Zitat von Jetti: Sozusagen denke ich, ich hätte das gleiche erlebt, aber ein anderer Mensch sein müssen, damit es "gut" ausgegangen wäre. Irgendwie komisch!?
Nein, ich finde das gar nicht komisch. Weil dir dieser Gedanke zeigt, dass du der Meinung bist Defizite zu haben oder du mit den dir gegebenen Möglichkeiten oder Eigenarten gewissen Situationen nicht oder noch nicht gewachsen warst. Ich denke, dass da in dir drinnen etwas ruft und dir sagt, dass du mit dir nicht zufrieden bist und es Baustellen gibt, die du abgearbeitet haben möchtest.
Die Frage ist nur, ob man sich selbst gegenüber eine zu hohe Erwartungshaltung hat, sich selbst nicht akzeptieren mag oder sich verbiegen möchte um jemand zu sein damit es im Zwischenmenschlichen besser funktioniert.
Oder ob es da tatsächlich Dinge gibt die es aufzulösen gilt.
Zitat von Jetti: Wie gelingt es Dir, diese Gedanken nicht übermächtig werden zu lassen?
Dich davon zu befreien?
Das ist fällt mir mal mehr und mal weniger schwer. Diese Gedanken werden stärker und lassen sich schlechter abschalten wenn ich generell schon nicht so gut drauf bin. Ich guten Phasen kommen mir solche Gedanken eigentlich kaum oder nie.
Ich versuche dann milde mit mir zu sein und mir immer wieder zu sagen, dass ich die Vergangenheit nicht ändern kann aber für die Zukunft alles mir mögliche versuchen kann. Es ist noch nicht zu spät dafür und versuche dankbar dafür zu sein, dass ich überhaupt gemerkt habe, dass ich diese Defizite habe. Hätte ich also gewisse Dinge nicht erlebt, wäre mir das alles gar nicht bewusst geworden und ich denke, es ist eine tolle Sache dass man überhaupt bemerkt, dass man Probleme hat und an diese herangeht. Die meisten Menschen sind sich dessen sicher nicht mal bewusst und denken kaum über sich nach. Ich selber strebe aber danach immer ein Stück weit besser zu werden und das gibt mir in diesen Momenten dann auch immer irgendwie ein wenig Trost.
Zitat von Jetti: Ich merke, es ist reine Selbstzerstörung so zu denken, und tue es trotzdem.
Das tue ich eben auch und ich denke die Ursache ist ein mangelnder Selbstwert. Wenn ich mir wichtig bin und mich so akzeptiere wie ich bin oder es kein Muster aus frühester Kindheit ist, kommen einem selbstzerstörerische Gedanken vermutlich nicht.
Wie ich schon schrieb, wenn es mir gut geht und ich zufrieden bin und meinen Wert kenne und mich akzeptiere dann kommen mir diese Gedanken gar nicht. Dazu hole ich gleich aber noch etwas mehr aus.
Zitat von Isnogud: Mir ist heute erst wieder so stark bewusst geworden wie groß tatsächlich die Angst vor der Ablehnung und dem Verlassenwerden ist.
Das ist genau das was ich bei mir auflösen muss und bin da vermutlich schon auf einen guten Weg.
Generell behaupte ich über mich, dass mein Selbstwert nicht so klein ist, ich mich anderen gegenüber behaupten und meine Meinung vertreten und auch durchsetzen kann wenn´s mir wichtig ist. Nur wenn mir weibliche Personen emotional sehr viel bedeuten funktioniert das weniger gut.
Ich habe im Zusammenhang mit meiner Mutter in meiner Kindheit keine schönen Erinnerungen. Alles was mir einfällt sind Schläge und Beleidungen. Ich kann mich nicht erinnern, in den Arm genommen worden zu sein oder ein liebes Wort gehört zu haben. Die schlechten Dinge blieben nachhaltig in Erinnerung.
Da man als Kind von seinen Eltern geliebt und anerkannt werden möchte ist es mir bis heute nicht wirklich möglich mich meiner Mutter gegenüber durchzusetzen oder einen Streit mit ihr zu führen in dem ich nicht nervös und fahrig werde.
Bei meiner letzten Ex fiel mir diese Nervosität bei unserem ersten Streit auf. Eigentlich war es gar kein Streit. Sie kritisierte mich lediglich und gab mir das Gefühl Eigenschaften von mir nicht annehmen zu wollen. Ich bekam Angst, wurde nervös im Bauch und fahrig im Kopf.
Ich erklärte mich nur und war nicht fähig meinen Standpunkt zu vertreten. Angst vor Ablehnung und Verlustangst setzte ein. Damit verlor ich Augenhöhe und dieses Spiel wiederholte sich immer mehr. Dadurch verlor ich mich immer mehr und wollte immer wieder für Harmonie sorgen damit "Mutti" wieder lieb zu mir ist bzw. mich so annimmt wie ich bin.
