1967

Der lange Weg des Scheiterns - Lernen durch Schmerz

Jetti

Jetti


551
707
@Bumich
Danke für Deinen so persönlichen Text, und Deine lieben Worte.
Ich bin noch unschlüssig, wie es weitergeht. Gestern Abend habe ich ja auch umgehend wieder geschrieben.

Zitat von Bumich:
Obwohl ich dafür nichts konnte. Hab mir das nicht ausgesucht.

Das ist bei mir anders. Für das, was ich an mir verurteile, kann ich sehr wohl etwas. Aber habe ich mir das genau so ausgesucht? All das verstehe ich nicht mehr, kann nicht nachvollziehen, was ich dachte und warum ich Dinge geschehen ließ. Das treibt mich um, und verhindert jede Möglichkeit zur Ruhe kommen.

28.10.2021 14:25 • #1396


Bumich

Bumich


1360
10
1423
Zitat von Jetti:
Für das, was ich an mir verurteile, kann ich sehr wohl etwas.

Redest du von deiner Vergangenheit als Kind oder von deiner jetzigen unglücklichen Liebe? Oder ist das alles ein Brei?
Was ich bis jetzt so von dir gehört habe, finde ich nichts was so unverzeihlich sein könnte. Bist du eigentlich zu anderen auch so erbarmungslos und kaltherzig, wie zu dir selbst? Wenn Vergebung dein großes Thema ist, dann bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als dich in Vergebung zu üben. Vergebung wäre dann wohl dein Lernziel. Wenn du behauptest, ich kann das nicht, dann bist du einfach noch nicht so weit. Dann willst du es im Grunde auch noch nicht. Sei ehrlich, dein Selbsthass und deine Selbstverurteilung ist doch alles was du noch hast. Viel mehr scheint dir nicht geblieben zu sein. Viel mehr scheinst du dir nicht gelassen zu haben. Reduziert auf dieses eine, alles überschattende. Ja oder nein? Und wenn der dann auch noch wegfällt. Was bleibt dann noch von der Jetti übrig? Eine Zeder wächst allein an einem steinigen Abgrund. Keine Knospe der Gnade, Liebe und des Erbarmens. Wenn dies nicht in dir erblüht, hast du eindeutig den falschen Weg gewählt. Das muss man leider so sagen.
Ich weiss nicht, was soll ich bedeuten?

29.10.2021 11:21 • #1397



Der lange Weg des Scheiterns - Lernen durch Schmerz

x 3


Jetti

Jetti


551
707
Zitat von Bumich:
Redest du von deiner Vergangenheit als Kind oder von deiner jetzigen unglücklichen Liebe?

Momentan bezieht sich das auf diese unglückliche Liebe.
Was in der Kindheit war, ist noch nicht völlig abgeschlossen, aber in den Hintergrund gerückt.
Es hängt aber insofern damit zusammen, dass es eine sehr lange Zeit gab, in der ich versuchte,
diese Schuld aus der Kindheit loszuwerden. Währenddessen versäumte ich Dinge, beachtete Wichtiges
nicht, war weit entfernt von mir. Das hatte Folgen für mich und die sind der Grund für meine Selbstverurteilung jetzt.
Irgendwie auch beängstigend. Diese Fokussierung auf das Negative, dies Suche nach Absolution, lässt nun auch
fast alles andere aus dem Blickfeld geraten. Mache ich vielleicht gerade wieder etwas kaputt, und
werde das später bereuen, bzw. mir zum Vorwurf machen? Ich weiß einfach nicht mehr wo oben und unten,
was richtig und was falsch ist.

Zitat von Bumich:
Reduziert auf dieses eine, alles überschattende. Ja oder nein?

Ja.

Zitat von Bumich:
Bist du eigentlich zu anderen auch so erbarmungslos und kaltherzig, wie zu dir selbst?

Nein, definitiv nicht. Niemals.

Zitat von Bumich:
Was bleibt dann noch von der Jetti übrig?

Ich weiß auf diese Frage keine Antwort.

Zitat von Bumich:
Wenn dies nicht in dir erblüht, hast du eindeutig den falschen Weg gewählt. Das muss man leider so sagen.

Dann ist das wohl so.

