Liebe Sleepless,
hat nun doch etwas gedauert, Dir zu antworten - nach den arbeitsfreien Tagen mußte ich wieder ziemlich ran und habe mir die viele Leserei hier verkniffen, weil es echt zum „Zeitfresser“ werden kann, so interessant es auch ist.
Und schreibe Dir der einfachheithalber in Deinem eigenen Thread.
Zum Jakobsweg:
Nein, ich hatte überhaupt keine Angst, obwohl ich weiß, was Du meinst mit „so ganz allein als Frau“.
Ganz ehrlich: Selten habe ich mich sicherer gefühlt!
Wovor sollte man sich auch fürchten? Dort sind viele „Gleichgesinnte“ unterwegs, also Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen eine Auszeit vom Alltag brauchen/suchen.
Davor, daß Dir jemand Deinen schweren Rucksack, gefüllt mit irgendwann gleich „muffelnden“ Klamotten klaut? - Bestimmt nicht
Und je nach Reisezeit sind dort weniger Menschen (Frühjahr) oder mehr Menschen (Sommer) unterwegs, „alleine“ ist also relativ und Du kannst selbst entscheiden, ob Du in Gesellschaft von anderen meist netten Menschen laufen magst, oder auch mal einen Tag ganz alleine Deines Weges ziehen möchtest.
Die Spanier entlang des Weges sind ein freundliches Völkchen, die sich höchstens über die Verrückten amüsieren
Ich hatte Tage, an denen ich das Alleinsein genießen konnte/wollte und viele Tage, an denen ich mit Menschen unterschiedlichster Nationalität und Couleur unterwegs war.
Wenn es möglich war, habe ich nur in Herbergen geschlafen, um am bunten Treiben teilhaben zu können. Entgegen den Gepflogenheiten gehörte ich aber zu denen, die als letzte am Morgen startete und damit zu letzten Ankömmlingen - war für mich perfekt.
Den Reiseführer habe ich nach einer guten Woche vergraben und keine Tagesziele mehr geplant, weil es mir nicht mehr wichtig war - irgendwo konnte man essen/trinken und irgendwo konnte man schlafen … nichts war mehr wichtig, „nur“ noch leben für den Moment.
Für einen Menschen, der sich sowas vorstellen kann und der Abstand benötigt bzw. sich wieder zentrieren/seine Mitte finden möchte, ist das perfekt.
Wenn Du Dir das also vorstellen kannst, denk nicht zuuuu lange drüber nach, überleg Dir, wo Du starten kannst, wie weit Du gehen willst, mach Urlaub in ausreichender Länge klar und buch Hin- und Rückflug
Die Zeit bis dahin kannst Du nutzen, um gute Wanderschuhe einzulaufen und zu „trainieren“ …
Zumindest habe ich das so gemacht, um keine Ausrede zu haben, das Ganze wieder und wieder durchzudenken und dann doch wieder abzuspringen - für mich war das der genialste Sprung ins kalte Wasser, den ich je gemacht habe
Ich war im Mai, zu der Zeit war es noch nicht überfüllt und das Wetter meist traumhaft.
Sleepless, ich wünsch Dir, daß Du durchhältst und wieder etwas mehr Schlaf findest.
Verschleuder nicht Dein Herz an jemanden, der es nicht verdient hat und Dir NIEMALS das Leben „ermöglichen“ kann/möchte, das Du Dir wünscht.
