Zitat von Besserspät: Grundsätzlich stimmt es ja: sein WE, seine Regeln. Aber nicht, wenn mich mein weinendes Kind anruft. Er sagt, ich hätte erst mit ihm Rücksprache halten sollen und dem Kind sagen sollen, er solle es mit Papa klären.
Oh jeh, schwierig. Alles. Eine Lösung oder einen guten Tipp habe ich nicht, wie Du damit umgehen kannst/sollst/musst.
Von außen betrachtet (und jedes sonstige @rschige Verhalten Deines Ex mal außer acht gelassen) habt Ihr aus Eurer jeweiligen Sicht ja alle irgendwie recht:
Dein Nochmann, weil es sein Wochenende ist, er die Regeln dann festlegt und er der Ansicht ist, dass ein 9jähriges Kind eine 15minütige Taxifahrt bewältigen kann. Vorausgesetzt natürlich, im Taxi ist ein Kindersitz vorhanden oder er gibt einen mit. Wie kommt Euer Sohn denn zurück? Er wird doch auch schon bei anderen Menschen mal mitgefahren sein?
Du hast recht, wenn Dein Mutterherz blutet und Du dem Kind Ängste nehmen und dann lieber selber fahren wolltest und das mit ihm geregelt hast, ohne vorher mit dem Vater zu sprechen. Hätte ich vermutlich genauso gemacht. Wirklich richtig ist es aber deshalb eher nicht.
Euer Sohn hat am allermeisten recht: Der ist noch klein, seine Familie ist kaputt und wenn er eh ein schüchternes Kind ist, dann haut diese Situation wahrscheinlich noch mal doppelt bei ihm rein. Und dann ruft er eben bei der Mama an, weil der Papa auf seine Bedürfnisse anscheinend überhaupt nicht eingeht.
Ihr müsst nur auf Dauer - wie alle anderen Eltern, ob getrennt oder nicht, die nicht an einem Strang ziehen - aufpassen, dass Eure Kinder Euch nicht gnadenlos gegeneinander ausspielen.
Dein Ex hätte den Jungen bei dessen erster Taxifahrt meiner Meinung nach ruhig begleiten können; jedenfalls wenn er problemlos in ein Auto ein- und aussteigen kann. Die 15 Minuten mit dem Taxi zurück hätten ihn vermutlich nicht arm gemacht. Nun hat er eine andere Lösung gefunden, die sicher pädagogisch so ad hoc nicht besonders wertvoll, dennoch machbar ist.
Du wiederum hast mehrfach geschrieben, dass Du es nicht gut findest, dass Du die Kinder momentan ständig zu ihm kutschieren musst, weil Dein Ex aktuell nicht fahren kann. Das wirst Du sicher auch das eine oder andere mal ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht haben

Wundert es Dich, dass er Dich dann nicht ins Boot holt und Dich fragt, ob Du die Fahrt übernehmen kannst? Wie hättest Du es denn gefunden, wenn z. B. eine Next den Sohn kutschiert und dieser das nicht gewollt hätte?
Eure Paarebene ist kaputt, die gibt es nicht mehr. Dass Du darüber traurig und wütend bist - total nachvollziehbar!
Aber auf der Elternebene müsst Ihr Euch einfach beide zusammen reißen und manchmal auch zähneknirschend Entscheidungen hinnehmen, die der andere jetzt alleine trifft. Jedenfalls dann, wenn das Kindeswohl nicht ernsthaft gefährdet ist.
Wenn ich nochmal drüber nachdenke: Mein Impuls wäre ganz klar auch gewesen, mein Kind abzuholen und zu fahren. Besser wäre es aber vermutlich, das Kind zu bestärken im Sinne von „wie toll, dass Du alleine Taxi fahren darfst, wie spannend ist das denn!?“
Euch Erwachsenen würde eine Beratung ganz gut tun, in der Ihr unter fachlicher Leitung besprechen könnt, wie Ihr künftig besser kommunizieren und einvernehmlich agieren könnt. Für die Kinder.