29.10.2021 12:55 • x 1 #1398


Isnogud

Isnogud


1832
2
4594
Zitat von Jetti:
Diese Fokussierung auf das Negative, dies Suche nach Absolution, lässt nun auch
fast alles andere aus dem Blickfeld geraten.


Ich hatte letztens auch ein Gespräch über das sich selbst nicht vergeben können/in der Schuld verharren/nicht aus dem Kreisen rauskommen.
Und wir erinnerten uns daran, dass es früher im Radio am Sonntag eine Beratungssendung mit Brigitte Lämmle gab. Die dann bei solchen Anrufen nach einer Zeit wohl häufig fragte: und was haben sie davon?

29.10.2021 13:53 • x 1 #1399


Jetti

Jetti


551
707
Zitat von Isnogud:
und was haben sie davon?

Es scheint keine plausible Antwort auf diese Frage zu geben. Wieder einmal habe ich das Internet befragt, was es bedeutet, sich selbst zu verachten/sich nicht vergeben zu können.

Hier ein Auszug: (https://traumaheilung.de/selbstverachtung/)

Selbstverachtung und Trauma
Traumatisierungen führen zu Abspaltung, Wut und Ablehnung. Leider richten diese Gefühle sich meist von den Opfern gegen sich selbst. Wir beginnen schon als Kinder uns selbst zu hassen und uns für unsere "Schwäche" zu verachten. Wir verachten uns sogar dafür, dass uns jemand Gewalt antut.
Die zwei Seiten der Selbstverachtung
Selbstverachtung, die wir schon als Kinder entwickelt haben, hilft uns aber auch, innerlich Abstand zu wahren, uns unberührbar und sogar überlegen zu fühlen. So kann Selbstverachtung zur Ressource werden, die uns zwar nicht gut tut, aber hilft, zu überleben.
Wir dürfen aber nicht vergessen, wie zerstörerisch Selbstverachtung in ihrem Kern ist und wie sie unser Leben vergiften kann. Verachtung ist gefrorene Wut. Sie ist kalt und die Person, auf die sie gerichtet wird, wird mit Kälte verletzt. Selbst, wenn die Person wir selbst sind.


Veränderung und Schmerz
Wenn Du dann anfängst, Mitgefühl mit Dir zu entwickeln, Dir zu denken, "Wow, von da komm ich, das hab ich mal gelernt, so mit mir umzugehen wie furchtbar!" und anfängst, wirklich Mitgefühl mit Dir zu haben, mit dem, wie Du behandelt worden bist, dann kommt leider erstmal der Schmerz.

Lautet die Antwort auf die obige Frage also Schmerzvermeidung?
Zu all dem möchte ich noch anmerken, dass ich keine Gewalt erlebt habe in meiner Kindheit. Auch nicht psychisch.
Aber es gab traumatische Erlebnisse, die ich erst heute als Trauma anerkennen kann.
Trotz allem. Irgendwann war ich erwachsen, und hätte mich dem stellen müssen. Dass ich es nicht getan habe, ist der Grund meiner heutigen Schwierigkeiten mit mir selbst. Und manches davon ist unumkehrbar.

29.10.2021 14:38 • #1400


Isnogud

Isnogud


1832
2
4594
Mhm, ja... mir wäre auch als erstes Angst/Vermeidung als Gewinn in den Sinn gekommen.
Das Drama ist ja wirklich, dass man so eben auch nicht zukunftsgerichtet leben kann und sich damit immer mehr potentiell glückliches Leben stiehlt... Ich muss selbst noch etwas darüber nachdenken...
Was ich mich frage, geben denn Therapeuten in diese Richtung Lösungsansätze vor? Gibt es Vorschläge damit umzugehen, die du nur nicht für dich annehmen kannst? Wenn ja, welche?

29.10.2021 15:17 • x 1 #1401


Bumich

Bumich


1360
10
1423
Zitat von Jetti:
Was in der Kindheit war, ist noch nicht völlig abgeschlossen, aber in den Hintergrund gerückt.

Es brodelt und köchelt also im Untergrund so vor sich in. Ich, bzw. wir kennen ja deine Geschichte so grob.

Zitat von Jetti:
dies Suche nach Absolution,

Wo suchst du sie denn? Wo hast du schon überall nach ihr gesucht?

