@Bumich, @Isnogud
Ich versuche jetzt mal, gleich Eure beiden Beiträgen vom Sonnabend einzubeziehen, weil meine Antworten sich sonst zu sehr ähneln würden
Zitat von Bumich: Wenn dem so wäre gäbe es ja keine Chance auf Heilung, denn der Verstand ist ein Teil von uns.
Klar, das Denken gehört dazu. Nur geht mein Verstand den falschen Weg. Ich gehe den falschen Weg. Mache mich auf die Suche nach Gründen, warum es vielleicht nicht hat sein sollen, oder sogar besser ist, dass daraus nichts geworden ist.
Und ja, damit übernehme ich keine Verantwortung, will es mir auf diese Weise irgendwie erträglich machen. So, dass es mir "in den Kram passt", das hast Du, liebe Isnogud ganz treffend beschrieben.
Denn Verantwortung schliesst ja die Auseinandersetzung mit meinen eigenen Fehlern ein, die dazu letztlich auch beigetragen haben.
Zitat von Isnogud: Aber im Grunde ist genau das schon passiert, oder? Es sollte nicht sein...
Du hast natürlich recht, es ist ja eine Tatsache, dass aus IHM und mir nichts geworden ist. Ich muss diese Wahrheit akzeptieren, nicht mehr und nicht weniger
Akzeptanz ist DIE große Aufgabe für mich, und dann von dem Punkt auszugehen, auf dem ich jetzt und heute stehe. Kein "was wäre gewesen wenn.".
Die Vergangenheit ist Vergangenheit, unabänderbar, vorbei, unwiderruflich. ER WOLLTE MICH NICHT. Warum auch immer. Und selbst wenn ich Fehler gemacht habe, dann ist das eben so gewesen. Dies anzunehmen gehört genauso dazu. Klappt bei mir aber sehr schlecht. Da ich mich für meine Fehler verurteile, mir Vorwürfe mache usw.
Weil ich sie ja auch ungern wiederholen möchte. Aber meistens ist es dann sowieso in der Zukunft eine andere Frage, die das Leben stellt, und die Erkenntnisse aus Vorangegangenem nur bedingt übertragbar.
Ich bin echt ein Problemfall!
Zitat von Bumich: Du willst halt nur keine Verantwortung übernehmen. Darum ist sie bitter. Das ist alles.
Stimmt schon, eine Erkenntnis ist erstmal etwas Gutes. Bitter allerdings, wenn es nur beim Erkennen bleibt, und nicht im Fühlen und Handeln ankommt. Manchmal, wenn ich früh aufwache denke ich bei mir: "Ach Mist, schon wieder ein langer Tag vor mir, wo ich mich mit all dem auseinandersetzen muss. Warum kann das Leben nicht mal einfach sein?" Die Antwort kenne ich: Es liegt an mir, dass es (noch immer) so schmerzhaft ist.
Zitat von Isnogud: Okay... Ich finde ja, als schöne Erinnerung, dürfen diese Männer und Zeiten durchaus bleiben. Sie dürfen eben nicht das aktuelle Leben beeinflussen und uns daran hindern, uns auf neues einzulassen. Vielleicht ist in deinem konkreten Fall dann tatsächliche erst mal eine "Löschung" sinnvoll.
Ja, die Erinnerung . Aber im Moment ist sie eben nicht schön, sondern quälend. Und hält mich fest. Deshalb soll und muss ER erst einmal verschwinden aus meinem Denken, bzw. so wenig wie möglich Raum einnehmen.
Zitat von Bumich: Erst muss angenommen und akzeptiert werden. Erst muss Verantwortung übernommen werden
Ich werde jetzt also nochmal an der Reihenfolge arbeiten. Radikale Akzeptanz, Annehmen und Verantwortung....und dann kommt das Loslassen quasi als unmittelbare Folge. Viel später irgendwann die Erinnerungen.
Und während all dem immer der Blick nach vorn!
Ich danke Euch!
Zum Schluss noch eine kurze, leider bezeichnende Episode vom Wochenende. Ich hatte ja erzählt, dass ich die Tage mit meinen Geschwistern verbracht habe. Am Sonntag sind wir raus zu den Kühen gefahren, die meinem Neffen gehören. Kinder und Erwachsene, im Traktor bzw. auf dem Hänger. Es war herrliches Wetter, die Landschaft phantastisch, die Kinder begeistert, der Fahrtwind blies mir ins Gesicht, es war ein Gefühl von Freiheit. und ich spürte diesen einmalig vollkommenen Moment ganz intensiv. Wie man ihn so bewusst auch nicht immer erlebt. Ich war tatsächlich glücklich!
Warum habe ich trotzdem, auch in dieser unbeschwerten Situation auf einmal wieder an IHN gedacht? Vollkommen bescheuert! Weil ich unbedingt noch die Kirsche auf dem Eis will? Alles auf ihn konzentriere? Tatsächlich habe ich mich auch schon mal gefragt, auf was ich ohne Zögern verzichten würde, hätte eine Beziehung zu diesem Mann eine Chance gehabt.
Gestern, zum Glück, habe ich mich recht schnell wieder eingekriegt, und konnte den Tag und das Zusammensein mit den Anderen dann auch genießen.
Danke für's Lesen und Eure Geduld mit mir. Die Fragezeichen im Text dienen mehr meiner eigenen Strukturierung, Ihr braucht darauf nicht nochmal eingehen. Im Grunde ist die Theorie ja klar, aber in der Praxis happert es eben noch gewaltig. Leider.
......Über die Anmerkungen zur Psychotherapie muss ich noch ein wenig nachdenken. Das würde jetzt zuviel an Text.
Bis demnächst wieder!