Zitat von Bumich: Du klingst ziemlich verbittert und gefrustet. Wenn ich das mal so sagen darf.
Heute Morgen las ich das zuerst und seitdem hat mich deine Aussage nicht los gelassen und spukte mir ständig im Kopf herum denn das ist nun das zweite Mal, dass du mir das schreibst. Daher habe ich mich über die Bedeutungen "verbittert" und "frustriert" mit jemand anderem unterhalten und so langsam glaube ich, dass ich darunter bislang etwas anderes verstanden habe als du. Vorab aber zu aller erst...
...ich verstehe nicht wie du darauf im Zusammenhang mit meinem und von dir angebrachten Zitat kommst.
Darum kurz zur Erläuterung: es ging mir darum sich von Menschen frei zu machen, die einem nicht gut tun. Freunde, Bekannte, Kollegen, Arbeitgeber, Familienmitglieder und natürlich auch Partner. Menschen mal mehr oder weniger oder komplett meiden, die einem mehr Energie rauben als sie zur Erholung beitragen. Und sich eben nicht gezwungen fühlen und gute Miene zum Spiel zu machen. Das fängt bei banalen Kleinigkeiten an...wie z.B. die Oma sonntags in die Kirche meinetwegen begleiten wenn das gar nicht dein Ding ist, du es nur für sie machst und eigentlich abgenervt bist. Oder der Kumpel, der nur über seine Krankheiten meinetwegen reden kann und die Unterhaltungen dann einfach keinen Spaß machen und du schon gar nicht mehr hinfahren magst.
Und geht eben bis ins große wo du dich von deinen Eltern, deinem Arbeitsplatz oder deinem Partner entsagst.
Ich wollte nicht andeuten, dass ich von der Sorte Typ bin, der sich auf Teufel komm raus krumm macht und verbiegt, nur um zu gefallen.
Wie drücke ich das folgende aus, damit es klar und verständlich ist?
Ich nehme mal dein Zitat...
Zitat von Bumich: Der eigene Wert wird ausschließlich oder hauptsächlich von dem Verhalten/ Aufmerksamkeit und dem Reden der anderen abhängig gemacht.
Nein. Im großen und ganzen möchte ich über mich behaupten, dass das so nicht zutrifft und ich möchte versuchen es zu erklären und damit kommen wir dem "verbittert" vielleicht auch näher.
Von klein auf spiele ich alles herunter wenn ich in den Augen anderer etwas kann oder in etwas gut sein soll. Ich schreibe jetzt mal etwas, was du mich nie sagen hören wirst:
Ich kann handwerken vom schränke bauen bis zum Fliesenlegen, kann zeichnen, Gitarre spielen und dabei singen, Gedichte schreiben, bin kreativ, kann Kung Fu, bin nett, charmant, aufmerksam, empathisch, lustig..nur mal so als Beispiel.
Verbal werde ich das immer relativieren. Egal wer mich dafür lobt, mir Beifall spendiert und mir oder anderen gegenüber das ein oder andere erwähnt...ich möchte es nicht hören.
Es reicht mir eine Geburtstagskarte zu malen und das ich jemandem damit ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Ich mag aber dann nichts mehr weiter hören. Ein danke ist gar nicht nötig oder wie toll die ist oder das ich das besonders gut kann. Und das würde ich auch nie von mir behaupten. Ja, ich zeichne. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger.
Und weiter...ja, ich habe tolle Freunde und die halten eine ganze Menge von mir und können das auch benennen. Auch das steigert meinen Selbstwert nicht. Ganz im Gegenteil. Denn manchmal bin ich traurig darüber, dass andere Dinge in mir sehen und toll finden und schätzen und ich eben nicht. Ich bin halt einfach so. Ich brüste mich nicht damit oder find mich toll dabei. Da bin halt einfach nur ich. Und das ist okay so.
Meine Ex z.B. hat mal über sich behauptet, dass sie sich schon ganz g eil findet. Als ich das las, fühlte sich das für mich fremd an.
Meinem Selbstwert jedenfalls gibt das alles nichts. Das steigt dadurch nicht an.
Für einen kurzen Moment in meinem Leben hatte ich dieses Gefühl des sich steigernden Selbstwertgefühls mal. Es war nach dem Tod meines alten Herrn. Der hielt große Stücke von mir und dass ich viel von seinen handwerklichen Fähigkeiten gelernt hätte. Ich habe das immer abgetan und mich nur als "Handlanger" bezeichnet und ihn dabei verletzt. Als er starb habe ich mich drei Monate zurück gezogen und arbeiten zu Ende gebracht, die wir begonnen hatten. Habe mich an Neuem probiert, die ich ohne ihn nie machen wollte und alles hat funktioniert. Da flammte mit einem Mal nach Jahren ein Gefühl von Selbstwert auf. Ich mag den Begriff stolz nicht aber wenn ich etwas in dieser Zeit empfunden habe, dann kommt dem das wohl sehr nahe. Mein Alter hatte also recht.
Kurz darauf lernte ich meine Ex kennen und das Desaster nahm seinen Lauf.
Ich habe keine Probleme damit meine Defizite beim Namen zu nennen. Darüber zu reden. Darin bin ich allemal besser als über meine positiven Eigenschaften.
Wenn mir aber jemand, so wie meine Ex, meine positiven Eigenschaften abspricht und hinter meinem Verhalten, hinter meinem Wesen, schlechte Hintergedanken unterstellt und mich darin nicht so sieht wie ich bin...auch wenn oder vielleicht auch weil ich dafür keine Lobhudeleien hören möchte, damit, ich muss dir zustimmen, habe ich mir von ihr meinen restlichen Selbstwert kaputt machen lassen.
Es ist nur ein Mensch und viele andere sehen das anders, ich weiß das alles. Nur wie gesagt, meinen Selbstwert ins positive verhelfen können andere nicht. Ins negative ist das aber kein Problem.
Wenn du "verbittert" so meinst wie ich es bislang verstanden habe, als griesgrämigen, wütenden und nur negativ denkenden Menschen dann muss ich dir erneut schreiben, dass ich nicht verbittert bin.
Wenn du damit aber jemanden meinst, der eigentlich im Großen und Ganzen seine Lebensfreude verloren hat und oftmals eine erdrückende Schwere und Traurigkeit verspürt, keine Energie und Disziplin hat dagegen anzuarbeiten weil er selbst da vorne nichts positives erkennen mag und dem es manchmal egal ist wenns morgen vorbei ist...dann hast du recht. Dann bin ich verbittert.
Aber nicht nur meiner Ex wegen. Das wäre unfair, das zu behaupten. Da kommen noch andere Dinge hinzu.
Ich könnte wohl einiges mehr schreiben aber ich denke, ich hör damit jetzt mal lieber auf.
Wichtig war mir halt deine erneute Aussage über mich über die ich mir eben den ganzen Tag Gedanken gemacht habe und ich ein bedrückendes Gefühl dabei hatte.