Zitat von Jetti:
Mache ich vielleicht gerade wieder etwas kaputt, und
werde das später bereuen, bzw. mir zum Vorwurf machen? Ich weiß einfach nicht mehr wo oben und unten,
was richtig und was falsch ist.

Gut möglich. Ein vorwurfsvoller Geist macht alles zum vorwurf.

29.10.2021 17:53 • x 1 #1402


Bumich

Bumich


1360
10
1423
Zitat von Jetti:
Lautet die Antwort auf die obige Frage also Schmerzvermeidung?

Ich behaupte, ja. Fühlende Wesen tun alles zur kurzfristigen Schmerzvermeidung. Was langfristig aber meist zu mehr schmerzen führt.
Zitat von Jetti:
Dann ist das wohl so.

Die Planeten sind rund, damit der Mensch andere Richtungen, andere Wege gehen kann.

29.10.2021 17:56 • x 1 #1403


Jetti

Jetti


551
707
Zitat von Isnogud:
Was ich mich frage, geben denn Therapeuten in diese Richtung Lösungsansätze vor?

Meine zu Ende gegangene Therapie startete damals aufgrund anderer akuter Probleme. Ängste hatten schon immer spürbar zu mir gehört, aber vor 5 Jahren (seither nehme ich auch meine Medikamente) nahmen sie riesige Ausmaße an. Vorrangig war, dies wieder auf ein normales Level zu bringen. Die einzelnen Sitzungen lagen dann nach der akuten Phase in größeren Abständen. Zunächst ging es darum, die Funktion von Ängsten zu verstehen und sich diesen bewusst auszusetzten. Exposition/ Konfrontation. Später waren Ursachen ein Thema, diese zu verstehen. Ja, auch mit dem Thema Schuld musste ich mich beschäftigen, objektiv und subjektiv gegenüberstellen. Damals bezog sich das auf meine Erkrankung in der Jugend und deren Folgen. Das wurde als einer der Gründe nochmals genauer beleuchtet.

Auch meine Therapeutin bemerkte, wie es mir im letzten Jahr soviel besser ging, und war zum Glück greifbar, als ich Anfang diesen Jahres so abstürzte. Deshalb ging es in den letzten Sitzungen eher um den ganz aktuellen Kummer.
Über all die Vorwürfe, die damit zusammenhängen, das Nicht-Verzeihen, die Selbstabwertung und -verachtung zu sprechen, dafür reichte die Zeit nicht mehr.

Zitat von Isnogud:
Das Drama ist ja wirklich, dass man so eben auch nicht zukunftsgerichtet leben kann und sich damit immer mehr potentiell glückliches Leben stiehlt...

Das ist eben so absurd. Ich weiß das sehr genau. Habe auch die Ahnung, dass trotz des Unverzeihlichen noch etwas Gutes aus meinem Leben werden könnte. Wenn auch mit Einschränkungen.
Die Theorie ist hier, an Bekanntem festzuhalten, auch wenn selbstzerstörerisch ist. Weil die Angst vor dem Neuen dem im Wege steht, denn Garantie gibt keine.

Etwas Interessantes dazu fand ich noch im Internet. Da trifft einiges auf mich zu. Leider.
https://www.palverlag.de/selbstablehnun...ritik.html

Dieses Gefühl, nicht in Ordnung zu sein, ist so tief in uns verwurzelt und so zu einem Teil unserer Persönlichkeit geworden, dass wir es als richtig erachten. Unsere Selbstverachtung scheint uns deshalb gerechtfertigt. Und deshalb übernehmen wir als Jugendliche und Erwachsene unsere Bestrafung selbst.
Wir lernen, die Selbstbestrafung und Selbstverurteilung als ein wichtiges Hilfsmittel anzusehen, um unsere (vermeintliche) Unvollkommenheit zu überwinden und so zu werden, wie wir sein sollten. Ja, wir werden in der Selbstbestrafung und im Ändern unseres Verhaltens so gut, dass wir unsere Fehler korrigieren und uns anpassen, ehe unsere Mitmenschen merken, dass wir unvollkommen sind. Wir lernen der Bestrafung und Ablehnung der anderen zu entgehen, indem wir lernen, uns selbst zu bestrafen und unser Verhalten zu korrigieren.

