Jetti
Mitglied
- Beiträge:
- 1953
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 4445
- Mitglied seit:
Zitat von Blümle72:Mit geht es genauso wie Jetti. Ich leide und komm da einfach nicht raus. Dieser blöde Beziehung Wunsch kann ich nicht einfach abstellen
Inzwischen denke ich schon, dass mein Leiden mehr oder weniger freiwillig ist. Denn ich lasse noch viel zu sehr zu, dass ER in meinem Denken eine Rolle spielt. Gestern sagte mir eine gute Bekannte: "Du musst auch wirklich wollen. Mit allen Konsequenzen."
Irgendwie ist da wohl immer noch meine Hoffnung, wenigstens auf freundschaftlichen Kontakt.
Dass irgendwas, ein klitzekleines Bisschen von dem Zauber bleibt.
Ich hätte jederzeit die Gelegenheit ihm zu schreiben, und von ihm kämen garantiert nette Worte zurück. Schon jetzt überlege ich, was ich tue, wenn er im Herbst Geburtstag hat. Schreiben oder nicht? Dann denke ich: So ein Blödsinn, mir jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen, ich entscheide dann, wenn es soweit ist. Es scheint unvorstellbar, ihn komplett aus meinem Leben zu verbannen.
@Isnogud schrieb mal, dass die schönen Erinnerungen ja bleiben dürfen und sollen. Das stimmt, aber sie sind erst dann schöne Erinnerungen, wenn sie nicht mehr wehtun.
So vieles versuche ich, um wegzukommen von meinen Gedanken, aber es gelingt mir nur begrenzt. Tue ich all das vielleicht zu halbherzig? Das ist es, was mir grad so durch den Kopf geht.
Meine Bekannte erzählte mir gestern, sie habe sich das Wort "J." an den Spiegel geschrieben.
Auch sie hat Liebeskummer, will sich aber immer wieder deutlich machen, was die ganze Situation mit ihr gemacht hat.
Ja, und abhängig war auch ich, und sehne mich nach meiner Dro.. Würde sooooo viel (nicht alles) dafür tun, noch einmal diese Zeit vom letzten Jahr zu erleben. Natürlich gern mit Happy End.
Aber was wäre das Happy End gewesen? Die Beziehung mit IHM? Möglicherweise hätte es überhaupt nicht funktioniert. Tatsächlich habe ich mir auch schon vor Augen geführt, was an Schwierigkeiten und Problemen vielleicht aufgetreten wäre, denn wir haben beide eine Geschichte.
Aber all das Denken führt zu nichts. Ich könnte es also sein lassen, sollte es lieber zu den Akten legen.
Zitat von Blümle72:Und dann immer der blöde Neidblick auf andere
Neid, ja das ist so eine Sache, die man ungern zugibt. Aber erst einmal ist es ein Gefühl, und Gefühle sind nicht grundsätzlich gut oder böse, bzw. man ist es nicht als Mensch, wenn man diese hat.
Natürlich beneide ich seine neue Freundin, aber kapiere auch, dass ich mir selbst damit schade.
Weil ich zulasse, dass das Außen Macht über mich hat, und ich es nun mal nicht ändern kann.
Bei Dir konnte ich es nicht so ganz rauslesen, was Du meintest. Ist es der Neid auf glückliche Paare oder auf Menschen, die stark sind, Entscheidungen treffen und aus ihrer Leidenssituation herausfinden?
Entscheidungen zu treffen fällt mir ähnlich schwer, eben aus der Angst heraus, Fehler zu machen Eventuell sogar wieder Schuld an etwas zu sein. Es gibt einiges in meinem Leben, das ich jetzt als Fehler sehe, und das ich gern anders gemacht hätte. Und ja, dafür verurteile ich mich, kann mir das nicht verzeihen. Die nächste Sackgasse, in die mich mein Denken führt.
