Arjuni
Zitat:Bzw. zu deren Oma. Und die hatte einen Kirschstreusel gebacken. Und die war so herzlich und freundlich: "ja, Madeln, setzts Eich her..., mögts an Kuchen?" - das war einfach unfassbar schön. Da war ich einfach nur sprachlos und ich hab das so in Erinnerung, als hätte jemand plötzlich die Farbe im Schwarzweiß-TV zugeschaltet. Total irreal war das.
Noch heute ist Kirschstreusel mein Lieblingskuchen.
unglaublich schön beschrieben!
Das berührt mich sehr!
ich bin da schon auch ein bisschen bei @thinkerbell , aber das sind nur meine persönlichen Schlussfolgerungen. Ich würde das niemandem aufdrücken, der es nicht selbst so empfindet.
Vermutlich zählt bis auf Extremfälle nicht nur, ob man es schwer hatte oder nicht, sondern ob es irgend eine Bezugsperson mit -einfach ausgedrückt- weichem Herzen gab. Bei uns herrschten damals meistens katastrophale Verhältnisse, aber meine Mum hat ein sowas von weiches Herz und ich glaube, dass das ausschlaggebend war.
Und vielleicht weil wir ein riesiges soziales Umfeld hatten, wusste ich schon ganz früh, dass das eben nicht normal ist, was ich erlebte. Und ich durfte es auch ausdrücken. Meine Mum war sich bewusst, wie krank das alles ist. Nur brauchte sie noch Jahre, um gesünder zu werden. Ich glaube, das sich ausdrücken dürfen, kann auch davor bewahren, völlig irre zu werden. Dass man sich selbst treu bleiben darf und Mitgefühl erlebt.
Ich fühle mich heute nicht mehr durch meine Kindheit beschädigt oder belastet. Gar nicht mehr. Hat aber auch lange gebraucht und viel Blut Schweiß und Tränen. Klar, Folgen bleiben, aber manchmal führen Hindernisse auch dazu, dass man ganz besondere Seiten ausbildet, besondere Stärken usw.
Ich fand z.B. vieles schrecklich Zuhause, aber meine beste Freundin, die aus diesem Zwangsjackenelternhaus kam, wollte immer bei meiner Mum sein und heftete sich an sie weil sie es Daheim nie erlebt hatte, dass ihr jemand so viel Gefühl entgegen brachte. Und ich genoss zuweilen eine gewisse Normalität Daheim bei meinen Freundinnen.