........
Die Vorstellung, sich angesichts eigener Fehler und Schwächen gut zu fühlen, ist ausgeschlossen. Nur durch Selbstbestrafung, so denken wir, werden wir zu guten Menschen. Also machen wir uns ständig selbst fertig.

............
Doch was hat all die Selbstbestrafung und Selbstverurteilung bislang bewirkt? Sind wir perfekt geworden? Haben wir unsere Unvollkommenheiten überwunden? Sind wir fehlerlose oder bessere Menschen geworden?
Nein. Alle Selbstbestrafung hat nichts daran geändert, dass wir auch als Erwachsene Fehler machen und uns gelegentlich dumm benehmen. Viele Menschen kommen sich ihr ganzes Leben lang unvollkommen und minderwertig vor, haben das Gefühl, mit ihnen stimme etwas nicht.

Entweder resignieren sie und fühlen sich überfordert und deprimiert, oder aber sie versuchen Tag für Tag zu der Person zu werden, die sie glauben, sein zu müssen, um sich endlich akzeptieren zu können und um endlich von anderen akzeptiert zu werden. Und viele Menschen wissen noch nicht einmal genau, was mit ihnen nicht stimmt. Sie haben einfach nur permanent das dumpfe Gefühl, minderwertig und nutzlos zu sein und hassen sich dafür.

Deshalb tun wir gut daran, damit aufzuhören. Selbstbestrafung ist nicht das geeignete Mittel ist, um aus uns bessere Menschen zu machen?

29.10.2021 18:52 • x 1 #1404


Jetti

Jetti


551
707
Zitat von Bumich:
Wo suchst du sie denn? Wo hast du schon überall nach ihr gesucht?

In dem ich versuche zu verstehen, warum ich so sein konnte.

29.10.2021 19:18 • #1405


E-Claire

E-Claire


3821
9192
Zitat von Jetti:
Momentan bezieht sich das auf diese unglückliche Liebe.
Was in der Kindheit war, ist noch nicht völlig abgeschlossen, aber in den Hintergrund gerückt.
Es hängt aber insofern damit zusammen, dass es eine sehr lange Zeit gab, in der ich versuchte,
diese Schuld aus der Kindheit loszuwerden. Währenddessen versäumte ich Dinge, beachtete Wichtiges
nicht, war weit entfernt von mir. Das hatte Folgen für mich und die sind der Grund für meine Selbstverurteilung jetzt.
Irgendwie auch beängstigend. Diese Fokussierung auf das Negative, dies Suche nach Absolution, lässt nun auch
fast alles andere aus dem Blickfeld geraten. Mache ich vielleicht gerade wieder etwas kaputt, und
werde das später bereuen, bzw. mir zum Vorwurf machen? Ich weiß einfach nicht mehr wo oben und unten,
was richtig und was falsch ist.


Weißt du, ich lese hier nicht immer mit, also habe ich sicher Sachen, die Du geschrieben hast, nicht oder über- lesen.

Aber im Kontext von oben folgendes Zitat von dir zu lesen, was in sich selbst Zitat ist:
Zitat von Jetti:
Das ist eben so absurd. Ich weiß das sehr genau. Habe auch die Ahnung, dass trotz des Unverzeihlichen noch etwas Gutes aus meinem Leben werden könnte. Wenn auch mit Einschränkungen.
Die Theorie ist hier, an Bekanntem festzuhalten, auch wenn selbstzerstörerisch ist. Weil die Angst vor dem Neuen dem im Wege steht, denn Garantie gibt keine.


Vielleicht, vielleicht nicht hilft das ein wenig: Wissen ist gar nichts.

Sagt eine, die Deine Zeilen extrem gut nachvollziehen kann. Sie sind geprägt von einem, eigentlich sollte ich doch...
mich anders fühlen
Dinge anders angehen
Sachen anders tun
mich anders verhalten

eigentlich, weiß ich doch alles.

Und trotzdem.

Daraus ergab sich für mich Stillstand, Hoffnungslosigkeit und wenn wir große Worte weg lassen, nur das Gefühl, im Bett bleiben zu wollen und die Decke über den Kopf zu ziehen.

