E-Claire
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Zitat von EngelohneFlügel:Das stand auch so in ihrer Diagnose unter dem Punkt eigene Angaben. Also das hat sie dem Psychologen auch so geäußert das sie sich überfordert fühlt.
Wie gesagt, das ist eins der wirklich typischen und häufig geschilderten Symptome. Und ich will da jetzt keine Lanze für die Ex brechen oder für Verständnis werben, aber diese Überforderung ist super anstrengend und sehr isolierend.
Für Dich in der Abgrenzung ist wichtig, dass Du lernst die Füße still zu halten und immer dann, wenn es in die Beleidigung rutscht, das Gespräch nach Möglichkeit abzubrechen.
Mit Füßen still halten, ist folgendes gemeint: Wenn es unserem Gegenüber, zu dem wir eine emotionale Bindung haben, schlecht geht, dann haben wir zwei Mechanismen in uns, die an der Stelle sofort getriggert werden.
Der erste ist, wir empfinden das für uns selbst als schwierig. So lange das normale Empathie ist, ist das fein, es gibt aber eine markanten Unterschied zwischen Mitgefühl und Mitleid. Wenn wir über Maß die schlechten Gefühle des anderen annehmen, dann hat das häufiger etwas mit eigenen noch zu bearbeitenden Themen zu tun.
Zweitens dieses "Nicht-aushalten" können der schlechten Gefühle des anderen, treibt einen schnell in blinden Aktionismus. Das noch recht harmlose den anderen aufheitern zu wollen, endet schnell in der Übernahme von Aufgaben und der dahinter stehenden Intention, es muß dem anderen dann ja aber auch besser gehen. Damit eröffnest Du aber nur einen weiteren Höllenkreis, der niemandem etwas bringt.
Depressionen sind ein Marathon und kein Sprint und die Diagnose ist Start und nicht Ziel. Du hast es Null in der Hand, wie Deine Ex jetzt weiter damit verfährt und ein kleiner Prozentsatz von Diagnostizierten ist nicht an Verbesserung bzw Heilung interessiert. In diesem Zusammenhang würde ich empfehlen, daß Du mal "sekundären Krankheitsgewinn" googelst.
Jetzt in diesem Moment hat Ex, anstatt Dir in ruhiger Situation erwachsen die Diagnose mitzuteilen und eventuell darauf hinzuweisen, welche Maßnahmen da ins Haus stehen und inwieweit das Auswirkungen auf die Kinder und die Kinderbetreuung haben könnte, die manipulative Taktik, ich bin krank und du bist schuld, gewählt.
Die gute Nachricht ist, das muß nicht so bleiben. Ein Kombi-Ansatz von leichtem Antidepressiva und Gesprächstherapie bewirken bei einer Vielzahl Betroffener gute und nachhaltige Veränderungen.
Es zeigt aber auch für den Moment, wo sie gerade steht.
Dieses Verantwortungsherumgeschiebe zieht sich ja bei Euch beiden eigentlich schon von Anfang an durch und ich glaube, für dich wäre es gut, wenn Du das einfach mal wieder zum Anlass nimmst, genau bei Dir zu schauen, wie weit die alten (kindlichen) Taktiken von ihr da noch bei Dir funktionieren, falls ja warum und was Du brauchst, um Dich da noch ein bissl mehr frei zu schwimmen.
Das hilft Dir auch für die kommende Zeit und vor allem macht es dich unabhängiger von dem, was Ex für sich entscheidet oder eben auch nicht für sich entscheidet.