Zitat von FallingButterfly:Commitment erfordert die bewusste Konzentration auf den eingeschlagenen Weg.[/b][/i]
Ich betrachte es mittlerweile als enorm großes Lebensgeschenk, daß ich dank meiner - relativ alten und inzwischen längst verstorbenen - Eltern noch sehr viele Menschen aus der Vorkriegsgeneration kennenlernen durfte, die allesamt genau so verfahren sind - auch ohne je an solche Magazine (und ich finde den Artikel sehr treffend) gelangt zu sein oder gar Psychotherapietermine wahrgenommen zu haben.
Auch meine eigenen Eltern verfuhren stets nach der Devise, daß sie
dabei blieben,
wenn sie sich einmal für etwas oder jemand entschieden hatten,
ohne noch groß links und rechts zu schauen oder sich von anderen in die Suppe spucken zu lassen. Ich hatte bei weder bei ihnen, noch bei den anderen "Alten" je das Gefühl, daß sie Sorge hatten, etwas zu "verpassen".
Und mal ehrlich: Was "verpasst" man denn letztlich wirklich?
Der Alltag kehrt letztlich in jede Beziehung ein und dann kommt es einzig darauf an, ob man sich weiterhin in der Partnerschaft
zuhause fühlt, oder ständig mit dem unterschwelligen Gefühl lebt, daß sie einem die Luft zum Atmen nimmt. Keine der langjährigen Ehen der "Alten" hatte so einen festen Fortbestand, weil da täglich die Schmetterlinge flogen, sondern sie basierten auf einer tiefen Verbundenheit und darauf, daß gemeinsame Ziele verfolgt wurden.
Allerdings hatten all diese Menschen sich intensive Gedanken über die Partner
wahl gemacht, bevor sie sich auf eine feste Beziehung oder gar Ehe auch nur einließen. Der äußere Rahmen wurde da ebenso bewußt in Augenschein genommen, wie man sich - und dafür nahm man u.a. an Eheseminaren teil - vorab Gedanken darüber machte, wie man mit den Etwaigkeiten des Lebens (Kinder, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Elternpflege) denn auf Dauer so zurechtzukommen gedenke - auch wenn man sich ihnen jetzt noch gar nicht konkret stellen mußte.
Das galt für das Künstlerpaar, das jahrzehntelang eine offene Beziehung lebte ebenso, wie für die braven Eheleute, die Kinder und (später dann) Enkel hochpäppelten und nebenher noch ein Hausprojekt betrieben; letztlich auch für jene, die gemeinsam einen Familienbetrieb führten und Verantwortung für x Angestellte trugen und das schon in xter Generation.
Hätten all diese Leute ihre Zeit lieber mit Partnerportalen oder WA-Getippel an irgendwelche unbekannten Sirenen oder Adonisse verdaddelt, die genausowenig
wissen, was sie eigentlich wollen wie sie selbst, so hätte auch ihr Leben ähnlich beschissen ausgeschaut wie das vieler New Age-Jünger es heute folgerichtig tut.
Der Artikel trifft das auf den Punkt und insofern danke ich Dir, daß Du ihn hier eingestellt hast. Ich finde es allerdings mehr als traurig, daß es solcher Artikel überhaupt bedarf. Noch vor wenigen Jahren lebte eine ganze Generation von Menschen unter uns, die sich dessen - völlig korrekten - Inhalt allein aufgrund von etwas erschlossen hatte, was gemeinhin als "gesunder Menschenverstand" bzw. unter Angelsachsen als "common sense" bezeichnet wird.
Mich erschreckt mittlerweile nur noch, in welch kurzer Zeit es Medien und Politik gleichermaßen gelungen ist, eine ganze Generation junger Menschen heranzuzüchten, die so dermaßen auf Materialismus getrimmt ist, daß sie sogar Liebesbeziehungen, Ehe und Familie latent für austauschbar und wertlos genug hält, um weiter nach potentiellen "Optimierungs"möglichkeiten Ausschau zu halten und diese dann auch skrupellos zu nutzen, sobald sie sich bieten. Ich dachte eigentlich, diese Zeiten seien mit dem Ende des "Roten Terrors" überwunden bzw. daß solche Geschichten sich nicht wiederholen können, auch und gerade in Deutschland nicht, wo der Wille, neue Menschen heranzuzüchten, noch weitaus üblere Folgen hatte als im Stalin-, Mao- oder Khmerreich.
Natürlich gab es auch früher schon leichte Mädchen und ewige Casanovas, aber definitiv keinen gesellschaftlichen Konsens, der ihr Verhalten auch noch als Normalität toleriert oder gar als nachahmenswert gepriesen hätte. Insofern kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen, daß öffentliche Werbung für Zig. verteufelt, die für Seitensprungportale aber sang- und klanglos toleriert wird.
Es gibt noch viel mehr, wozu ich mittlerweile nur noch den Kopf schütteln kann, aber zum Glück bin ich in der komfortablen Lage, mich von diesem ganzen New-Age-Getue schlicht und ergreifend
abkapseln und in meine eigene Welt
zurückziehen zu können. Allerdings mache ich mir gelegentlich immer noch einen Spaß daraus, die Glaubensgrundsätze von New-Age-Jüngern in Frage zu stellen, indem ich sie einfach höflich darauf hinweise, daß ich einer Zwischengeneration angehöre, die ihre Lebens- und Denkweise noch recht gut mit der der "Alten" vergleichen kann - auch und vor allem, was konkrete Resultate betrifft. Fakten sind nun mal Fakten und die lassen sich auch nicht wegdiskutieren.
Um wieder aufs Thema zurückzukommen, noch eine Preisfrage zum Abschluß:
Was konkret hatte Casanova mit seinen zahllosen Abenteuern letztlich einer Mutter Teresa konkret voraus im Leben? Konnten am Ende nicht beide auf ihre ganz eigenen, besonderen Begegnungen und Erlebnisse zurückblicken und sich so gesehen daran freuen, ein erfülltes Leben geführt bzw. gehabt zu haben?
Nur eines konnte Casanova ebensowenig haben wie Mutter Teresa:
Alles auf einmal und das am besten sofort.
Und eben das scheint mir das Problem der New Age Generation zu sein - ebenso wie das vieler Fremdgänger, über die man hier im Forum so liest bzw. die sich gelegentlich auch selbst zu Wort melden.