Und weißt Du was, Du erwartest jetzt sicher von mir den großen Wurf, die große Erkenntnis, den Rat...
Weißt Du was, es hat mich zehn Jahre gekostet, aber, wenn ich im Bett bleiben will und mir die Decke über den Kopf ziehen, inklusive, dann leiste ich nichts, verpasse Arzttermine und Zähne putzen ist ein Erfolg, wenn ich das tue, dann habe ich GRÜNDE.

Die mögen sich mir selbst nicht erschließen. Die mag ich bewerten. Die finde ich doof (höflich formuliert). Aber ich habe Gründe.

Das, was mir Angst gemacht hat, wenn ich das tue, war nie der Zustand, sondern die Enttäuschung. Andere zu enttäuschen und schlimmer die Enttäuschung meiner Erwartungen an mich selbst. Die haben immer alles verschlimmert.

Gab mir unter normalen Umständen, wird Dir oder mir langweilig nach vier Tagen im Bett und wir stehen freiwillig auf.
Wenn wir unter Druck sind nach 6 Tagen.
Wenn es schwerer Liebeskummer ist, dann bleiben wir vielleicht 8 Wochen liegen.
Und bei noch viel größerer Schei*e 12, aber wir stehen wieder auf.

Das Ding ist nicht, daß Du Dir nicht verzeihen kannst, das Ding ist, daß Du Dir einfach nicht vertraust.

Wenn Deine Zeit gekommen ist, wirst Du wieder aufstehen.
Woher ich das weiß? Weil all das, was Dich jetzt verzweifeln lässt, all das ist, was Dich auch immer wieder aufstehen lassen hat.

Wird die Wunde heilen?
Ehrliche Antwort: Vielleicht. Nicht alles heilt. Weißt Du, weiß ich und ein paar hier. Es gibt einfach Dinge, die nicht heilen, nicht alles ist mit ein paar Glückskeksweisheiten zu retten.

Aber Du wirst wieder aufstehen, um ein paar Tattoos reicher (so nennt man doch Narben heutzutage) und mit einer gewissen Ungeduld gegenüber Blödsinn oder eben den Glückskeksverkäufern.

Wenn ich darf, Du internalisierst immer noch die Wut, sich richtet sich gegen Dich. Dabei lässt Du zwei Komponenten außer Acht, die zwei tollsten Menschen können sich begegnen, aber wenn die Welt nicht mitspielt, reicht Leibe nicht und Liebe reicht schon gar nicht, wenn nur einer glaubt, es wäre das tollste, was einem passiert ist.
Die meisten Menschen können das nach drei bis 9 Monaten sehen, Du nicht nicht. Dafür gibt es sicher Gründe.

Aber Du wirst wieder aufstehen.

Egal wie lange es dauert.
Egal wie mühsam es sein wird.

Aber dann, stell Dir mal vor, was dann sein wird.

Versuch Dir mal vorzustellen, was nach Deinem wieder aufstehen sein wird.




Unmöglich?
Vielleicht, aber was wenn doch?

29.10.2021 22:52 • x 5 #1406


Bumich

Bumich


1360
10
1423
Zitat von Jetti:
In dem ich versuche zu verstehen, warum ich so sein konnte.

Und wie könnte dir das bei der Absolution helfen? Sorry für die ganzen blöden Fragen...

30.10.2021 00:10 • #1407


Jetti

Jetti


551
707
Zitat:
Eigentlich, weiß ich doch alles.

Und trotzdem.

Daraus ergab sich für mich Stillstand, Hoffnungslosigkeit und wenn wir große Worte weg lassen, nur das Gefühl, im Bett bleiben zu wollen und die Decke über den Kopf zu ziehen.

Wirklich treffend auf den Punkt gebracht, Danke.
Ich erinnere ich mich noch, wie ich Anfang des Jahres heulend vor meiner Ärztin saß, und sie zu mir sagte, mein Schmerz sei berechtigt und braucht Raum, aber ich dürfe nicht in Selbstmitleid verfallen. Das hätte ich gern geschafft, aber bin eben genau dort (im Selbstmitleid) gelandet. Habe also sie und mich enttäuscht.

Zitat von E-Claire:
Das Ding ist nicht, daß Du Dir nicht verzeihen kannst, das Ding ist, daß Du Dir einfach nicht vertraust.