Einen Punkt darunter zu setzen geht irgendwie nicht. Dann müssen wenigstens Gründe her, oder eine Rechtfertigung. Ich bin an dieser Stelle nicht ehrlich zu mir. Müsste doch sagen können: Ja, das war ein Fehler, und für die Konsequenzen trage ich die Verantwortung. Das tue ich nicht, weil ich mich sonst noch mehr verurteile.
Meine Psychologin brachte mal den Begriff "Rückschaufehler" ins Spiel.
Eben das Beurteilen eines Fehlers aus der Vergangenheit als vermeidbar. Man hätte es besser wissen müssen, oder voraussehen, was passiert. Schlimm auch, wenn einem das sogar noch jemand sagt.
Aber so ist es/war es eben nicht. Entscheidungen die zu vermeintlichen Fehlern geführt haben, traf man zum damaligen Zeitpunkt in der Vergangenheit, mit dem Wissen und den Erkenntnissen von damals.
Sicher gab es wie bei den meisten Sachen Unsicherheiten, aber man konnte trotzdem nicht wissen, was man heute weiß.
Das leuchtete mir ein, und ein bisschen hat es mir auch geholfen gnädiger mit meiner Vergangenheit zu sein. Was ich mich aber ernsthaft fragte: Habe ich überhaupt genug Dinge selbst entschieden, oder war ich doch zu abwartend und wollte das Leben entscheiden lassen? Leider muss ich heute diese Frage mit JA beantworten.
Das Leben erwartet immer wieder Entscheidungen, und tatsächlich sehe ich heute ein, dass wohl selbst eine "falsche" Entscheidung besser ist als gar keine. Zumindest, wenn man in einer unglücklichen Situation feststeckt.
Ich habe mir einen Zettel in die Handyhülle gesteckt, um ihn immer wieder vor Augen zu haben:
Leben oder Leiden.
Auf den ersten Blick eine einfache Entscheidung. Aber eben auch mit der Konsequenz, etwas dafür zu tun. Was ich ja durchaus mache, mich dann aber auch (gern?) wieder in meinem Schmerz und der Sehnsucht vergrabe.
Zu der Aussage meiner Bekannten, ich müsse das auch wirklich wollen, passt ein Ausspruch des Coaches Jens Corssen. Er sagt: "Wo ich bin, will ich sein." Das bezieht sich jetzt nicht nur auf einen Ort, sondern auch auf die Umstände in denen man lebt.
Da dachte ich auch zuerst: Moment mal, ich will doch gar nicht sein, wo ich bin.
Aber es stimmt wohl doch, denn man wählt ja intuitiv das geringste "Übel". Vielleicht aus Bequemlichkeit, aus Angst vor dem was kommen könnte, weil der Preis für eine Veränderung zu hoch erscheint, man sich überfordert fühlt.
Das hat mir sehr zu denken gegeben. Es gilt für all das, was in meiner Hand liegt.
Zitat von Blümle72:Ich bewundere echt die Menschen, die sich nicht so verkopfen und denen es gelingt, das beste aus Situationen zu machen und andere Sichtweisen erkennen.
Das tue ich auch. Und flechte dabei leider gleichzeitig ein Urteil über mich selbst ein. Weil ich es ja nicht kann.
Jeder bewältigt die Dinge anders. Wir brauchen eben etwas länger.
Andere Sichtweisen sind uns doch auch schon klar geworden. Wir müssen nur herausfinden, was letztlich für uns passt. Damit wir dort wo wir sind, nicht nur sein wollen, sondern GERN dort sein wollen.
Das waren nur mal ein paar meiner Gedanken. Vermutlich ist Dir vieles selbst durchaus klar, und sicher spielen für Dich noch ganz andere Dinge eine Rolle.
Ich hoffe, es gelingt Dir, Deine Zerissenheit zu überwinden. Wie auch immer. Durch Veränderung, durch Annehmen dessen was ist.....Zweifel, ob man das Richtige tut, gehören dazu und werden vielleicht nie ganz verschwinden. Aber sie sollten nicht das Leben bestimmen.
Soweit mal wieder die Theorie..
Liebe Grüße.