Was ich auch immer öfter höre: noch bist Du schön Ysa. Solltest du das nicht nutzen, um unter die Haube zu kommen und auch da mal etwas vom Idealismus abgeben?
Selbst wenn das schlau wäre, wie zum Donner sollte das real funktionieren?! Ich lege all meine Interessen, die mich glücklich macht ad acta, heirate einen wohlhhabenden Esel, den ich bestenfalls wirklich gern habe und dann Abends z.B. Pärchenabende, statt Bücher zu lesen? Und dann noch eine Ausbildung zur Bankkauffrau, damit ich ein etwas geregelteres Leben habe. Rosige Aussichten, zumal sie meinem Wesen widersprechen.
Dass mein Weg gewagt ist, weiß ich, aber ich kann nicht wegen irgend welcher Sicherheiten plötzlich eine andere werden, selbst wenn ich mich dafür entschiede.
Vor Jahren widerte mich eine Weile mein Studium an. Das war die heiße Philo-Phase. Zu viel nüchterne Theorie macht mich wirklich krank. In der Lit habe ich wenigstens noch etwas musisches. Helli, ich lehne Philo nicht ab, nur bekam sie mir nicht.
Also bewarb ich mich hunderte Kilometer entfernt an einer Kunsthochschule für so etwas wie ein Journalistikstudium. Also praxisbezogener, kreativer. Über viele Wochen gab ich alles, schrieb und las die Nächte durch. So entschlossen und ehrgeizig war ich früher oft. Es ist mir leider abhanden gekommen. Fühle mich durch die letzten Jahre lebensgeschwächter.
Schriftliche Aufnahmeprüfung bestanden, dann die mündliche, vor der ich einen geisteskranken Bammel hatte. Ich hasse mündliche Prüfungen. Aber es war ganz unabhängig von diesem Studium so toll, nochmal zu erleben, dass mein Wille und Wunsch größer war, als meine Angst. Ich ging zähneklappernd hin und direkt danach nahm mich der Prof zur Seite und sagte mir, dass ich den Studienplatz habe. Ich flog durch den Tag, war einfach nur glücklich. Dann rief ich voller Glück und Stolz Daheim an und was ich da hörte, werde ich nie vergessen: extreme Verhaltenheit, null Freude, Hinweise auf mögliche Problematiken.
Ich habe diesen Studienplatz schließlich nicht angenommen weil. . .Es hatte nichts mit meinen Ängsten zu tun und ich bereue diese Entscheidung überhaupt nicht, aber was ich damals so extrem erlebte, empfinde ich jetzt wieder.
Ich fühle mich wie ein Vogel, der ängstlich aufsteigt und Zuspruch bräuchte, statt dessen aber wieder auf den Boden gerufen wird.
Genau so hat mir damals keiner mein Lit Studium zugetraut. Habe es deswegen verborgen und erst erzählt, nachdem ich die ersten Prüfungen bestanden hatte. Mein Selbstbewusstsein war damals auf Null und die akademische Welt löste Angstschlottern aus. Ich erwartete gütige Vieren und glotzte wie eine ungläubige Kuh auf meinen ersten Schein, auf dem eine eins Komma irgendwas stand.
Mein Fehler im System ist, dass ich jetzt nicht geschwiegen habe, sondern mir das alles reinziehe. Offen mitsabbelte, statt mich abzugrenzen.
Ich kann das "Du bist schon 4O.!" , übrigens auch von meinem Ex abgesondert, nicht mehr hören! Soll ich jetzt panisch schonmal den Altersheimplatz sichern, oder wie?
Ab 4O. muss alles in trockenen Tüchern sein? Und dann dämmert man die nächsten 4O. Jahre vor sich hin und eines der wenigen Abenteuer besteht in einer Affaire weil sonst nicht mehr viel passiert und mein Ehemann mich anödet?
Ich habe mich gestern Nacht so elend gefühlt wie viele Jahre nicht mehr. Nicht bloß Trauer oder dergleichen, sondern tiefe Verzweiflung. Ich war absolut nicht mehr bei mir. Fühlte mich, als wäre meine Seele raus aus meinem Körper und ich nur noch ein ko tzender Körper. Die Nacht war die Hölle. Jetzt langsam geht es Gott sei Dank wieder etwas.
Ich weiß gerade nicht, ob ich hier weiter schreibe. Kann das in diesem Zustand nicht einschätzen.vielleichtwerde ich weiter texten, aber nicht mehr von meinem persönlichem Befinden schreiben. Will meinem Ex kein tägliches Update aus meinem Innenleben geben.
geräderte Grüße von eurer Tyto
Bin leider gerade außerstande, auf euch einzugehen. Meine Birne ist fiebrig.
Aber bitte schreibt hier weiter wenn euch danach ist. Es muss jetzt nicht eine Trauerzeit eingelegt werden, nur weil ich gerade schlecht drauf bin.