Wie auch? So oft bin ich in meinem Leben schon an Punkte gekommen, wo ich mich fragte, was da eigentlich in der Vergangenheit mit mir los war. Wieso konnte ich dieses oder jenes zulassen, warum habe ich so gehandelt und nicht anders? Und leider betrifft das nicht nur einmalige Ereignisse. Nicht nur einzelne Fehler, wo man sagt, ich konnte es nicht besser wissen, und fehlerfrei ist schließlich keiner. Das sind durchaus längere Zeiträume, in denen mir doch eigentlich mal hätte auffallen müssen, dass da etwas schiefläuft.
Aus diesem Grunde fehlt mir das Vertrauen in mich. Dazu kommt das fehlende Vertrauen in das Leben.

Zitat von E-Claire:
Weil all das, was Dich jetzt verzweifeln lässt, all das ist, was Dich auch immer wieder aufstehen lassen hat.

Noch bin ich nicht sicher, ob ich diesen Satz richtig verstehe?

30.10.2021 19:47 • #1408


Jetti

Jetti


551
707
Zitat von Bumich:
Und wie könnte dir das bei der Absolution helfen? Sorry für die ganzen blöden Fragen...

Zunächst würde ich mal das Wort Absolution hier rausnehmen wollen.
Zwar habe ich es selbst ins Spiel gebracht, aber irgendwie erscheint es mir zu wortgewaltig.

Zum Verstehen:
Ich stelle mir das wie einen Weg vor, den ich in verschiedenen Etappen nacheinander gehen muss. Vielleicht ist das alles vollkommen verkehrt, aber für mich steht dabei am Anfang das Verstehen/Nachvollziehen. Es sind die Konsequenzen meiner Vergangenheit, die mich jetzt so quälen, aber irgendwie betrachte ich sie herausgelöst. Was aber auch klar ist: Niemals in meinem Leben hatte ich zu mir gesagt: Ich werde fortan etwas tun, dass ich mir später nie verzeihen kann! Der erste Schritt wäre also, sich die Zusammenhänge bewusst zu machen. Wahrscheinlich werde ich nicht alles nachvollziehen können, aber eine gewisse Grundlage sollte zu schaffen sein.

Station 2 ist dann das Akzeptieren, gefolgt vom Annehmen. Erst dann ist in meiner Vorstellung des Verzeihen möglich und im Anschluss das Vergeben. Ziel meiner Reise ist (Selbst)Vertrauen. Quasi aus der Vergangenheit, durch die Gegenwart in die Zukunft. Könnte das so funktionieren?

30.10.2021 20:55 • #1409


Bumich

Bumich


1360
10
1423
Zitat von Jetti:
Zunächst würde ich mal das Wort Absolution hier rausnehmen wollen.
Zwar habe ich es selbst ins Spiel gebracht, aber irgendwie erscheint es mir zu wortgewaltig.

Ich finde, es passt gut. Absolution ist doch genau das, was du suchst? Auf das du von deinen Sünden befreit wirst. Und fortan frei leben kannst. Wusstest du, das Wort -Sünder- bedeutet eigentlich nichts schlimmes. Es kommt, meine ich, aus dem alt Hebräisch. Aber lass mich nicht lügen. Und bedeutet: Jemand der den Weg verfehlt hat. Nichts von Schuld, Verurteilung, Buße und Sühne usw. Einfach nur jemand, der den rechten Weg verfehlt hat. Jemand, der auf den falschen Weg geraten ist.
Nicht mehr, nicht weniger. Jemand, der sich durch die äußeren Verlockungen des Lebens hat blenden und verleiten lassen und sich von sich selbst entfernt hat. Jemand, der sich selbst vergessen hat. Und weder wirst du dich in der Vergangenheit an dich erinnern, noch in der Zukunft.

Sei gewiss, dass begriffliche Gedanken und flüchtige Erinnerungen nicht genau zu identifizieren sind, vielmehr ohne Substanz in ihrer Bewegung. Wie die Winde am Firmament. Betrachte deinen eigenen Geist, um herauszufinden ob dem so ist oder nicht.

Sei gewiss, dass alle Eigenschaften eben dort , wo sie sind, befreit werden, wie die Wolken am Firmament, die natürlich entstehen und sich natürlich auflösen. Betrachte deinen eigenen Geist, um herauszufinden ob dem so ist oder nicht.

31.10.2021 09:21 • #1410



x 4




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag