Zitat von Isnogud: Grundsätzlich denke ich, dass das gut und gesund ist! Aber natürlich auch schade, dass es etwas einschläft. Trotzdem auch ein Zeichen der Entwicklung, eben nicht Stillstand (?)...
Klar, dass es nicht auf Dauer in dieser Schreibfrequenz weitergehen würde, war mir irgendwie bewusst. Das Wort Stillstand bezog sich auch nicht auf den Thread. Ich sehe das im Rückblick als eine Zeit an, in der ich einfach nicht mit all den Fragen zurechtkam, immer wieder neue auftauchten, ich verzweifelt nach dem richtigen Weg suchte. Wollte mich möglichst umgehend von diesem Schmerz befreien. Ja, und da waren eben auch die direkten Situationen, in die ich immer wieder geraten bin, und jedes Mal konnte ich hier davon erzählen.
Wenn man so will die "akute Phase". So würde ich da jedenfalls mal für mich bezeichnen. Es hat mir auch sehr geholfen zu verstehen, was da mir mir los ist. Weil es anderen ganz ähnlich geht, und es tatsächlich Erklärungen gibt, was da passiert und diesen Kummer hervorruft.
Irgendwann kam dann die Zeit, als ich mit all dem einigermaßen leben konnte und musste. Die Fragen nicht mehr so quälten. Vorbei war es nicht, aber als mir klar wurde, diese unbedingte Suche wird viel umfangreicher werden, und von heute auf morgen funktioniert das nicht, kehrte tatsächlich so etwas Ruhe ein. Oder besser gesagt, sich der Situation erstmal zu ergeben, sie anzunehmen. Ich hatte ja auch soviele Antworten hier bekommen, Tipps, Ermunterung und musste sehen, was davon wirksam werden würde. Deshalb habe ich auch hier nicht mehr so viel geschrieben.
Wie Du schon schreibst, liebe Isnogud, ein Zeichen der Entwicklung. Für uns alle.
Zitat von Isnogud: In wie fern Stillstand? Stillstand in dir generell? Oder was IHN angeht?
Wohl beides, vorrangig aber was IHN angeht. Was mir so sehr zu schaffen macht ist, dass er nach wie vor so sehr präsent in meinem Denken ist. Das ist nicht zu fassen. Natürlich gab es auch hier eine Veränderung. Vor Monaten noch gab es viel zu viele Tage, in denen ich deshalb zu nichts anderem fähig war. Weil diese Gedanken so sehr bestimmend waren, ich nur Traurigkeit spürte und froh war, wenn ich wenigstens im Schlaf mal für ein paar Stunden Ruhe fand.
Jetzt sind das eher einzelne Tage, manchmal gar nicht unbedingt komplett, weil es mir eher gelingt, etwas anderes in den Blick zu nehmen. Oder weil das Denken nicht immer unmittellbar mit Emotionen verbunden ist. Mich nicht jedes Mal in dem Maße berührt, wie das vorher der Fall war. Dann stelle ich fest: Sieh mal an, das waren jetzt durchaus neutrale Gedanken. Absurd eigentlich, denn dann denke ich ja über mein Denken nach. Geht es noch komplizierter?
Stillstand deswegen, weil es nie wirklich aufhört. Selbst nach so langer Zeit. Und wenn ich doch mal bisschen an der Oberfläche schwimme, kommt garantiert wieder eine Welle, die mich komplett untergehen lässt.
Bumich schrieb mal, dass es mein Problem sei, all das zu glauben, was ich denke. Und das die Angst, ich könne all das nicht hinter mir lassen, dies dann vielleicht genau bewirkt. Er hat recht. Ich weiß das alles.......
Zitat von Erdbeerquark: Und ganz viel Projektion.
O ja. Ich sehe in diesem Mann immer noch den EINEN außergewöhnlichen Menschen.
Ich kann nicht wütend auf ihn sein, den er hat nichts falsch gemacht.
Zitat von Isnogud: Und das irgendwie beides Platzhalter und Symptome sind, das WIRKLICHE Problem in uns nicht ansehen/lösen zu müssen/können.
Und das es da irgendwie nicht weitergeht, trotz wider besserem Wissens.
Wenn ich gnadenlos ehrlich auf mich schaue, dann bleibt nicht viel von mir übrig.
Damit klarzukommen, das ist mein Thema.
Selbstwert, dieses große Wort. Im Moment gibt es hier einen Thread, wo die TE zwar in einer völlig anderen Situation ist, aber ich in ihr vieles von mir wiedererkenne. Sie ist zudem in einem ähnlichen Alter und hat ihren Wert komplett über die Liebe zu einem Mann definiert. Auch ich würde ihr schreiben, sich nicht davon abhängig zu machen, sondern sich auf sich selbst zu konzentrieren, ihren eigenen Wert zu erkennen.......Und tue genau das für mich selbst nicht.
Besser gesagt, ich versuche es zwar, aber es gelingt mir nicht.
Das ist die eine Sache.
Ein weiterer Fakt ist sicher der ganz natürliche Wunsch nach Nähe und Verbundenheit zu einem anderen Menschen.
Diese tiefe Traurigkeit ist wohl auch darin begründet, selbst nie erlebt zu haben, so sehr geliebt zu werden. Ist das Egoismus? Vielleicht.
Zitat von Anlachen: Ist denn da ein wirkliches Problem in Euch oder ist es das allgemeine Unbehagen, das wohl nahezu alle gerade etwas befällt, mit langem Winter, Corona, unendlichen Aufgaben? Die Tage, die noch gar nicht länger werden wollen, die vielen veränderten Abschnitte?
Die belastende Situation durch Corona wirkt natürlich auch irgendwo, aber hauptsächlich kämpfe ich mit mir und meinen ganz eigenen Schwierigkeiten. Mir ist sehr bewusst, dass ich bezüglich Corona in einer komortablen Position bin, keine Einschränkungen oder Existenzängste bezüglich der Arbeit haben muss. Bis auf die schwierigen Wochen im letzten Dezember, als meine Eltern krank waren, bin ich auch privat kaum betroffen. Im Moment komme ich mit den Einschränkungen ganz gut klar, kann mich zurückziehen, ohne dass es igendwie ungewöhnlich wäre.
In der Zwischenzeit wurden hier schon andere Antworten geschrieben, aber ich schicke das trotzdem mal so ab.
Zwar kommt mir mein eigener Text so unvollständig vor, aber mir fehlt grad irgendwie der rote Faden.