@Ampelmännchen
Nun doch nochmal zu Deinem Text von gestern, und ganz besonders zum letzten Abschnitt. Da ist mir dieser eine Satz aufgefallen:
Zitat von Ampelmännchen: Weil ich in Familie vielleicht den einzigen Sinn sehe.
Ja, hier geht es auch um einen ganz enzscheidendes Thema. Was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Was ist der Sinn MEINES Lebens. Und eine der Topantworten darauf ist es wohl, eine Familie/Kinder zu haben.
Zum einen ist das Streben nach Fortpflanzung biologisch in uns angelegt, aber auf einer ganz anderen Ebene auch der Wunsch, Leben weiterzugeben, etwas von sich selbst weiterleben zu lassen. Mit Kindern kann man die Welt nochmal neu entdecken, die Liebe zu ihnen ist bedingungslos und sie machen das Leben einfach viel, viel reicher.
Als ich vor einigen Jahren mit meinem Kinderwunsch abschließen musste, war mir der Sinn des Lebens verloren gegangen. Tatsächlich stellte ich alles in Frage. Es war gnadenlos, weil unabänderlich. Und es dauerte endlos lange, aus dieser Krise wieder herauszukommen. Damals tat ich kaum etwas dafür, um wieder nach oben zu gelangen, erledigte nur das Nötigste und zog mich von allem zurück.
Es gäbe viel davon zu erzählen, wie es mir erging, aber letztlich kann ich heute sagen, dass ich mich von all dem befreien konnte. Von meinen eigenen Erwartungen und denen des Umfeldes, von dem Gedanken, wie ungerecht es ist, dass alle anderen Kinder bekommen nur ich nicht, von dem Gefühl, sinnlos zu leben. Auch von der Überzeugung nur mit eigenen Kindern sei mein Leben etwas wert. Ich weiß nicht einmal genau, ob ich vielleicht auch nur einfach etwas erfüllen wollte, denn im Grunde war es schon recht spät dafür.
Irgendwann in den nächsten Tagen wird meine Schwester bereits zum zweiten Mal Oma. Und ich freue mich sehr darüber. Aus vollem Herzen. Wir alle sind gespannt, denn die jungen Leute haben es sich nicht sagen lassen, ob ein Junge oder ein Mädchen zur Welt kommen wird. Manchmal staune ich über mich selbst, wie unbeschwert ich diesbezüglich jetzt bin. Sicher, manchmal spüre ich noch eine gewisse Traurigkeit, aber das ist ganz selten der Fall. Es ist so wie es ist, und tatsächlich ist es wohl auch gut so. Geholfen haben mir in erster Linie meine Geschwister. Manchmal gar nicht bewusst. Aber sie haben mich immer in ihre Familien mit einbezogen, nicht zugelassen dass ich mich aufgebe. Sie nahmen es mir nicht krumm, wenn ich gemeinsame Unternehmungen absagte, versuchten es dann einfach zu einem anderen Zeitpunkt wieder. Und immer wieder.
Warum ich das jetzt wieder erzähle? In erster Linie, weil ich Dich gut verstehen kann. Du hast erlebt, wie schön es mit Kindern ist. Aber das wurde Dir wieder genommen, denn es waren die Kinder Deiner Ex-Partnerinnen. Vielleicht geht es Dir auch gar nicht so sehr um eigene Kinder. Im Gegensatz zu mir damals. Obwohl Du ja auch schon mal erwähnt hattest, dass Du denkst, hättest Du dies oder das anders gemacht, wären möglicherweise eigene Kinder im Haus.
Hast Du schon mal überlegt, Deinen guten Draht zu Kindern irgendwo anders zu nutzen? In Deinem Sport zum Beispiel eine Trainingsgruppe zu leiten. Bei einem Verein oder einer Organisation einen Kurs anzubieten, Kindern zeigen, welche tollen Dinge aus Holz entstehen können, und mit ihnen gemeinsam daran zu arbeiten. Das muss ja auch nicht gleich eine dauerhafte Verpflichtung werden. Hier bei uns zum Beispiel lese ich immer von den Ferienangeboten im Mehrgenerationenhaus des DRK, wo ein ganz buntes Programm stattfindet. So etwas ist zunächst mal auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt, und danach könnte man immer noch schauen.
Das wäre so eine Idee von mir.
Und ja, sicher hat Bumich recht, dass der Weg für jeden von uns ganz individuell ist, und oft erst auch im Gehen entsteht.
Ich habe mich auch lange dafür verurteilt, nicht zu wissen, was genau ich eigentlich will. Die berühmte Frage: Wo sehe ich mich in 5 Jahren? Keine Ahnung, das werde ich sagen können, wenn ich dort bin.
Ich überlege, beruflich nochmal was anderes zu machen, weil meine Arbeitsinhalte sich ziemlich verändert haben.
Das war Anfang des Jahres sowieso der Hammer. Zuerst am Tag vor dem Jahreswechsel die Gewissheit, dass meine unglückliche Verliebtheit keine Chance hat, da ER mir schrieb, eine andere Frau kennengelernt zu haben. Dann schleppte ich mich auf Arbeit, um gleich in der ersten Arbeitswoche zu erfahren, dass mein Abteilungsleiter die Firma verlässt, um sich selbstständig zu machen. 3 Kollegen nahm er mit, als er im Frühjahr ging. Mich nicht. Unsere ganze Abteilung, eine gute Truppe, schien sich aufzulösen. Inzwischen geht es weiter, anders eben, aber eine richtige Perspektive sehen auch die sonstigen Übriggebliebenen nicht. Ich nahm mir vor, erstmal nichts zu überstürzen, weil ich mich mit meinem Liebeskummer und dem tiefen Schmerz auseinanderzusetzen hatte und das auch noch nicht abgeschlossen ist.
Was die Zukunft bringt wird sich zeigen. Ich muss es heute noch nicht hundertprozentig wissen.