Bumich
Gast
Zitat von Ampelmännchen:Naja, ich denke wir Menschen sind soziale Lebewesen. Wir brauchen irgendwo wohl schon die Nähe und Bestätigung von anderen um unseren Platz im sozialen Gefüge wirklich erkennen zu können.
Wäre ich ein Eremit, irgendwo in der Höhle auf einem einsamen Berg lebend und voller Liebe für mich selbst, würde das sicherlich gut funktionieren aber in der Gesellschaft geht das wohl so nicht. Vermutlich würde ich mich durch diese Art und Weise sogar von meinem sozialen Umfeld ausgrenzen
Spannende Frage eigentlich. Ist der Mensch tatsächlich in der Lage völlig unabhängig von anderen Wesen zu sein? Und wenn ja, würde er sich damit ausgrenzen? Und wenn weiter ja, was würde das aus ihm machen?
Vielleicht habe ich mich auch unpräziese Ausgedrückt. Was ich sagen wollte, es ist fantastisch und wunderschön unser Sein mit einem geliebten Menschen zu teilen. Aber genau so fantastisch und wunderschön ist es, wenn kein geliebter Mensch da ist. Mit einem anderen geliebten Menschen zusammen sein ist fantastisch. Mit meinem geliebten Menschen allein sein, ist genau so fantastisch. Wenn Liebe da ist, ist es immer fantastisch. Ob ich nun allein oder in Gesellschaft bin. Ganz egal.
Und um allein zu sein muss man nicht in die Einsamkeit der Berge. Alleinsein kannst du überall. Hast du dich trotz Gesellschaft schon einmal einsam und allein gefüht? Ich ja. Emotional ist Alleinsein auch in Gesellschaft möglich. Betrachtet man sein Alleinsein genauer, stellt man fest, dass Alleinsein unsere wahre Natur ist. Wir werden allein geboren und wir sterben allein.
Würde etwas so tief in uns eindringen, dass unser Alleinsein aufgehoben würde, wären wir auf der Stelle tot. Alleinsein ist unsere Natur.
Und genau, in Gesellschaft funktioniert das nicht. Auch einleuchtend. Je weniger du in die Gesellschaft passt, je näher bist du daran, dich zu finden. Für die Gesellschaft scheinen sie auf den ersten Blick wie asoziale. Aber das ist nicht so.
Selbstliebe ist eigentlich ein irreführender Begriff. Weder kann man jemand anderen, noch sich selbst lieben. Sobald die Liebe ein Objekt hat, ist es das sichere Zeichen die Liebe verfehlt zu haben. Wer aber nur um der Liebe willen liebt, weil es einfach so schön ist, einfach so aus sich selbst heraus, ohne Triggerobekt in der Welt der Erscheinungen, was kann dem noch passieren?
Wer seinen Wert aus sich selbst heraus schöpft, was kann dem noch schlimmes passieren? Was will er da noch groß von der Gesellschaft? Der Kuhhandel ist vorbei.
Aus sich selbst heraus? Wie soll das gehen, wurde uns doch eher eingetrichtert, Liebe und Aufmerksamkeit nur gegen Gegenleistung zu bekommen. Das du bist, war für die anderen noch nie gut genug. Das größte Wunder überhaupt, zu sein, hat noch nie ausgereicht. Nein. Du musst dieses und jenes sein. Nett, lieb und gehorsam musst du sein. Gutaussehend, reich und mächtig, ein guter Vater, eine gute Mutter. Ein liebes Kind. Ein aufopfernder Angestellter. Ein strebsames Rädchen in der Matrix. Rollen über Rollen die wir auferlegt bekommen. Und selbst das reicht ihnen noch nicht. Selbst dann ist man ihrer Liebe, Aufmerksamkeit und Achtung nicht wert.
Im Zen gibt es eine alte Weisheit. Vor der Erleuchtung, hacke Holz und trage Wasser. Nach der Erleuchtung, hacke Holz und trage Wasser.
Ich denke, der Gesellschaft kann man sich auf dauer nicht entziehen. Selbst in den einsamsten Bergen erschaffen wir uns wieder eine Gesellschaft. Dann halt mit den Tieren und Pflanzen. Morgends singt immer ein Vogel. Wenn er dann eines tages nicht mehr singt, machst du dir sorgen. Was ist mit ihm los? Warum weckt er mich nicht mehr, mit seinem bezaubernden Gesang? Sorge und Probelm. Und schon steckt man wieder mitten drin, in einer selbst erschaffenen Gesellschaft. Einzig was sich geändert hat sind die Objekte in dieser Gesellschaft. Dieses Phänomen aber, besteht weiterhin. Es scheint tief verwurzelt in uns zu sein. Eben so wie das Bedürfnis auch mal allein sein zu wollen.
Ich behaupte, Menschen sind weder sozial, noch asozial. Negativiert ausgedrückt. Man könnte auch sagen, Menschen sind sozial und asozial. Positiviert. Kommt aber auf selbe raus. Dialektisch gesehen kein Unterschied.
Sozial und asozial sind nicht zu trennen. Ist eines davon da, ist auch das andere vorhanden. Ist eines davon weg, ist auch das andere weg. 2 Pole des selben Phänomenes. Wichtiger ist doch die Frage: Wer oder was ist das, der sozial oder asozial sein kann? Wo in mir ist dieses etwas, dass dieses Phänomen erzeugen kann? Wo in mir ist die Quelle?