Dieses meinige Verhalten ist mir schon aus einer Beziehung bekannt, konnte das aber nie wirklich auflösen bzw. erkennen.
Mit meiner Mutter hatte ich mich letztes Jahr schon auseinander gesetzt und ihr meine Erinnerungen mitgeteilt und auch, dass ich für sie Entschuldigung gefunden hätte. Insoweit schon mal auf einem guten Weg.
Vor einigen Monaten zwang ich mich förmlich zu einem Konflikt mit ihr weil ich mich über etwas geärgert hatte. Mit der Folge, dass mir schlecht im Magen und ich nervös wurde.
In bisherigen Gesprächstherapien war das Verhältnis zwischen meiner Mutter und mir immer wieder mal Thema aber es führte immer nur dazu, dass ich mich während der Therapien immer schlechter fühlte, ich mich immer mehr klein machte und immer mehr an Selbstwert verlor.
Zuletzt bin ich bei einer Traumatherapeutin vorstellig gewesen und die pflanzte in mir nun die Hoffnung, dass Ganze endlich auflösen zu können indem ich mittels einer Augentherapie (komme auf den Fachbegriff nicht; man setzt sich mit alten Themen auseinander während man mit den Augen ihren Fingerbewegungen folgt) die Erlebnisse aus meiner Kindheit verarbeitet bekomme weil das Hirn über die Augen sehr viel besser verarbeitet und eine reine Gesprächstherapie die alte Sauce eben nur immer wieder nach oben spült und man nicht verarbeitet und sich dadurch schlechter fühlt. Tolle Frau nebenbei bemerkt.
Ich will damit nicht die Verantwortung auf meine Mutter abwälzen...um Gottes Willen...ich folge nur eben ganz offensichtlich alten Mustern. Zeige dich gefällig damit Mama dich lieb hat.
Ich ärgere mich nicht mehr, dass jetzt erst alles richtig realisiert zu haben. Ich freue mich tatsächlich viel mehr nun einen Ansatz zu haben um ein Stück besser zu werden. Natürlich bedaure ich unter anderem deshalb eine Beziehung durch mein Verhalten geschrottet zu haben und im mir entgegengebrachten Respekt und an Augenhöhe immer weiter abgerutscht zu sein.
Aber der Blick nach vorne ist positiv und ich bin erleichtert des Auflösens wegen und das tröstet mich wieder.
Ich hoffe, ich hab hier bei meiner Schreiberei nicht den Faden verloren
😉 Zitat von Jetti: ich aus eigener Erfahrung weiß, dass Ängste ziemliche Ausmaße annehmen können. Und im schlimmsten Fall vermeidet man irgendwann komplett, nur damit nicht passieren könnte, wovor man Angst hat.
Genau diese Erfahrung habe ich eben auch gemacht. Verlustangst und Angst vor Ablehnung bringen mich dazu Harmonie zu suchen und wieder herzustellen. Dadurch verbiege ich mich in dem ich Dinge schlucke und sie nicht zur Sprache bringe mit der Ausrede, dass es den Ärger nicht wert ist.
Dadurch verliert man sich aber immer mehr und wenn dann das eingetreten ist wovor man Angst hatte, wird einem das Ausmaß seines Verhaltens erst richtig klar mit dem nötigen Abstand und ich fange an mich über mich selbst zu ärgern und dann setzen diese zerstörerischen Gedanken ein. Warum hast du dies nicht? Warum hast du das nicht? Hast du keinen Selbstwert, keinen Respekt vor dir selber?
Alles scheint dann mit einem selbst nicht mehr richtig zu sein und man läuft Gefahr in einen Strudel des sich absolut nicht anerkennen Wollens zu geraten.
Auch das sind dann nicht mehr meiner Worte sondern vermutlich die strafenden Worte meiner Mutter die ich mir selber sagen muss weil meine Mutter ja nicht mehr zugegen ist.
Aber für solche Dinge soll es Werkzeuge geben, laut dieser Traumatherapeuten bzw. meinen Gesprächstherapeuten die sich meiner in der Zwischenzeit angenommen haben bis der ersten Termin mit der Trauma-Dame in Angriff genommen werden kann.
Zitat von Jetti: Dass mich jemand kennenlernt und sich gegen mich entscheidet ist der große Trauma-Trigger.
Kann ich nur bestätigen. Dadurch, dass ich binnen 14 Monate sieben Menschen ziehen lassen musste, die ich nicht ziehen lassen wollte, ist es mittlerweile bei mir so, dass ich derzeit niemanden neues kennenlernen möchte. Ich halte mich in meinem kleinen Freundeskreis und Familienkreis auf weil ich weiß woran ich bei denen bin. Das gibt mir Sicherheit während ich derweil an mir selber arbeiten kann.
Tschuldigung für die viele Tippelei...ist doch ausgeufert. Habt einen schönen Start in die Woche.