Zitat von thegirlnextdoor:Ich sehe da eigentlich persönlich kein Stigma..? Ich wusste von vielen traumatisierten Menschen, die sich nicht schämten, darüber zu sprechen. Es ...
Du siehst das vielleicht nicht. Aber viele Menschen empfinden es noch so. Psychisch krank zu sein, egal aus welchem Grund, hat für viele noch etwas negatives. Nicht nur negativ, weil man leider krank ist und Leid zu tragen hat, sondern negativ, weil viele sich als Versager fühlen.
Es ist das eine, dass es schmerzhaft, vielleicht re-traumatisierend und beängstigend ist, an ein Trauma heranzutreten.
Es kommt aber noch hinzu, dass man sich von der Gesellschaft abgespalten fühlt. Derjenige zu sein, der unter der Belastung "zusammenbricht", der das "nicht kontrollieren"(aka verdrängen) kann, der sich "anstellt", was auch immer da für Gedanken und auch Sprüche von anderen Menschen kommen.
Unsere Gesellschaft ist noch weit davon entfernt seelische Verletzungen mit körperlichen gleichzusetzen. Du kannst auf einen Baum klettern, runterspringen und dir dein Bein brechen: dafür bekommst du mehr Mitgefühl, als wenn du einen Überfall nicht "fristgerecht" abgeschlossen hast. Das kommt von außen, steckt aber auch noch in uns allen drin.
Du schreibst ja selbst oder zumindest habe ich dich so verstanden, dass du jetzt erst richtig siehst, was deine Op-Komplikationen 2021 mit dir emotional gemacht haben, was sie in dir und auch in deinem Mann ausgelöst haben könnten.
Teil dessen, dass das mit 3 Jahren Verzögerung ins Bewusstsein kommt ist sicher der unbewusste Überlebensmodus in uns, der sich von solchen Traumata abspaltet.
Ein andere Teil ist aber aus meiner Sicht häufig (du kannst ja mal überlegen, in wie weit weit das auch auf dich zutrifft), dass wir gelernt haben zu funktionieren. Und dazu gehört, dass wir, sobald wir auf körperlicher Ebene geheilt sind, verdrängen, dass wir auf seelischer Ebene ggf nicht im gleichen Tempo heilen konnten und da auch noch Zeit und Unterstützung benötigen. Und dann mit unserem Leben weitermachen, als ob der Seele nichts passiert wäre. Das ist ein anerzogener Mechanismus, der über den instinktiven Mechanismus der Seele hinaus anspringt.